Aktualisiert 02.03.2017 09:13

In-Car-DeliveryWerden bald auch Zalando-Päckli ins Auto geliefert?

Die Post liefert ab sofort Lebensmittel der Migros-Tochter LeShop ins Auto. Und sie plant, den Service auf weitere Onlinehändler auszudehnen.

von
S. Spaeth, Bern

Zusammen mit Volvo und LeShop lanciert die Post eine neue Art, Pakete auszuliefern.

Der Kofferraum ist jetzt auch ein Milchkästli. Die Post, der Migros-Onlineshop LeShop und Volvo haben am Mittwoch ihr gemeinsames In-Car-Delivery-Projekt vorgestellt. Gestartet wird ab sofort. Die Schweiz ist das erste Land ausserhalb Skandinaviens, in dem Volvo einen derartigen Service anbietet. Der Vorteil: Das Schleppen und Verladen der Waren ins Auto entfällt.

Wie funktioniert das System?

Nach einer Registrierung für In-Car-Delivery wählt der Kunde bei der Bestellung im Migros-Onlineshop LeShop das Auto als Lieferort aus. Der Postbote erhält dann die Koordinaten des Standorts und kann das Fahrzeug für die Warenauslieferung in einem Radius von 200 Metern orten. Den Kofferraum öffnet der Pöstler mit einem einmalig gültigen digitalen Schüssel, der auf sein Mobilgerät gesendet wurde. Steht das Auto in einer nicht zugänglichen Tiefgarage, funktioniert der Service nicht.

Wem steht der Service offen?

Vorerst steht der Service in den Städten Zürich, Bern, Genf und Lausanne zur Verfügung. «Wenn es gut läuft, werden wir ausbauen», sagt LeShop-Chef Dominique Locher. Derzeit gibt es in der Schweiz rund 6500 Volvos, bei denen In-Car-Delivery möglich ist. Bis Ende Jahr sollen es 10'000 sein. Alle neuen Fahrzeuge werden mit der entsprechenden Technologie ausgerüstet.

Wird die Post bald auch andere Sendungen ins Auto liefern?

Wenn die Dienstleistung gut ankomme, werde man die Technologie auch auf andere Anbieter anwenden, sagt Post-Logistics-Chef Dieter Bambauer: «Ich kann mir gut vorstellen, dass wir den In-Car-Service auch für Zalando-Pakete öffnen.» Denkbar ist sowohl ein Ausliefern der Zalando-Bestellungen als auch ein Abholen der Retoursendungen im Kofferraum. Die Post ist laut Bambauer bereits von mehreren Firmen kontaktiert worden, die sich fürs Thema Kofferraumlieferungen interessieren.

Werden wir uns in Zukunft alle Pakete ins Auto liefern lassen?

«Die Kerninnovation bei diesem Service ist der digitale Schlüssel. Er macht es möglich, dass wir künftig eine Vielzahl neuer Milchkästli haben können», sagt Professor Ralf Wölfle von der Fachhochschule Nordwestschweiz. Letztendlich gehe es darum, einen abgeschlossenen Raum zu haben, der dank des digitalen Schlüssels zu bestimmten Zeiten für Berechtigte zugänglich sei. Machen derartige Lieferungen Schule, wird man künftig nicht mehr gezwungen sein, ein Paket auf der nächsten Poststelle abzuholen, wenn man den Pöstler verpasst hat.

Sind die Lieferungen ins Auto sicher?

Der digitale Schlüssel sei jeweils nur für die einmalige Öffnung des Kofferraums gültig, betont Natalie Robyn von Volvo Schweiz. Zudem erfolge der Datenaustausch über einen Volvo-eigenen Cloud-Service. Laut Robyn hat eine Umfrage in Schweden gezeigt, dass 95 Prozent der Befragten dem Postboten vertrauen und ihn das eigene Auto öffnen lassen.

Was kostet die Lieferung ins Auto?

Bestellungen bis Mitternacht werden bis am nächsten Mittag ins Auto geliefert. Zur Auswahl stehen die 13'000 Produkte aus dem Sortiment von LeShop, darunter auch gekühlte Produkte. Dank Kühlelementen kann die Kühlkette laut LeShop eine bis zwei Stunden sichergestellt werden. Die Kosten sind bei der Kofferraum-Lieferung nicht höher als bei Heimlieferungen (ab einem Warenwert von 99 Franken 15.90, ab 200 Franken Einkauf sind es 7.90 Franken).

Was machen die Konkurrenten?

Das Auto als Paketzustellort zu nutzen versuchen auch andere Firmen. Im vergangenen Jahr kündigten Smart und DHL entsprechende Tests in Deutschland an. Bereits 2015 lancierte DHL ein Pilotprojekt mit Audi. Mit mehreren hundert Teilnehmern pro Stadt wollen DHL Paket und Smart Erfahrungen unter realitätsnahen Bedingungen sammeln. «Es gibt enorm viele potenzielle Schliessfächer auf Rädern, andere Marken werden nachziehen», sagt Locher.

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Der Kunde bestellt im Migros-Onlineshop LeShop und wählt als Lieferort das Auto an.

Der Kunde bestellt im Migros-Onlineshop LeShop und wählt als Lieferort das Auto an.

Fabian Weber
Der Standort des Fahrzeugs ist so genau wie möglich anzugeben.

Der Standort des Fahrzeugs ist so genau wie möglich anzugeben.

Fabian Weber
Der Postbote kann das Fahrzeug in einem Radius von 200 Metern orten.

Der Postbote kann das Fahrzeug in einem Radius von 200 Metern orten.

Daniel Kellenberger

In-Car-Delivery: In Schweden seit 2015 Der Autobauer Volvo setzt in Schweden seit 2015 auf In-Car-Delivery. Die Schweiz ist nun das erste Land ausserhalb Skandinaviens, in dem der Service lanciert wird. Die Schweizer sind sehr affin für technologische Entwicklungen, begründet Natalie Robyn, Managing Director bei Volvo Car Switzerland. Auch sei die Digitalisierung bereits auf einem hohen Niveau. Zudem hat Volvo in der Schweiz rasch die entsprechenden Partner gefunden.

In-Car-Delivery: In Schweden seit 2015 Der Autobauer Volvo setzt in Schweden seit 2015 auf In-Car-Delivery. Die Schweiz ist nun das erste Land ausserhalb Skandinaviens, in dem der Service lanciert wird. Die Schweizer sind sehr affin für technologische Entwicklungen, begründet Natalie Robyn, Managing Director bei Volvo Car Switzerland. Auch sei die Digitalisierung bereits auf einem hohen Niveau. Zudem hat Volvo in der Schweiz rasch die entsprechenden Partner gefunden.

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