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Q&A zu SotschiWerden das die grössten Spiele aller Zeiten?

In 11 Tagen kämpfen 3000 Athleten aus 90 Ländern bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi um 98 Medaillen. Die wichtigsten Zahlen und Fakten zum Grossereignis.

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Der Countdown läuft: Am 7. Februar beginnen im russischen Kurort Sotschi die XXII. Olympischen Winterspiele. Dann wird Präsident Wladimir Putin der Welt endlich «sein» modernes Russland präsentieren dürfen. Doch was kostet der Spass? Wie viel wiegt die Fackel? Wir haben einige Zahlen und Fakten zu Sotschi 2014 zusammengefasst.

Wie viele Athleten nehmen an den Olympischen Winterspielen 2014 teil?

In Sotschi werden an 17 Tagen rund 3000 Athleten aus fast 90 Ländern um Gold, Silber und Bronze kämpfen. Zum Vergleich: In Vancouver hatten im Jahr 2010 noch 2566 Sportler teilgenommen. Das Programm wurde jedoch im Jahr 2011 überprüft und um sieben Disziplinen erweitert.

Wie viele Medaillen sollen verteilt werden?

Für dieses Jahr sind 98 Medaillenentscheidungen vorgesehen, zwölf mehr als bei den Spielen in Vancouver 2010. Für die insgesamt 1300 Gold-, Silber- und Bronzemedaillen hat die Moskauer Juwelierfabrik Adamas drei Kilo Gold, zwei Tonnen Silber und 700 Kilo Bronze benötigt.

Putin, der Pistenkönig

Wofür stehen eigentlich die fünf farbigen Olympia-Ringe?

Das Symbol der olympischen Ringe in Blau, Schwarz, Rot, Gelb und Grün hat Pierre de Coubertin im Jahr 1913 entworfen und erstmals bei den Spielen in Antwerpen verwendet. Die fünf Ringe stehen für die fünf Kontinente, und die fünf Farben für mindestens eine Farbe aus jeder Landesfahne der teilnehmenden Nationen.

Wie schwer ist die Olympia-Fackel?

1,5 Kilogramm wiegt die rund einen Meter lange Olympia-Fackel aus Aluminium. Die Fackel wurde nach der Silhouette einer Feder des zauberhaften Feuervogels gestaltet, der einem russischen Volksmärchen zufolge Glück und Erfolg bringen soll. 14'000 Fackelträger haben während 123 Tagen die Flamme mehr als 65'000 Kilometer durch insgesamt 2900 russische Gemeinden geführt.

Wie viele offizielle Maskottchen gibts denn eigentlich?

Als offizielle Maskottchen wählten die russischen Fernsehzuschauer per Telefon gleich drei Tiere: Ein Leopard, ein Eisbär und ein Hase sind die offiziellen Maskottchen der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi. Russlands Regierungschef Wladimir Putin bezeichnete den Leoparden als ein «starkes, schnelles und schönes Tier, das einst im Kaukasus beheimatet war und jetzt in der Region wieder angesiedelt werden soll».

Wie viele Menschen werden die Eröffnung im Stadion verfolgen?

Im Olympiastadion Sotschi, dem grössten Stadion aller Zeiten, werden 45'000 Personen die Eröffnungs- und Schlussfeier des sportlichen Grossereignisses verfolgen. Nach den Olympischen Spielen soll das Stadion für die Fussball-WM 2018 noch einmal genutzt werden.

Wie viele Journalisten sind akkreditiert?

Nach Sotschi reisen 13'000 Reporter und Sportjournalisten aus aller Welt – 3000 mehr als nach Vancouver. Mehr als drei Milliarden Zuschauer werden die Spiele im Fernsehen mitverfolgen.

Wie tief muss ein Sotschi-Besucher für das Spektakel in die Tasche greifen?

Die meisten Tickets kosten maximal 92 Franken. Für die Übernachtung in einem Fünf-Sterne-Hotel hat die russische Regierung den Maximalpreis auf 13'048 Rubel, etwa 350 Franken, pro Nacht festgelegt. Die günstigste Kategorie mit ein oder zwei Sternen darf demnach umgerechnet maximal 175 Franken kosten.

Wie viel Manpower steckt in Sotschi?

72'400 Arbeiter bauten in der Region an der Schwarzmeerküste Wettkampfanlagen, Hotels und Unterkünfte. Das sind allerdings 22'600 weniger als laut Plan notwendig. Etwa 8000 Arbeiter kämen aus dem Ausland, gab das Baunternehmen Olympstroi bekannt. Doch die Zahlen schwanken stark, manche Quellen sprechen gar von 17'000 Gastarbeitern.

Und was kostet der Spass?

Obwohl offiziell die Kosten für das Sportereignis mit 214 Milliarden Rubel, rund 5,5 Milliarden Franken, beziffert werden, rechneten Wirtschaftexperte der Zeitschrift «Wedomosti» das Budget auf 45 Milliarden Franken hoch. Damit sind die Olympischen Spiele in Sotschi die teuersten der Geschichte.

Keine Zahl, dafür ein klares Zitat

Boris Nemzow, Vize-Ministerpräsident unter Boris Jelzin und jetziger Oppositionspolitiker, fasste die Gründe für die eklatanten Kosten folgendermassen zusammen: «Die Olympischen Spiele von Sotschi sind ein beispielloser Diebeszug, vollbracht von Leuten aus Putins Regierung und regimetreuen Oligarchen.»

Blogger Nawalny startet Internet-Pranger für Korruption

Der russische Regierungskritiker und Blogger Alexej Nawalny prangert auf einer neuen Internetplattform Korruption vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi an.

sochi.fbk.info trägt er eigene Recherchen sowie Informationen von Medien und Aktivisten zusammen.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat Berichte über grassierende Korruption im Zusammenhang mit Sotschi zurückgewiesen und erklärt, einige Preisüberschreitungen seien auf Fehler der Investoren zurückzuführen. «Wenn irgendwer Informationen dazu hat, dann soll er sie uns zeigen», hatte Putin kürzlich in einem Fernsehinterview gesagt. «Aber bislang haben wir ausschliesslich Spekulationen gesehen.»

Der russische Rechnungshof hatte schon 2012 nicht zu erklärende Kostenüberschreitungen von mehr als 360 Millionen Euro beklagt. Er hatte auch festgehalten, dass das Verhalten einiger Beschäftigter beim staatlichen Olympiaorganisator Kostenüberschreitungen begünstigt habe. Gegen drei der Mitarbeiter wurden strafrechtliche Ermittlungen eröffnet. Ein Gerichtsverfahren hat es aber noch nicht gegeben.

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