12.08.2020 09:56

Neuer Konkurrent für die SwisscomMacht der Sunrise-Deal die Schweizer Handyabos günstiger?

Die UPC-Besitzerin Liberty Global will sich Sunrise schnappen. Zum ersten Mal würde es ein Unternehmen geben, das der Swisscom die Stirn bieten kann. Was heisst das für die Kunden? Die wichtigsten Antworten.

von
Dominic Benz

Telecomexperte Jean-Claude Frick erklärt, was der Megadeal für die Kunden bedeutet.

20M

Darum gehts

  • UPC will für 6,8 Milliarden Franken Sunrise kaufen.
  • Für die Swisscom dürfte erstmals ein ernsthafter Konkurrent entstehen.
  • Die wichtigsten Fragen zum geplanten Deal.

In der Schweizer Telecombranche bahnt sich ein Megadeal an: Die UPC-Besitzerin Liberty Global will Sunrise kaufen. Der Deal hat einen Wert von 6,8 Milliarden Franken, wie Sunrise am Mittwoch in einer Mitteilung bekannt gab. Was bedeutet das für die Kunden? Und wird der Name Sunrise verschwinden? Die wichtigsten Antworten:

Was hätten die Kunden vom Deal?

Mit einem Zusammenschluss von UPC und Sunrise wird es ein Unternehmen geben, das die wichtigen Bereiche Breitbandinternet, Kabel, TV und Mobile abdeckt. Das kommt den Kunden zugute. «Die Konsumenten können dann von Bundle-Angeboten profitieren», sagt Jean-Claude Frick zu 20 Minuten. Laut dem Telecomexperten von Comparis dürften die Preise für die Abos mittel- oder langfristig leicht sinken. «Ein Abo wird zudem attraktiver, weil es grundsätzlich mehr kann.» So hatte UPC bisher kein eigenes Mobile-Netz. Das ändert sich mit dem Kauf von Sunrise. «Mit dem direkten Zugriff auf das 5G-fähige Netz von Sunrise kommt dann alles aus einer Hand», so Frick.

Analysten der Zürcher Kantonalbank (ZKB) hingegen glauben nicht, dass die Preise nun gross fallen werden. Denn der Kaufpreis sei relativ hoch. Damit sich der Deal überhaupt lohne, dürfte das neue Unternehmen nicht zum «exzessiven Preisdrücker werden», so die Analysten in einem Kommentar. «Wir gehen deshalb davon aus, dass sich der Wettbewerb zukünftig weniger um die Preise als um die Qualität der Netzwerke und des Angebots dreht.»

Muss sich die Swisscom jetzt warm anziehen?

Der Deal zwischen UPC und Sunrise ist laut Frick für die Schweizer Telecombranche sehr wichtig. Die Swisscom würde einen grossen Konkurrenten erhalten. «Erstmals würde es ein Unternehmen geben, das der Swisscom die Stirn bieten kann. Das hat es bisher noch nie gegeben», so der Experte. Wie Sunrise in der Mitteilung schreibt, werde das neue Unternehmen über die Grösse verfügen, um Innovationen voranzutreiben und in neue Dienstleistungen zu investieren. Das kombinierte Unternehmen werde gut positioniert sein, um den Ausbau der Netzinfrastruktur der nächsten Generation, einschliesslich 5G und zukünftiger Technologien, fortzusetzen.

War da nicht schon mal was?

Bereits im letzten Jahr wollten sich die Unternehmen zusammentun. Damals aber in umgekehrter Folge: Sunrise wollte für 6,3 Milliarden Franken UPC schlucken. Doch der Deal platzte, weil sich Sunrise-Grossaktionär Freenet bis zum Schluss vehement gegen den Deal stemmte. Nach der gescheiterten Übernahme mussten sowohl der Sunrise-CEO Olaf Swantee als auch der Verwaltungsratspräsident Peter Kurer ihren Posten räumen.

Wieso soll es jetzt zum umgekehrten Deal kommen?

Die UPC kommt laut Jean-Claude Frick seit Jahren nicht mehr vom Fleck. «Das Unternehmen wächst nicht mehr und hat stagniert.» Nach dem geplatzten Deal im letzten Jahr sei klar geworden, dass niemand anders UPC kaufen wolle. Doch für die Besitzerin Liberty Global sei der Status quo die schlechteste Option. Um vorwärtszukommen, müsse man nun das Umgekehrte machen und selber Sunrise kaufen. «Es ist eine Flucht nach vorne», so Frick. Möglich sei auch, dass UPC für Käufer wieder attraktiver gemacht werden soll. «Einen Verkauf in ein paar Jahren an einen Giganten wie Vodafone ist nicht auszuschliessen.»

Kommt der Deal zustande?

Für Experte Frick ist klar: «Der Deal kommt zustande.» Ganz anders als beim gescheiterten Zusammenschluss im letzten Jahr gebe es niemanden, der gegen diesen Deal sei. «Von dem Kauf profitieren alle Parteien», sagt Frick. Auch die Analysten der Zürcher Kantonalbank schätzen die Wahrscheinlichkeit für das Zustandekommen des Deals als sehr hoch ein. «Wir erwarten weder grössere regulatorische Bedenken noch erneute Skepsis der Sunrise-Aktionäre angesichts des stolzen Übernahmepreises», schreiben die Analysten in einem Kommentar.

Wird der Name Sunrise verschwinden?

Wie das neue Unternehmen letztlich heissen wird, ist noch unklar. Laut Frick bedeutet die Übernahme von Sunrise aber nicht zwangsläufig, dass man den Brand sterben lässt und auf den Namen UPC setzt. «Die Chance dafür ist allerdings gross», so der Experte. Möglich wäre auch, dass das Unternehmen einen völlig neuen Namen erhält. «Das wäre ein Neustart mit einem neuen Angebot.»

Wie reagieren die Anleger?

Die Ankündigung der Sunrise-Übernahme löste an der Börse ein Kursfeuerwerk aus. Zum Handelsstart legte der Preis der Sunrise-Aktien um rund 27 Prozent auf über 109 Franken zu. Auch am Vormittag konnten sich die Gewinne weiter halten.

Das sind die Unternehmen

UPC beschäftigt in der Schweiz und in Österreich 1600 Mitarbeiter. Derzeit gibt es 971‘000 TV- und 646’000 Internetabonnenten, 500’000 Kunden haben ein Festnetz- und 223'000 ein Mobilabo. Das Unternehmen betreibt ausserdem den Sportkanal Mysports. Die UPC-Besitzerin Liberty Global mit Sitz in London ist eines der weltweit führenden Unternehmen in den Bereichen konvergente Videos, Breitband und Kommunikation und ist in sechs europäischen Ländern unter den Brands Virgin Media, Telenet und UPC tätig.

Beim Telecomkonzern Sunrise arbeiten derzeit 1739 Personen. Im Gegensatz zu UPC verfügt Sunrise über ein eigenes Mobilnetz. Neben dem Mobilfunk bietet Sunrise ebenfalls TV-, Internet und Festnetzdienste an.

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143 Kommentare
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Coronese

13.08.2020, 23:13

Nein, er macht nur ein paar sehr wenige sehr viel reicher und gibt einigen sehr vielen, die Chance sich über neue Beschäftigungsmöglichkeiten zu informieren 😓

Mediterranean

13.08.2020, 09:26

Ladies and Gentlemen.......eine Spezialität der Branche: Massenentlassung!

Ist leider so

13.08.2020, 09:20

Nein macht er nicht, in der Schweiz gibt es nichts was günstiger wird.