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Waadtländer Kantonalbank-AffäreWerden die Banker heute verurteilt?

Sechs ehemalige Kadermitglieder und Revisoren der Waadtländer Kantonalbank müssen wegen des Vorwurfs auf Bilanzmanipulation erneut vor Gericht - der Staatsanwalt fordert härtere Strafen. Das Urteil des Kassationshofs wird am Abend erwartet.

In erster Instanz waren die sechs Angeklagten vom Hauptanklagepunkt - der Bilanzmanipulation - freigesprochen worden. Lediglich Ex-CEO Gilbert Duchoud sowie sein Vorgesetzter Jacques Treyvaud waren im Zusammenhang mit Bonuszahlungen an Top-Kader zu bedingten Geldstrafen verurteilt worden.

Nur zwei verurteilt

Für diese Anklagepunkte erhielt Duchoud eine auf zwei Jahre bedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 400 Franken. Treyvaud wurde wegen Komplizenschaft zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 500 Franken verurteilt.

Die beiden Ex-Kader hatten gegen ihre Verurteilung rekurriert. Der Staatsanwalt hatte ebenfalls Berufung eingelegt. Er forderte härtere Strafen und fordert eine Verurteilung wegen der Bilanzmanipulation.

Urkundenfälschung

Die Staatsanwaltschaft ist der Ansicht, dass die Risikoeinschätzung der Jahresabschlüsse 1996 und 1997 eine Urkundenfälschung darstellt. Danach hätten sich die Kader durch Vertuschungsaktionen der ungetreuen Geschäftsbesorgung schuldig gemacht.

Die Staatsanwaltschaft verlangt 16 Monate Gefängnis bedingt für Gilbert Duchoud sowie eine bedingte Strafe von 360 Tagessätze für Jacques Treyvaud. Der Kassationshof hat einen Tag für die Anhörung vorgesehen. Das Urteil wird am Abend verlesen.

Zu tief gerechnet

Die Bankmanager hatten 1996 die Reserven und Rückstellungen für gefährdete Kredite willentlich zu tief angesetzt und dies in den Folgejahren vertuscht. Als die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) im Jahr 2001 ungenügende Reserven entdeckt hatte, musste der Kanton Waadt auf Druck der EBK insgesamt 1,86 Mrd. Fr. einschiessen.

Die Bank hat dieses Geld in der Zwischenzeit inklusive einer Risikoprämie von 2 Prozent zurückbezahlt. (sda)

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