Trennbankensystem: Werden die Grossbanken doch noch gestutzt?
Aktualisiert

TrennbankensystemWerden die Grossbanken doch noch gestutzt?

Der Ruf nach einer Aufspaltung von CS und UBS wird immer lauter. Linke und Rechte konnten sich bislang nicht auf eine Strategie einigen. Möglich, dass der Druck der Anleger rascher wirkt.

von
B. Bruppacher
Ungemütliche Lage für die Grossbanken: UBS und CS stehen zunehmend unter politischem Druck.

Ungemütliche Lage für die Grossbanken: UBS und CS stehen zunehmend unter politischem Druck.

«Wenn Sie das neu aufgreifen, sind wir sehr gerne bereit, hier mitzumachen.» Das sagte SVP-Wortführer Christoph Blocher schon im letzten Sommer im Nationalrat. Die freundlichen Worte galten keinem Parteifreund, sondern Daniel Vischer. Der Zürcher Grüne und Jurist hatte sich erkundigt, ob die SVP bereit sei, in der Schweiz das Trennbankensystem zu forcieren.

Trennbankensystem – das bedeutet vor allem die Abspaltung des Investmentbankings von den übrigen Teilen des Bankgeschäfts. Damit soll verhindert werden, dass die Risiken im Investmentbanking die gesamte Bank in den Abgrund reissen können. So wäre es vor vier Jahren im Falle der UBS geschehen, wenn Bund und Nationalbank nicht rettend eingegriffen hätten.

Schweiz spielt Vorreiterrolle

Zwar rühmt sich die Schweiz, international eine Vorreiterrolle bei der Lösung des Too-big-to-fail-Problems zu spielen. Also bei den Vorkehrungen, mit denen verhindert werden soll, dass eine Bank letztlich von den Steuerzahlern gerettet werden muss, weil ihr Untergang zu einem Kollaps des Finanzsystems führen würde.

Tatsächlich ist seit letztem März ein Gesetzespaket in Kraft. Es schreibt den Grossbanken mehr Eigenmittel und Liquidität vor. Organisatorische Auflagen sollen zudem dafür sorgen, dass die volkswirtschaftlich wichtigen Funktionen wie Zahlungsverkehr und Kreditgeschäft im Krisenfall von der übrigen Bank abgespaltet werden können.

UBS und CS noch immer «too big to fail»

Experten sind sich aber einig, dass bei einer existenzbedrohenden Krise von UBS oder CS der Staat auch heute noch eingreifen müsste. Zum einen gelten für die neuen Vorschriften lange Übergangsfristen bis Ende 2018. Zum anderen handelte es sich beim Gesetzespaket um einen zäh ausgehandelten Kompromiss, bei dem die Behörden Abstriche von ihren Vorstellungen machen mussten. Das erklärt auch das ungewöhnliche Nachtreten der Nationalbank gegen die Credit Suisse im letzten Sommer.

Die politischen Vorstösse für ein Trennbankensystem liegen in der Schweiz seit über einem Jahr auf dem Tisch. Aus dem linksgrünen Lager ebenso wie seitens der SVP. Das Zurückstutzen der Grossbanken scheiterte bisher an unterschiedlichen Vorstellungen über den einzuschlagenden Weg und an der Parteitaktik.

Neuer Anlauf von SP-Präsident Levrat

Die SVP machte sich für eine Holdingstruktur der Grossbanken stark, mit der Ausgliederung des Zahlungsverkehrs und des Kreditgeschäfts in eine schweizerische Tochtergesellschaft. Sie soll so vor einem Kollaps des Investmentbankings in den USA und in London geschützt werden. Das linksgrüne Lager strebt hingegen eine rechtliche und wirtschaftliche Trennung des Investmentbankings vom übrigen Geschäft an und fordert ein Verbot des Eigenhandels.

SP-Präsident Christian Levrat kündigte Anfang Woche in der «Aargauer Zeitung» einen neuen Anlauf an. Eine mehrheitsfähige Variante kann sich auch SVP-Generalsekretär Martin Baltisser vorstellen. Im Sommer gab es bereits Kontakte zwischen SVP und Grünen.

Eine Motion der Grünen zeigt einen möglichen Mittelweg auf. Sie legt sich nicht auf ein Modell fest. Sie will den Bundesrat vielmehr beauftragen, die Vor- und Nachteile sowie die Möglichkeiten der Umsetzung sowohl des funktionalen wie auch des territorialen Trennbankensystems zu prüfen.

Grossbanken auch von Anlegern unter Druck

Der Bundesrat und die Mitteparteien haben sich bisher dagegen gewehrt. Dem Bundesrat geht sogar ein SP-Postulat für einen Bericht über das Trennbankensystem zu weit. Eine behördlich angeordnete Aufspaltung wäre ein massiver Eingriff in die Wirtschafts- und Organisationsfreiheit, gibt die Regierung zu bedenken.

Solchen Eingriffen könnten sich die Grossbanken aber auch selber entziehen – durch Änderung ihrer Geschäftsmodelle. «Ohne Investmentbank wäre die UBS mit grosser Wahrscheinlichkeit ein hochprofitabler Finanzkonzern mit einer Eigenkapitalrendite von mehr als 30 Prozent», sagte Alfred Strebel, Schweiz-Chef des US-Vermögensverwalters Fidelity, in einem Interview mit dem Finanzportal finews.ch. Vielleicht zeitigt der Druck der Anleger rascher Wirkung als die langsam mahlenden Mühlen der Politik.

Der Hund und der Frisbee

Die komplizierte Berechnung der Eigenmittelvorschriften, bei der die Grossbanken eigene Modelle einsetzen dürfen, steht von verschiedener Seite unter Beschuss. So haben sich die Kantonalbanken kürzlich im Nationalrat mit einem Vorstoss für gleich lange Spiesse durchgesetzt. Für ein Gegengewicht zu den Grossbanken innerhalb der Bankiervereinigung sorgt die neu gegründete Interessengemeinschaft der Inlandbanken.

Der Ruf nach einfacheren, im Effekt aber wirksameren Regeln ist auch auf internationaler Ebene unüberhörbar. Der britische Bankenaufseher Andrew Haldane untermauerte diese Forderung kürzlich mit dem Bild des Hunds, der einen Frisbee auffängt. Dem Collie gelinge diese höchst anspruchsvolle Aufgabe auf einfache Weise. Indem er seine Laufgeschwindigkeit so anpasse, dass der Sichtwinkel zum fliegenden Frisbee konstant bleibe. «Keep it simple», lautet Haldanes Message deshalb auch für die Finanzmarktregulierung. (bb)

Finanzplatz Genf legt zu

Die Genfer Banken haben im ersten Halbjahr ihre verwalteten Vermögen gesteigert. Der Geldzufluss komme zu 80 Prozent aus dem Ausland, sagte Bernard Droux von der Stiftung Genfer Banken. Die Institute bekommen vor allem Vermögenswerte aus der Eurozone, dem Mittleren Osten und Lateinamerika.

Es komme beispielsweise Geld von Spaniern, die Angst vor dem Zusammenbruch ihres heimischen Bankensystems hatten. Die Umfrage zeige aber auch, dass die Gewinne unter Druck seien, aber nicht in dramatischen Ausmasse, sagte Droux. Für 2012 geht die Hälfte der grösseren Genfer Banken von einem tieferen Gewinn aus als jenem, den sie 2011 erzielt hatten. Bei Instituten mit weniger als 200 Mitarbeitern erwartet nur ein Fünftel ein schlechteres Ergebnis. Höhere Arbeitslosigkeit erwarten die Banker aber nicht. Mitarbeiter, die ihre Stelle verloren hätten, seien in der Regel schnell woanders untergekommen, sagte Droux. Die Löhne hielten sich ebenfalls auf ihrem angestammten Niveau. (sda)

Deine Meinung