Niedrigwasser: Werden Getreide und Kaffee nun teurer?
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NiedrigwasserWerden Getreide und Kaffee nun teurer?

Wegen der Trockenheit kommen die Schiffe mit Heizöl, Getreide oder Kaffee halbleer in die Schweiz. Das treibt die Transportkosten in die Höhe.

von
I. Strassheim

Der Tiefwasserpegel sorgt dafür, dass die mit Heizöl beladenen Schiffe nur noch einen Drittel ihrer Kapazität in die Rheinhäfen liefern können. (Video: Roland Schäfli/Murat Temel)

Der Rhein ist im Tief. Das Niedrigwasser ist zwar nichts Aussergewöhnliches, dafür seine Dauer seit über drei regenlosen Monaten. «Schon seit August können die Schiffe weniger laden», sagt Simon Oberbeck zu 20 Minuten. Laut dem Sprecher der Schweizerischen Rheinhäfen wird es von Woche zu Woche schlimmer: Momentan kann ein Schiff nur noch 30 bis 40 Prozent der normalen Gütermenge führen, ohne auf Grund zu laufen. Die Folge: Die Kosten für den Transport steigen.

Während Migros ihre Güter schwergewichtig per Bahn in die Schweiz bringt, kommen bei Coop bis zu ein Drittel mit dem Schiff. Dennoch steigen die Preise für Kaffee oder Brot bei dem Detailhändler nicht. Denn die eingeschränkte Rheinschifffahrt hat laut einem Sprecher keine Auswirkungen: «Dank einer schnellen Reaktion in der Logistik gibt es keine Verzögerungen, und die Verfügbarkeit der Waren ist sichergestellt», sagt Mediensprecher Urs Meier. Wo es sinnvoll sei, würden die Güter auf dem Rhein statt bis Basel nur bis nach Kehl transportiert und dort auf die Schiene umgeladen. Das sei ohne Folgen für die Preise.

Die Pflichtlager bleiben zu

Trotz der aussergewöhnlich langen Trockenheit liegen beim Bund keine Anträge auf Öffnung der Pflichtlager vor, die für Getreide, Futtermittel, Reis, Zucker, Speiseöl und Kaffee angelegt sind. Nur für Benzin, Diesel und Heizöl werden die Vorräte angezapft: «Wir haben bis anhin 240 Millionen Liter oder rund fünf Prozent der Pflichtlagermenge freigegeben», sagt Lucio Gastaldi vom Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung. Der Befund der wöchentlichen Lagebeurteilung am Dienstag lautete: «Das sollte für diese und die kommende Woche reichen.»

Ende Oktober hatte der Bund die Lager für Mineralöl öffnen lassen, weil die letzte verbliebenen Schweizer Raffinerie in Cressier wegen technischer Probleme ausgefallen war und der Nachschub per Rheinschifffahrt beschränkt blieb. In Cressier ist die Produktion aber inzwischen wieder angelaufen und sollte im Laufe dieser Woche komplett hochgefahren sein.

Seehäfen bunkern Getreide

Für die Schweiz ein Problem bleibt jedoch der Getreidetransport: «Im Moment wird sehr viel Getreide in Seehäfen wie Rotterdam oder Hamburg gebunkert», sagt Claudia Bracher von Rhenus Logistics. Und sie fügt an: «Wir hoffen dringend auf Regen.»

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