Publiziert

VolksabstimmungWerden Jäger bald aus Zürich verbannt?

30 bis 50 staatliche Wildhüter sollen die 1300 privaten Jäger im Kanton Zürich ersetzen. Das fordert eine Initiative der Tierpartei Schweiz.

von
tür
Damit soll bald Schluss sein: Ein privater Jäger in seinem Hochstand in Kloten ZH.

Damit soll bald Schluss sein: Ein privater Jäger in seinem Hochstand in Kloten ZH.

Keystone/Gaetan Bally

Mit rund 7300 Unterschriften hat die Tierpartei Schweiz (TPS) beim Kanton Zürich die Initiative «Wildhüter statt Jäger» eingereicht. Die Zürcher Bürger werden darüber abstimmen, ob im Kanton Zürich bald keine Jäger mehr arbeiten und die ganze Überwachung Wildhütern übergeben wird, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Wann genau die Initiative vors Volk kommt, ist noch unklar.

Was genau die Initiative jedoch fordert, ist klar: So sollen die 1300 «Hobby- und Milizjäger», wie sie die TPS nennt, keine Wildtiere mehr erlegen dürfen. Bis dato taten sie dies, um den Bestand zu regulieren. So haben die Jäger im Kanton Zürich 2016 rund 7800 Wildtiere geschossen, wovon rund 4400 Rehe und zirka 2400 Füchse waren.

Gleiches Modell in Genf seit 1974

Der Vorwurf der TPS ist unter anderem, dass die Jäger den Bestand an Wildtieren bewusst und künstlich hoch halten: «Sie schiessen jedes Jahr so viele Rehe, dass sie im darauffolgenden Jahr den Bestand wiederum regulieren können – das heisst, dass sie wieder auf die Jagd gehen können», so die Tierpartei-Präsidentin Monika Heierli.

Anstelle jener Jäger sollen zwischen 30 und 50 staatliche Wildhüter im Einsatz sein. Diese dürften aber nur noch kranke und verletzte Tiere erlegen, sodass sich die Population selber regeln sollte. Die TPS stützt sich bei der Initiative auf die Erfahrungen des Kantons Genf, wo schon im Jahr 1974 die private Jagd abgeschafft wurde.

«Wildhüter können Aufgabe nicht übernehmen»

Von dieser Idee hält Christian Jaques, Präsident von Jagd Zürich, nichts: «Das Modell Genf als jagdfreier Kanton muss als gescheitert betrachtet werden», sagt er zum «Tages-Anzeiger». Man könne die Zahlen schlicht nicht miteinander vergleichen. So hat Zürich sechsmal mehr Fläche und 15-mal mehr Waldfläche. Während der Bestand von Rehen in Genf bei gerade einmal 350 Tieren liege, zähle der Kanton Zürich rund 11'000 Rehe. Zusätzlich hätten im letzten Jahr in Genf auch 29 Rehe und 290 Wildschweine geschossen werden müssen.

Laut Jaques hätten die Zürcher Jäger eine mindestens dreijährige Ausbildung, und die ganzen Jagdreviere seien gut organisiert und aufgeteilt. Die Jäger würden sich bestens in den spezifischen Gebieten auskennen und können somit einen gesunden Wildbestand regulieren.

Nicht zu vergessen seien auch die 1500 Rehunfälle, die im Kanton Zürich pro Jahr – also vier pro Tag – passieren, wo die Jäger ausrücken. Jacques: «Zu glauben, dass die durch die Initianten erwähnten 30 bis 50 Wildhüter diese eingespielte und bewährte Regulierung durch gut ausgebildete und verantwortungsvolle Jägerinnen und Jäger übernehmen können, ist reine Augenwischerei.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.