Winterspiele in Pyeongchang: Werden Nordkoreas Athleten dauerüberwacht?
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Winterspiele in PyeongchangWerden Nordkoreas Athleten dauerüberwacht?

22 Athleten kämpfen ab Freitag um Medaillen für Nordkorea: Wer sind sie? Droht ihnen bei Versagen Haft? Und dürfen sie sich im Ausland frei bewegen?

von
kko
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Nordkoreas Eiskunstlauf-Paar Kim Ju-sik (r.) und Ryom Tae-ok während des Trainings in der Woche vor Olympia-Start in Gangneung, Südkorea. (6. Februar 2018)

Nordkoreas Eiskunstlauf-Paar Kim Ju-sik (r.) und Ryom Tae-ok während des Trainings in der Woche vor Olympia-Start in Gangneung, Südkorea. (6. Februar 2018)

AFP/Roberto Schmidt
Von den 22 nordkoreanischen Athleten haben sich die beiden als einzige regulär für die Winterspiele qualifiziert.

Von den 22 nordkoreanischen Athleten haben sich die beiden als einzige regulär für die Winterspiele qualifiziert.

AFP/Roberto Schmidt
Bevor sie überhaupt an internationalen Veranstaltungen teilnehmen, werden die Spitzensportler sorgfältig überprüft und auch während der Anlässe eng von regimetreuen Aufpassern überwacht. Im Bild Ryom und Kim mit zwei ihrer Coaches.

Bevor sie überhaupt an internationalen Veranstaltungen teilnehmen, werden die Spitzensportler sorgfältig überprüft und auch während der Anlässe eng von regimetreuen Aufpassern überwacht. Im Bild Ryom und Kim mit zwei ihrer Coaches.

Getty Images/Jamie Squire

Erst vor wenigen Wochen hat Nordkorea seine Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang verkündet. Seitdem wartet man gespannt auf den Auftritt der Athleten des isoliertesten Landes der Welt. Ein kurzer Überblick:

Wer tritt eigentlich für Nordkorea an?

An den Winterspielen nehmen 22 nordkoreanische Athleten in fünf Disziplinen teil. Nur zwei davon haben sich allerdings regulär dafür qualifiziert: Das Eiskunstlauf-Paar Kim Ju-sik (25) und Ryom Tae-ok (18) sicherte sich seinen Platz im September an einem Wettkampf im deutschen Oberstorf. An die anderen Sportler hat das Olympische Komitee Wildcards vergeben. Sie treten in Shorttrack, Langlauf und Ski alpin an, weiter ergänzen zwölf Eishockeyspielerinnen das Team Südkoreas.

Warum sendet Kim Athleten ins erklärte «Feindesland»?

Dass Nordkorea eine Delegation nach Pyeongchang schickt, werten viele Beobachter als Anzeichen für das Tauwetter zwischen den verfeindeten Ländern – aber auch als PR-Strategie von Machthaber Kim Jong-un, der damit die Aufmerksamkeit von seinem Atomprogramm und Menschenrechtsverletzungen ablenkt. «Durch die Teilnahme an diesen hochkarätigen Spielen wirkt Nordkorea viel empathischer», zitiert die «New York Times» Lee Sung-yoon, Professor für Koreastudien an der Fletcher School at Tufts University in Medford, Massachusetts.

Haben die Nordkoreaner Chancen auf Medaillen?

Den beiden Eiskunstläufern (Platz 15 der Weltrangliste) werden nur geringe Chancen auf eine Medaille eingeräumt. Die anderen Wintersportler tauchen nicht einmal in der erweiterten Liste der Weltspitze auf.

Wie behandelt das Regime seine Athleten zu Hause?

Spitzensportler zu werden sei für die Athleten wahrscheinlich eine Möglichkeit, sich und ihren Familien einen «annehmbaren Lebensstandard in Nordkorea zu sichern», sagt Christopher Green, Nordkorea-Experte in Seoul, der «Times». Der Fussballer An Yong-hak, der zwischen 2002 und 2012 für die nordkoreanische Nationalmannschaft spielte, sagte, wenn das Team in Pyongyang trainierte, habe es «immer Fleisch, Fisch, Reis, Suppe, Gemüse und viel zu essen gegeben». In einem Land, in dem Hunger zu leiden immer noch üblich ist, ist das ein Privileg.

Wer dem Regime Ruhm bringt, darf unter Umständen sogar mit Häusern und Autos als Belohnung rechnen.«Das ist allerdings selten und nur für Goldmedaillengewinner an grossen Veranstaltungen wie den Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften vorgesehen», so die ehemalige Eishockeyspielerin Hwangbo Young, die 1997 nach Südkorea übergelaufen ist.

Was passiert, wenn sie keine Medaillen nach Hause bringen?

Es gibt zahlreiche Gerüchte, dass nordkoreanische Athleten, die bei internationalen Wettkämpfen nicht die gewünschte Leistung erzielen, zurück im Land umgehend ins Arbeitslager gesteckt werden. Beweise dafür sind aber rar. Selbst nach schwachen Leistungen «sieht man ein halbes Jahr später dieselben Namen und Spieler bei der nächsten Qualifikation», sagt der Sportsoziologe Udo Merkel von der Universität in Brighton der «Times».

Offenbar blieb etwa der Goalie der Fussballnationalmannschaft auch nach dem 7:0 gegen Portugal an der WM 2010 trotz der Patzer Teil des Teams. Allerdings gibt es Berichte, wonach sich die Mannschaft zurück in Pyongyang während sechs Stunden einer öffentlichen Kritikveranstaltung habe stellen müssen.

Wie viel bekommen die Nordkoreaner von ihrem Gastgeberland mit?

Als das Eiskunstlauf-Paar Ryom und Kim vergangenen Sommer in Montreal (CA) trainierte, nahm die Frau ihres frankokanadischen Coachs die beiden mit auf Shoppingtour. Vor Ort scheinen die beiden nun aber streng von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Sie seien nach einem öffentlichen Training als einzige Athleten sofort aus der sogenannten Mixed-Zone verschwunden und hätten keine Fragen beantworten wollen, schreibt die «Bild». Im Gegensatz zu den anderen Sportlern reisen die Nordkoreaner auch nicht in den offiziellen Olympiabussen, sondern in einem neutralen Bus.

Vergleichsweise wohlhabend dürften die südkoreanischen Eishockeyspielerinnen auf ihre zwölf Kolleginnen aus dem Norden wirken. Eine Spielerin sagte, ihr sei bei dem gemeinsamen Training aufgefallen, dass keine der Nordkoreanerinnen ein Handy besitze.

Mindestens den nordkoreanischen Cheerleadern ist es unter Strafandrohung verboten, später über ihre Eindrücke von Südkorea zu sprechen. Das Regime von Pyongyang hat schon gezeigt, dass es das durchaus ernst meint. Nach einem Aufenthalt im südkoreanischen Incheon 2005 hatten nordkoreanische Cheerleader daheim vom «schönen Leben» in Südkorea erzählt. 21 von ihnen seien daraufhin in Arbeitslager gesteckt worden, schreibt der «Independent».

Sind nordkoreanische Athleten während Spielen je übergelaufen?

Während Olympischer Spiele haben sich noch nie nordkoreanische Athleten abgesetzt. Ein Sportler verschwand jedoch bei den Judo-Weltmeisterschaften 1991 in Spanien, und die Eishockeyspielerin Hwangbo Young flüchtete 1997 mit ihrer Familie via China nach Südkorea.

Bevor sie überhaupt an internationalen Veranstaltungen teilnehmen, werden die Spitzensportler sorgfältig überprüft und auch während der Anlässe eng von regimetreuen Aufpassern überwacht. Südkoreas Sicherheitspersonal hat ebenfalls ein wachsames Auge auf die Athleten, da die aktuelle Annäherung der beiden Koreas auf keinen Fall durch ein Überlaufen unterhöhlt werden soll.

So wohnen nicht einmal die Eishockeyspielerinnen im selben Gebäude wie ihre südkoreanischen Teamkolleginnen. Darüber hinaus gehören die Athleten und deren Familien aus dem Norden zu den «Loyalsten und werden vom Regime sehr gut behandelt», so Benjamin Young, Doktorand an der George Washington University und Kenner des nordkoreanischen Sportprogramms, zur «New York Times».

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