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Zweite Welle«Werden wir nachlässiger, folgt die Quittung»

Die Corona-Fälle in der Schweiz gehen weiter zurück. Das BAG beobachtet jedoch «Ermüdungserscheinungen» beim Social Distancing – und warnt vor einer zweiten Welle.

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daw/zos/les
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Es gebe eine zunehmende und anhaltende Abnahme von Corona-Fällen auf den Schweizer Intensivstationen, verkündete Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit.

Es gebe eine zunehmende und anhaltende Abnahme von Corona-Fällen auf den Schweizer Intensivstationen, verkündete Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit.

Keystone/Anthony Anex
Laut Mathys waren in den letzten zwei Wochen noch 400 Covid-19-Patienten in Intensivpflege, aktuell seien es noch 260.

Laut Mathys waren in den letzten zwei Wochen noch 400 Covid-19-Patienten in Intensivpflege, aktuell seien es noch 260.

Keystone/Anthony Anex
Trotz der positiven Entwicklung dürfe die Schweiz nun nicht zu schnell lockern, warnte Mathys: «Wir wollen den Druck auf den öffentlichen Raum so gering wie möglich halten, um nicht in eine Situation zu kommen, wo die Fallzahlen wieder rapide zunehmen.»

Trotz der positiven Entwicklung dürfe die Schweiz nun nicht zu schnell lockern, warnte Mathys: «Wir wollen den Druck auf den öffentlichen Raum so gering wie möglich halten, um nicht in eine Situation zu kommen, wo die Fallzahlen wieder rapide zunehmen.»

Keystone/Gaetan Bally

Die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamt sich in der Schweiz weiter. «Die Zahlen sind rückläufig. Wir sehen das bei den Todesfällen. Erstmals sehen wir aber auch eine zunehmende und anhaltende Abnahme auf den Intensivstationen», verkündete Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit. So seien in den letzten zwei Wochen noch 400 Covid-19-Patienten in Intensivpflege gewesen, aktuell seien es noch 260.

Auch die Zahl der bestätigten Neuinfektionen innerhalb eines Tages ist mit 204 weit tiefer als noch Ende März. Trotz der positiven Entwicklung dürfe die Schweiz nun nicht zu schnell lockern, mahnte Mathys: «Wir wollen den Druck auf den öffentlichen Raum und den öffentlichen Verkehr so gering wie möglich halten, um nicht in eine Situation zu kommen, wo die Fallzahlen wieder rapide zunehmen.» Falle man auf Feld 1 zurück, drohten mehrere Wochen harte Massnahmen.

BAG: «Vielen fällt die Decke auf den Kopf»

Der Rückgang der Fälle sei auf eine massive Reduktion der Kontakte zurückzuführen. Die Abstandsregeln müssten weiter eingehalten werden, so Mathys: «Nur wenn wir bereit sind, die Regeln weiter einzuhalten, haben wir die Chance, Lockerungen umsetzen, ohne dass die Situation entgleist.»

Das sei schwierig, sagte Mathys, der gewisse Ermüdungserscheinungen beobachtet. «In Zürich etwa hatte die Polizei viel damit zu tun, kleine Versammlungen im öffentlichen Raum aufzulösen.» Bezüglich der Mobilität zeigten die Handydaten zwar «keine riesige Veränderung». Aber: «Sicher ist: Wir werden alle müde, diese Massnahmen umzusetzen. Vielen fällt die Decke auf den Kopf, sie möchten soziale Interaktionen. Das ist eine Schwierigkeit.»

«Zweite Welle könnte noch grösser werden»

Gesundheitsfachleute an der Front beobachten die sinkenden Fallzahlen und die Lockerungspläne mit gemischten Gefühlen. Arzt Daniel Hagara etwa arbeitete in der Luganeser Klinik Moncucco auf der Covid-Station. Er sagt, im Tessin habe man schon seit drei Wochen den Eindruck, dass weniger Patienten in die Spitäler kämen. «Dass es sich jetzt schweizweit in den Zahlen niederschlägt, ist erfreulich.»

Gleichzeitig wächst bei ihm jedoch die Angst vor einer zweiten Welle. Selbst im Tessin beobachte er, dass die Leute wieder nach draussen gingen und sich treffen würden. «Doch das Virus wird nicht einfach verschwinden. Wenn wir nachlässiger werden, folgt die Quittung auf den Fuss», sagt Hagara. «Eine zweite Welle könnte noch grösser werden als die erste, und sie würde unser System an den Abgrund bringen.» Epidemiologen rechneten mit verschiedenen Szenarien. «Wir wissen leider alle nicht, welches eintreten wird.»

Auch Immunologe Beda Stadler verfolgt die Infektionskurve genau. Er sagt, die Abstandsregeln seien weiter einzuhalten. Im Gegensatz zu Hagara plädiert er dafür, langsam zu einem normaleren Leben überzugehen. Zwar könne das zu einem erneuten Anstieg der Infektionszahlen führen, aber: «Solange die Risikogruppe konsequent geschützt wird und die Spitäler nicht von Covid-19-Patienten überflutet werden, habe ich keine Angst vor einer zweiten Welle.»

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