3,3 Mio Jahre alt: Werkzeugfund wirft Fragen zu unseren Vorfahren auf
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3,3 Mio Jahre altWerkzeugfund wirft Fragen zu unseren Vorfahren auf

3,3 Millionen Jahre alte Steinwerkzeuge haben Forscher in Kenia entdeckt. Das könnte zu einer Neuschreibung der Geschichte der Menschheit führen.

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Insgesamt 149 steinerne rund 3,3 Millionen alte Artefakte fanden die Forscher in Kenia - von Hammersteinen bis hin zu ambossartigen Steinen.

Insgesamt 149 steinerne rund 3,3 Millionen alte Artefakte fanden die Forscher in Kenia - von Hammersteinen bis hin zu ambossartigen Steinen.

WEST TURKANA ARCHAEOLOGICAL PROJECT
Die Funde geben laut dem Archäologen Aufschluss über einen unerwarteten und bislang unbekannten Zeitraum homininen Verhaltens.

Die Funde geben laut dem Archäologen Aufschluss über einen unerwarteten und bislang unbekannten Zeitraum homininen Verhaltens.

WEST TURKANA ARCHAEOLOGICAL PROJECT
Die Artefakte wurden in der Nähe des Turkana-Sees im Norden Kenias entdeckt. Die Forscher haben das Gebiet Lomekwi 3 genannt.

Die Artefakte wurden in der Nähe des Turkana-Sees im Norden Kenias entdeckt. Die Forscher haben das Gebiet Lomekwi 3 genannt.

WEST TURKANA ARCHAEOLOGICAL PROJECT

Die Vorfahren des Menschen haben vermutlich schon viel früher einfachste Steinwerkzeuge angefertigt als bislang angenommen. So fanden Archäologen der amerikanischen Stony-Brook-Universität in der Nähe des Turkana-Sees in Kenia bearbeitete Steine, die 3,3 Millionen Jahre alt sein sollen, wie es im Fachjournal «Nature» heisst.

Bislang gingen Experten davon aus, dass die Oldowan-Kultur vor 2,5 Millionen Jahren die ersten Steinwerkzeuge herstellte. Der Name «Oldowan» leitet sich von einer Schlucht in Afrika ab, in der viele Fossilien und Werkzeuge entdeckt worden waren.

Die neuen Funde sind Untersuchungen zufolge nun jedoch 800'000 Jahre älter. Sie stellen damit die Ansicht infrage, dass erst die direkten Vorfahren des modernen Menschen die geistigen Fähigkeiten hatten, scharfkantige Werkzeuge herzustellen.

Erkenntnisse über kognitive Entwicklung

Die Funde geben «Aufschluss über einen unerwarteten und bislang unbekannten Zeitraum homininen Verhaltens», zitiert die Hochschule Sonia Harmand.

Anthropologen gingen lange davon aus, dass unsere Verwandten aus der Gattung Homo die Ersten waren, die Werkzeuge herstellen konnten. Nun mehren sich allerdings die Hinweise, dass schon frühere Zweige der Hominini, quasi unsere entfernten Cousins, dazu in der Lage waren.

So wurden nahe der Werkzeugfunde der Schädel und weitere Überreste eines 3,3 Millionen Jahre alten, homininen Fossils (Kenyanthropus platytops) entdeckt.

Da der genaue Stammbaum des Menschen noch unklar ist, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, wie Kenyanthropus platytops genau mit anderen homininen Spezies verwandt ist. Für die Archäologen könnte er jedoch einer der möglichen Werkzeugbauer sein.

Fundstelle überrascht

Doch nicht nur das Alter der Werkzeuge, sondern auch ihre Fundstelle überraschte die Forscher: So ergaben Analysen, dass das Gebiet früher eine Strauch-Baum-Landschaft war. Laut bisherigen Hypothesen führten klimatische Veränderungen zur Verbreitung von Savannen und damit zu einer ganz anderen Tierwelt.

Die Entwicklung von Werkzeugen sei eine Reaktion unserer Vorfahren auf das veränderte Nahrungsangebot gewesen, so die Theorie: Sie hätten scharfkantige Steine angefertigt, um damit Fleisch aus Tierkadavern zu schneiden.

Grösse und Kerben der nun gefundenen Werkzeuge deuten aber darauf hin, dass unsere Ahnen sie auch anders verwendeten – gerade in einer waldigen Umgebung mit vielen Pflanzen, sagt Anthropologe Jason Lewis von der Rutgers-Universität in New Jersey. So könnten sie mit den bearbeiteten Steinen Nüsse oder Wurzelknollen geknackt haben.

Insgesamt fanden die Forscher 149 steinerne Artefakte in dem Gebiet, das sie Lomekwi 3 nannten – von Hammersteinen bis hin zu ambossartigen Steinen, die jedoch alle technisch weniger ausgefeilt sind als die Oldowan-Funde.

Dennoch können die Werkzeuge Aufschluss über die Evolution des menschlichen Hirns geben. Denn für die Herstellung von Werkzeugen ist eine bestimmte Kontrolle der Handmotorik nötig, die vor 3,3 Millionen Jahren entstanden sein könnte.

Kritik an Studie

In einem Kommentar zur Studie warnt Erella Hovers von der Hebrew-Universität in Jerusalem aber vor voreiligen Schlüssen.

Alter und Aussehen der Funde würden zwar dazu auffordern, die bisherigen Modelle über das Zusammenspiel aus Umweltveränderungen, menschlicher Evolution und technologischem Verhalten neu zu bewerten. Allerdings handle es sich bei den Werkzeugen bislang um ein isoliertes Ereignis, das weitere Untersuchungen benötige. (fee/sda)

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