Talkshow-Dauergast: Wermuth protestiert bei der ARD wegen Köppel
Aktualisiert

Talkshow-DauergastWermuth protestiert bei der ARD wegen Köppel

Roger Köppel (SVP) ist der Schweiz-Erklärer im deutschen TV. Cédric Wermuth (SP) will ihn mit einem geharnischten Brief an die öffentlich-rechtlichen Sender stoppen.

von
D. Waldmeier
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In den letzten sechs Jahren trat «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel elfmal in einer Gesprächssendung der ARD auf. Cédric Wermuth (SP) schreibt nun einen Brief an die öffentlich-rechtlichen Sender: Köppel vermittle im Ausland ein verzerrtes Bild der Schweiz.

In den letzten sechs Jahren trat «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel elfmal in einer Gesprächssendung der ARD auf. Cédric Wermuth (SP) schreibt nun einen Brief an die öffentlich-rechtlichen Sender: Köppel vermittle im Ausland ein verzerrtes Bild der Schweiz.

Keystone/Lukas Lehmann
«Jedes Mal, so scheint es, wenn Sie in Deutschland niemanden finden, der ausreichend menschenverachtend über Muslime, Ausländer oder Flüchtlinge herzieht, muss der Köppel ran», schreibt Wermuth im Brief.

«Jedes Mal, so scheint es, wenn Sie in Deutschland niemanden finden, der ausreichend menschenverachtend über Muslime, Ausländer oder Flüchtlinge herzieht, muss der Köppel ran», schreibt Wermuth im Brief.

Erst am Montag war Köppel wieder einmal bei Frank Plasbergs «Hart aber Fair».

Erst am Montag war Köppel wieder einmal bei Frank Plasbergs «Hart aber Fair».

Screenshot ARD

Ob Flüchtlingskrise, Steuerstreit oder Fifa-Skandal: «Weltwoche»-Verleger und SVP-Nationalrat Roger Köppel ist steter Gast in deutschen Talkshows. Erst diese Woche war er, den der «Spiegel» einmal als «argumentativen Superlaser» bezeichnet hatte, erneut in der Sendung «Hart aber Fair» im Ersten eingeladen. Das Thema: Donald Trump und der Populismus.

Bei SP-Nationalrat Cédric Wermuth hat der erneute Auftritt Köppels das Fass zum Überlaufen gebracht: In einem scharfen Schreiben fordert er ARD und ZDF auf, die Einladungspraxis zu ändern. «Mit der einseitigen, wiederholten und ausschliesslichen Einladung an einen rechtsextremen Politiker zementieren ihre Formate auf zwar vielleicht quotenfördernde, aber doch recht billige Art und Weise ein völlig verzerrtes Bild der Schweiz», heisst es im Brief, der 20 Minuten exklusiv vorliegt.

«Beleidigung für Mehrheit der Schweizer»

Über 70 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer wählten nicht die SVP. Die dauernde Vertretung der Schweiz durch Herrn Köppel sei für diese Mehrheit eine Beleidigung, so Wermuth. «Jedes Mal, so scheint es, wenn Sie in Deutschland niemanden finden, der ausreichend menschenverachtend über Muslime, Ausländer oder Flüchtlinge herzieht, muss der Köppel ran.»

Der SVP-Politiker sei aber für die Schweizer Gesellschaft und Politik in etwa so repräsentativ wie die AfD-Vorsitzende Frauke Petry für die deutsche. «Stellen Sie sich vor, wie empört die deutsche Öffentlichkeit reagieren würde, wenn das Schweizer SRF jedes Mal Frau Petry als ‹Stimme Deutschlands› einladen würde.» Wermuth fordert die öffentlich-rechtlichen Sender auf, ihren eigenen Programmvorgaben gerecht zu werden – und legt zur Hilfe die Adressliste der 246 Parlamentarier der eidgenössischen Räte bei.

Köppel bietet Wermuth Hilfe an

Roger Köppel wehrt sich: «Herr Wermuth sollte nicht mich im Ausland anschwärzen, sondern an seinen eigenen intellektuellen und rhetorischen Fähigkeiten arbeiten, damit man ihn freiwillig einlädt.» Er helfe ihm gern dabei.

ARD-Chefredakteur Thomas Baumann schreibt in einer Stellungnahme an 20 Minuten, es werde nicht immer nur Köppel eingeladen. «Richtig ist aber, dass Herr Köppel im Jahr 2015 und in den ersten Monaten dieses Jahres in erhöhter Frequenz zu Gast war.» Die ARD begründet dies mit der Themenlage (EU-Kritik, Hoch rechtspopulistischer Parteien, etc.) sowie dem kontroversen Konzept der Gesprächssendungen. Zudem sei Köppel aufgrund seiner früheren Tätigkeit bei der Zeitung «Die Welt» auch in Deutschland bekannt.

ARD verzichtet nicht auf Köppel

Den Vorwurf, ein verzerrtes Bild der Schweiz zu transportieren, weist Baumann«mit Nachdruck» zurück: «Die Kritik unterstellt einfach, das deutsche Publikum erliege der irrigen Annahme, die Aussagen von Herrn Köppel seien repräsentativ für die gesamte schweizerische Bevölkerung. Dafür gibt es keinen Beleg!» Auf den «meinungsstarken Publizisten» als Gast zu verzichten, sei keine Option.

Ganz umsonst scheint Wermuths Intervention aber nicht gewesen zu sein. Laut Baumann wird es zwar keine Vorgaben geben. Aber: «Vernünftig und zielführend könnte sein, wenn unsere Moderatorinnen und Moderatoren bei der Vorstellung von Herrn Köppel künftig darauf hinwiesen, dass Herr Köppel eben nicht ‹die Schweiz› repräsentiert.»

Kürzlich hat die SP Schweiz auch beim SRF mit einem offenen Brief interveniert. Der Grund: Die Themenauswahl der «Arena» sei unausgewogen und die Wahl der Gäste nicht repräsentativ.

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