Aktualisiert 13.09.2017 17:51

Deutscher ShootingstarWerner, der wilde Bulle auf dem Minenfeld

Der umstrittene Torjäger wird vor der Champions-League-Premiere mit RB Leipzig in Monaco von Vereinen wie Real Madrid umworben.

von
Sebastian Rieder
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Die neue deutsche Tormaschine: Timo Werner trifft für Deutschland und RB Leipzig fast in jedem Spiel.

Die neue deutsche Tormaschine: Timo Werner trifft für Deutschland und RB Leipzig fast in jedem Spiel.

AFP/Patrik Stollarz
Die Reizfigur: Der Schwabe ist im restlichen Deutschland nicht sonderlich beliebt.

Die Reizfigur: Der Schwabe ist im restlichen Deutschland nicht sonderlich beliebt.

AP/Michael Probst
Grund der Antipathie: Wegen einer Schwalbe im Dezember 2016 gegen Schalke wird Werner landesweit geächtet.

Grund der Antipathie: Wegen einer Schwalbe im Dezember 2016 gegen Schalke wird Werner landesweit geächtet.

Z1035/_sebastian Kahnert

Deutschland hat keinen Neymar, keinen Ronaldo und auch keinen Messi. Deutschland hat Timo Werner. Und der könnte schon im nächsten Sommer mit einem ähnlichen Preisschild versehen werden wie die teuersten Stürmer der Welt. «Real nimmt Werner ins Visier», lautet die jüngste Überschrift der spanischen Sportzeitung «AS». Er selbst sagt dazu: «Mich interessieren auch Atlético und Barça.»

Der aktuelle Marktwert von 25 Millionen Euro dürfte für den Shootingstar schon bald Makulatur sein. Auf Werners Etikette stehen Zahlen, die Begehrlichkeiten wecken und die Fantasie anregen. 21 Tore und 7 Assists erzielte der 21-jährige Schwabe vergangene Saison für RB Leipzig, nachdem er 2016 von Bundesliga-Absteiger Stuttgart zum Aufsteiger wechselte.

Lob und Pfiffe gegen Werner

Im März gab er in Dortmund in einem Freundschaftsspiel gegen England seinen Einstand unter Jogi Löw. «Er hat das Potenzial zur Weltklasse», sagte der deutsche Nationaltrainer damals und fügte an: «Er geht in die Tiefe, ist schnell, dynamisch und hat einen guten Torabschluss. Und das mit 21 Jahren. Wenn er sich so weiterentwickelt, hat er eine gute Karriere vor sich.»

Die verbale Umarmung hatte den Charakter einer dringlichen Aufmunterung – für Werner war das Testspiel in vielerlei Hinsicht ein Reinfall. Schon vor der Partie gingen Pfiffe durch die BVB-Arena, als sein Name bei der Teamaufstellung aufgerufen wurde. Noch lauter wurde es, als er nach seiner Premiere im deutschen Dress eine Viertelstunde vor Schluss ausgewechselt wurde.

Eine Schwalbe mit Folgen

Es fielen Formulierungen wie «Werner – Beinhart», in Anlehnung an die unbedachte Comicfigur, die sich von einem Schlamassel in den nächstes begibt. Der eigentliche Grund für den Vergleich war zwar nicht witzig, aber treffend. Werner musste nach der Pause mit einer Muskelverhärtung im Oberschenkel vom Platz, die Schmährufe von der Tribüne verletzten Werner zusätzlich.

Die Abneigungen gegen das Ausnahmetalent kommen nicht von ungefähr. Seit dem Wechsel zum landesweit verhassten Retortenclub aus Leipzig ist er für die gegnerischen Fans nicht nur ein roter Bulle, sondern vielmehr ein rotes Tuch. Und Nahrung für neue Anfeindungen lieferte Werner gleich selbst, als er im Dezember gegen Schalke mit einer Schwalbe für Aufruhr sorgte.

Ein Knipser trotz Gegenwind

Obwohl sich Werner für sein Fehlverhalten mehrmals entschuldigte und die Aktion als eine Dummheit bezeichnete, gipfelte die Antipathie im Länderspiel gegen Tschechien Anfang September in aggressiven Pöbeleien unter der Gürtellinie. Die Hetze gegen Werner förderte sogar die Kreativität von Ballermann-Komponisten wie Ikke Hüftgold.

«Ich weiss nicht, ob jetzt der perfekte Zeitpunkt ist, aber ich muss damit umgehen, egal, was passiert», hatte die Reizfigur vor dem ersten Länderspiel noch gesagt. Trotz aller Widrigkeiten stieg Werner im Sommer am Confed-Cup zum Torschützenkönig auf. Bisher markierte er für Deutschland in acht Spielen sechs Tore.

Und zuletzt beim 6:0 gegen Norwegen drehte der Wind gar in seine Richtung – dank seiner Doublette wandelte er sich beim Publikum vom Geächteten zum gefeierten Star des Abends.

Dem ungewohnten Applaus war eine Ansprache von Jogi Löw vorausgegangen. In einem flammenden Appell forderte Löw die Zuschauer vor dem Spiel zu mehr Respekt auf. Dass der Aufruf eine positive Reaktion im Stadion nach sich zog, war allerdings absehbar, das Spiel fand in Stuttgart statt.

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