Wahrnehmung: Weshalb Fremde immer am übelsten stinken

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WahrnehmungWeshalb Fremde immer am übelsten stinken

Wenn es um Ekel geht, kann von objektiver Wahrnehmung keine Rede mehr sein, denn Abscheu wird vor allem durch unsere Einstellung beeinflusst.

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Stinkt ein T-Shirt stark nach Schweiss, ist das für alle, die daran riechen, eine Zumutung. Doch die ist nicht für alle gleich gross, wie Forscher der Universitäten St. Andrews und Sussex in den «Proceedings of the National Academy of Sciences» berichten.

Laut ihnen werden Gefühle wie Ekel und Abscheu von sozialen Einstellungen manipuliert: Ein übel riechendes Shirt wird demnach als besonders fies empfunden, wenn es von einem Fremden stammt. Stammt es dagegen von einem Angehörigen der eigenen Gruppe, erscheint uns der Geruch weniger schlimm – obwohl es sich objektiv gesehen um den gleichen handelt.

Wir gegen die anderen

Für Teil eins der Studie hatte das Team um Stephen Reicher 45 Studenten ins Labor gebeten, wo sie an zwei identisch riechenden Shirts schnuppern mussten. Während das eine mit dem Logo der eigenen Universität bestickt war, war das andere mit dem Sujet einer anderen ausgestattet.

Der Vergleich der Reaktionen zeigte, dass die Probanden die ihnen präsentierten Kleidungsstücke als unterschiedlich ekelerregend bewerteten. Und zwar abhängig davon, mit welchem Logo sie versehen waren.

Konkret: Gingen sie davon aus, dass das Hemd von der anderen Hochschule stammte, war ihre Abscheu viel grösser, als wenn sie davon ausgingen, dass es von einem aus ihren eigenen Reihen kam.

Tiefsitzende Ablehnung

Dass dieser sozial bedingte Ekel nicht oberflächlicher Natur ist, sondern tief verankert ist, zeigte ein zweites Experiment mit weiteren 90 Teilnehmern. Dieses war exakt so aufgebaut wie das erste, nur dass die Forscher dieses Mal einen Desinfektionsspray bereitgestellt hatten. Reicher und seine Kollegen wollten wissen, ob, wie schnell und wie häufig die Probanden danach griffen.

Ergebnis: Die Versuchspersonen gingen schneller zur Desinfektion und nutzten mehr Seife, nachdem sie am T-Shirt eines vermeintlich Fremden gerochen hatten. Das zeigt laut den Forschern, «dass die Gruppenidentität nicht nur die soziale Wahrnehmung beeinflusst, sondern sogar so fundamentale Sinneseindrücke wie den Geruch».

Das, so Mit-Autorin Anne Templeton in einer Mitteilung ihrer Hochschule, erkläre auch, warum es Menschen weniger schwer fällt, die Windeln ihrer eigenen Kinder zu wechseln als die von fremdem Nachwuchs.

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