02.01.2015 13:59

Fair FashionWeshalb interessiert fair produzierte Mode kaum?

Fair produzierte Mode ist ein Nischenmarkt, obwohl den Konsumenten bewusst ist, dass ihre Kleidung vielfach unter unmenschlichen Bedingungen produziert wird.

von
Lucia Frei

Bei Lebensmitteln zahlen wir für ein gutes Gewissen gerne ein paar Franken mehr. Der Umsatz aus dem Verkauf von Fair-Trade-Produkten betrug 2013 laut der Stiftung Max Havelaar 434 Millionen Franken. Fair-Trade-Bananen sind mit 54 Prozent Marktanteil sogar beliebter als herkömmliche. Geht es um Mode, scheint sich das Interesse für fairen Handel in Grenzen zu halten. «Ein Grossteil unserer Kleider wird in Asien und Osteuropa produziert. Dort sind die Löhne der Textilarbeiter meist weit unter dem Existenzminimum», sagt Christa Luginbühl von der entwicklungspolitischen Organisation Erklärung von Bern (EvB). «Diese Tiefstlöhne ziehen andere Probleme wie lange Überzeiten, Unfälle wegen Müdigkeit oder Kinderarbeit mit sich.»

Ob und wie gut sich Modehersteller um nachhaltige Produktionsbedingungen kümmern, zeigt unter anderem die Fair-Fashion-App. Mit der von der EvB und der der internationalen Clean Clothes Campaign entwickelten App können rund 140 Marken auf ihr Engagement für Existenzlöhne überprüft werden. Die Downloadzahlen sind nicht gerade ermutigend: Seit 2010 wurde die App rund 23'000-mal heruntergeladen. Zum Vergleich: Die Schweizer App des Onlinehändlers Zalando verzeichnet seit ihrem Launch im Sommer rund 200'000 Downloads. Dennoch heisst es bei der EvB: «Wir sind zufrieden mit der Zahl, hätten uns aber etwas mehr erhofft.»

«Labels nehmen Verantwortung zu wenig wahr »

Einen Grossteil der Modeumsätze in Europa teilen sich die Giganten H&M, C&A sowie die spanische Kette Inditex, zu der unter anderem Zara gehört. Ihre T-Shirts, Hosen und Jacken lassen sie meist in Niedriglohnländern produzieren.

«Das Problem ist nicht die internationale Arbeitsteilung per se», sagt Luginbühl. Viele Labels würden ihre Verantwortung anerkennen, leider aber die Einflussmöglichkeiten auf Löhne und Arbeitsbedingungen noch zu wenig nutzen.

Auf gerechten Handel spezialisierte Labels haben es auf dem Markt schwer. So machte Switcher, einer der grössten Schweizer Anbieter von fairer Mode, 2013 einen Umsatz von rund 32 Millionen Franken. «Der Markt für fair produzierte Mode ist noch immer klein», meint Marie-Claire Pellerin, die seit diesem Jahr Unica Fair Trade führt. Das Schweizer Modelabel verbucht jährlich einen Umsatz von etwa 3 Millionen Franken. «Unser Kundenstamm wächst, doch der grosse Boom bleibt aus.»

Preis und Aussehen zentral

Wirtschaftspsychologe Christian Fichter ist überzeugt: «Den Konsumenten ist bewusst, dass einige ihrer Lieblingsteile unter furchtbaren Bedingungen produziert wurden.» In der Gesellschaft finde aber noch kein Umdenken statt. «Beim Shopping sind die Näherinnen in Bangladesch sehr weit weg. Der Konsument denkt gar nicht über sie nach.»

Beim Kleiderkauf fliessen laut Fichter vor allem Aussehen und Preis in den Kaufentscheid mit ein. «Fairness oder Qualität sind sekundär», erklärt er. Zudem kämpft faire Mode häufig mit einem Öko-Jesus-Latschen-Image, was aber nicht zwingend der Realität entspricht.

Hemmend auf die Umsätze mit fairer Mode wirkt sich zudem aus, dass der Kauf einer nachhaltig produzierten Jeans keine unmittelbaren Vorteile bringt. «Bei Lebensmitteln schwingt mit, dass man sich selbst etwas Gutes tut. Kleider sind hingegen ein indirekteres Produkt», sagt Christa Luginbühl. Was müsste geschehen, damit die Nachfrage nach fairer Mode anzieht? «Um ein breites Publikum anzusprechen, braucht es Prominente, die glaubwürdig für faire Mode werben», sagt Wirtschaftspsychologe Fichter.

Darauf können Sie achten

Informieren Sie sich regelmässig über Produktionsbedingungen in der Modeindustrie. Fragen Sie auch im Kleidergeschäft nach und sagen Sie, dass Ihnen faire Löhne wichtig sind.

Bevorzugen Sie Unternehmen, die sich entlang ihrer Lieferketten für faire Arbeitsbedingungen und existenzsichernde Löhne einsetzen. Ein Anhaltspunkt kann dabei die Mitgliederliste der Fair Wear Foundation sein.

Beim Ausverkauf ist Vorsicht geboten. Viele Kleidungstücke werden speziell für den «Sale» produziert. Dabei entsteht ein noch höherer Kostendruck, als ohnehin vorhanden ist.

Es gibt kein Label, das faire Arbeitsbedingungen garantiert. Die meisten decken nur einzelne Aspekte der Produktion ab – beispielsweise ob Biobaumwolle verwendet wurde. Labels, die von unabhängigen Stellen überprüft werden, sind generell glaubwürdiger als firmeneigene.

Kleider sind keine Wegwerfware. In jedem noch so billigen Kleidungsstück stecken Handarbeit und natürliche Ressourcen. Hinterfragen Sie bewusst, wie oft Sie einkaufen und was Sie wirklich brauchen. Suchen Sie dauerhafte Lieblingstücke.

Verschenken Sie abgelegte Stücke statt sie wegzuwerfen. Auch Vintage- oder Secondhandshops sind eine gute Möglichkeit.

Tragen Sie Ihre Kleidung sorgfältig: Waschen Sie bei niedrigen Temperaturen und tragen Sie eine Hose auch mal mehrere Tage nacheinander.

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