Leichtathletik-WM: Weshalb Kambundji den Final nicht laufen durfte
Aktualisiert

Leichtathletik-WMWeshalb Kambundji den Final nicht laufen durfte

Zuerst 0,001 Sekunden zu langsam, dann das Chaos: Bis kurz vor dem Start des WM-Finals über 100 m war nicht sicher, ob die Schweizer Sprinterin doch nachrückt.

von
fas

Philipp Bandi zeigt das Zielbild mit der Linie, die zu reden gab. (Video: SRF)

Sie hatte gerade nur noch ein Wort übrig: «Scheisse!» Das sagte Mujinga Kambundji, als sie herausfand, dass ihr eine Tausendstelsekunde gefehlt hatte, um sich für den WM-Final über 100 Meter zu qualifizieren. 0,001 Sekunden, eine knappere Entscheidung ist nicht möglich. Klar, dass der Schweizer Leichtathletikverband Rekurs einlegte.

«Wir wollten die Ziel-Fotos nochmals sehen», erklärte Philipp Bandi später dem SRF. Der Leistungssport-Chef bei Swiss Athletic wurde bei den Rennverantwortlichen vorstellig, diese teilten ihm dann mit, dass eine neue Auswertung ergeben habe, dass Teahna Daniels nun definitiv fünf Tausendstel schneller gewesen sein soll als Kambundji. «Wir wollten dann natürlich die Bilder sehen», so Bandi.

Der freundliche Einwand, dass die hellgrüne Linie möglicherweise etwas weiter vorne sein müsste, wurde vom IAAF ignoriert.

Es blieb Kambundji also nichts anderes übrig, als ihre bittere Niederlage zu akzeptieren. Nach den drei vierten Plätzen bei der EM 2018 in Berlin schrammte sie also wieder äusserst knapp an ihrem Ziel vorbei. Oder doch nicht? Denn plötzlich kam die Nachricht, wonach die Holländerin Dafne Schippers verletzungsbedingt für den Final passen muss. Dummerwiese sieht das internationale Reglement nicht vor, dass eine verletzte Läuferin ersetzt wird. Ausserdem hätten die Holländer ihre Sprinterin fünf Minuten vor dem Call-Room-Termin zurückgezogen, wie Brandi erzählt. Somit wäre die Zeit ohnehin zu knapp gewesen. So blieb dem 42-Jährigen nur die Erkenntnis: «Schade, dass auf einer Strecke mit neun Bahnen nur sieben Läuferinnen im Final starteten.»

Deine Meinung