Publiziert

GenmutationWeshalb manche Raucher nicht lungenkrank werden

Forscher haben entdeckt, warum ein Teil der Raucher bis ins hohe Alter vor Lungenkrankheiten verschont bleibt. Es liegt an einer Genmutation.

von
jcg
1 / 3
Gemäss britischen Forschern dürfte der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt eine besondere Genmutation in sich tragen, die bei ihm den Ausbruch der Lungenkrankheit COPD verhindert. Er ist 96 Jahre alt und scheint bisher nicht unter den Folgen des Rauchens zu leiden.

Gemäss britischen Forschern dürfte der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt eine besondere Genmutation in sich tragen, die bei ihm den Ausbruch der Lungenkrankheit COPD verhindert. Er ist 96 Jahre alt und scheint bisher nicht unter den Folgen des Rauchens zu leiden.

AP/Markus Schreiber
Weniger Glück hatte der Marlboro-Man Eric Lawson. Er starb 2014 im Alter von 72 an COPD.

Weniger Glück hatte der Marlboro-Man Eric Lawson. Er starb 2014 im Alter von 72 an COPD.

Auch Leonard Nimoy, Mister Spock von «Raumschiff Enterprise», starb an COPD.

Auch Leonard Nimoy, Mister Spock von «Raumschiff Enterprise», starb an COPD.

AP/ric Francis

Rauchen ist schädlich. Daran ändern auch die neuen Erkenntnisse britischer Forscher nichts, die besagen, dass eine günstige genetische Veranlagung den Ausbruch der Lungenkrankheit COPD (siehe Box) verhindern kann. Die Forscher hatten untersucht, weshalb gewisse Raucher nie lungenkrank werden, während andere, darunter auch Nichtraucher, lebensbedrohliche Krankheiten bekommen.

Für die Studie schauten die Wissenschaftler die Daten von 50'000 Personen an, die freiwillig DNA-, Blut- oder Gewebeproben für das britische Biobank-Projekt abgegeben hatten. Dabei entdeckten die Forscher Teile unserer DNA, die das Risiko einer Erkrankung an COPD reduzieren. Offenbar verbessern diese zufälligen Genmutationen die Lungenfunktionen bei gewissen Leuten und schützen sie so gegen die tödlichen Auswirkungen des Rauchens.

Allerdings heisst das nicht, dass die gleichen Mutationen auch gegen Herzerkrankungen oder Krebs schützen. Diese Krankheiten waren nicht Gegenstand der Studie, die im Fachblatt «Lancet Respiratory Medicine» veröffentlicht wurde.

Neue Medikamente

Trotzdem erhoffen sich Forscher von ihrer Arbeit neue Möglichkeiten bei der Entwicklung von Medikamenten. Martin Tobin von der Universität Leicester sagte gegenüber der BBC, dass die Ergebnisse «fantastische neue Hinweise liefern, wie der Körper arbeitet. Es sind solche Dinge, die wohl zu hochinteressanten Durchbrüchen bei der Medikamentenentwicklung führen.»

Laut Ian Jarrold von der Britischen Lungenstiftung können die Ergebnisse auch für Nichtraucher von Nutzen sein. So könnten das Verständnis der genetischen Veranlagung nicht nur bei der Behandlung von Lungenkranken helfen, sondern auch dabei, gesunden Leuten beizubringen, auf ihre Lungen aufzupassen, erklärte er der BBC.

COPD

Die chronisch obstruktive Lungenkrankheit COPD (chronic obstructive pulmonary disease) bezeichnet eine Gruppe von Krankheiten, die durch Husten, vermehrten Auswurf und Atemnot bei Belastung gekennzeichnet sind. Die meisten COPD-Patienten sind Raucher. Die Krankheit ist unheilbar. In der Schweiz leiden rund 400'000 Menschen an COPD. Für Personen, die bei sich eines der sogenannten AHA-Symptome (Auswurf, Husten und Atemnot) festgestellt haben, bietet die Lungenliga auf ihrer Website einen COPD-Risikotest an.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.