Gefährlicher Erreger: West-Nil-Virus hat Folgen fürs Blutspenden
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Gefährlicher ErregerWest-Nil-Virus hat Folgen fürs Blutspenden

Weil das Virus näherrückt, ruft ein deutscher Arzt zur Diskussion über Blutspenden auf. In der Schweiz ist man schon einen Schritt weiter.

von
F.Riebeling
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Was auf den ersten Blick recht unscheinbar aussieht, macht Medizinern Sorgen: das West-Nil-Virus.

Was auf den ersten Blick recht unscheinbar aussieht, macht Medizinern Sorgen: das West-Nil-Virus.

epa/Cynthia Goldsmith / Centers for Disease Control / Handout
Das 1937 erstmals im West-Nil-Distrikt von Uganda nachgewiesene Virus – daher hat es seinen Namen – wird ...

Das 1937 erstmals im West-Nil-Distrikt von Uganda nachgewiesene Virus – daher hat es seinen Namen – wird ...

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... von verschiedenen Stechmücken übertragen. Mithilfe dieser hat es das Virus bereits nach Europa geschafft.

... von verschiedenen Stechmücken übertragen. Mithilfe dieser hat es das Virus bereits nach Europa geschafft.

Keystone/Robin Loznak

Seinen Namen verdankt das West-Nil-Virus dem Ort, wo es 1937 erstmals isoliert wurde: dem West-Nil-Distrikt von Uganda. Seither hat es sich weit verbreitet. Inzwischen wurde es auch in Europa mehrfach nachgewiesen, unter anderem in Österreich, Italien und Deutschland.

Aus diesem Grund hat Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin eine neue Diskussion über Sicherheit von Blutkonserven angeregt: «Blutspendedienste müssen sich damit in Zukunft stärker auseinandersetzen.»

Offizielle Weisung, regionale Handhabe

In der Schweiz ist dies bereits passiert, wie Anita Tschaggelar von Blutspende SRK Schweiz sagt. Zwar lautet die offizielle Weisung nach wie vor, dass Personen, die sich zuvor in einem der betroffenen Ländern aufgehalten haben, für einen Monat vom Blutspenden ausgenommen sind.

«Aber einige regionale Blutspendedienste haben bereits entschieden, diese Spender nicht mehr zurückzuweisen, sondern auf das Virus zu testen.» So geschehen bei der Blutspende SRK Zürich während der Sommerferien.

Die Interregionale Blutspende SRK AG, die für die Kantone Bern, Waadt und Wallis zuständig ist, hat damit Anfang dieser Woche begonnen. «Die Testung erfolgt im Rahmen eines Pilotprojektes bis zum 31. Dezember 2018», erklärt Sprecher Adrian Fluri. Da man damit rechnen müsse, dass in Zukunft das West-Nil- oder andere Viren für immer mehr Spendende eine Hürde darstellten, sei dies für den grössten Blutspendedienst der Schweiz ein wichtiger Schritt zur Sicherung der Blutversorgung in den nächsten Jahren.

Tessin ist am meisten gefordert

Im Tessin geht man sogar noch einen Schritt weiter, wie Stefano Fontana, medizinischer Leiter von der Fondazione Servizio Trasfusionale CRS della Svizzera Italiana, sagt.

«Aufgrund der Meldungen aus Italien haben wir beschlossen, nicht nur Reiserückkehrer, sondern grundsätzlich alle Spender auf das Virus zu testen.» Seit rund drei Wochen würden sie es so handhaben, weil damals das Risikogebiet an die Schweizer Grenze herangekommen sei. Noch sei das Virus bei keiner Person nachgewiesen worden, doch man gehe davon aus, dass es in Zukunft anders sein könnte.

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Das macht das West-Nil-Virus

Übertragen wird das West-Nil-Virus von verschiedenen Stechmücken, von denen einige auch in der Schweiz heimisch sind, wie die Gemeine Stechmücke Culex pipiens. Im Gegensatz zu anderen Tropenkrankheiten wie dem Chikungunya- oder dem Dengue-Fieber verläuft das durch das Virus ausgelöste West-Nil-Fieber bei 80 Prozent der Infizierten unbemerkt. 19 Prozent der Patienten entwickeln grippeähnliche Symptome. Bei rund einem von hundert Fällen kann die Krankheit tödlich enden. Das klingt zunächst nach wenig, doch kommt es zu einer Epidemie, könnte die Zahl deutlich ansteigen.

(Foto: Wikimedia Commons/Urmas Tartes/CC BY-SA 4.0)

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