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Westen fordert Einigkeit gegen den Iran

Nach dem ergebnislosen Verlauf der jüngsten Gespräche in Moskau hat der Westen ein gemeinsames Vorgehen im Streit um das iranische Atomprogramm gefordert.

Die Gespräche wurden am Mittwoch im Rahmen der G8-Staaten fortgesetzt.

Das Treffen sollte eigentlich dem Zweck dienen, den G8-Gipfel im Juli in St. Petersburg vorzubereiten. In Moskau, wo am Dienstag Vertreter der fünf ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrats und Deutschlands über den Konflikt mit dem Iran beraten hatten, traf am Mittwoch der iranische Chefunterhändler Ali Laridschani ein.

Es sei das Ziel Teherans, die internationale Gemeinschaft im Atomstreit auseinanderzubringen, warnte der französische Aussenminister Philippe Douste-Blazy im Radiosender RMC. Wenn dies gelinge, erhalte der Iran die Möglichkeit, sein Programm zur Anreicherung von Uran ungehindert fortzuführen.

Der britische Aussenminister Jack Straw sagte dem Sender BBC, dass der Iran die internationale Gemeinschaft nicht spalten könne. Tatsächlich habe der Streit mit dem Iran die Einigkeit «nach jeder Etappe und zum Preis grosser Anstrengungen» vergrössert.

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow bestätigte die Ergebnislosigkeit der Gespräche vom Dienstagabend. Ein Ergebnis sei aber auch nicht das Ziel der Zusammenkunft gewesen.

Frist bis 28. April

Lawrow zufolge muss dazu zunächst der für Ende des Monats erwartete Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) abgewartet werden. Der UNO-Sicherheitsrat hat den Iran aufgefordert, bis zum 28. April die Anreicherung von Uran einzustellen.

Auch ein Sprecher des deutschen Auswärtigen Amtes betonte in Berlin, dass Treffen in Moskau habe dazu gedient, in der Halbzeit des dem Iran gesetzten Zeitraums den Stand der Dinge zu beraten.

Die USA fordern harte Sanktionen gegen Iran; dagegen sind Russland und China der Meinung, dass es noch Spielraum für eine Verhandlungslösung gibt.

Iranische Delegation in Moskau

Der iranische Unterhändler Laridschani werde in Moskau unter anderen den Chef des russischen Sicherheitsrates, Igor Iwanow, treffen, berichtete die Nachrichtenagentur Irna aus Moskau.

Der iranische Aussenminister Manuschehr Mottaki hatte zuvor im staatlichen Radio gesagt, auf Drängen Russlands sei eine Delegation nach Moskau entsandt worden.

Vertreter des EU-Verhandlungstrios aus Deutschland, Frankreich und Grossbritannien trafen überraschend mit dieser zusammen. Das Gespräch sei auf Wunsch Teherans zustande gekommen, sagte ein europäischer Diplomat.

Blair: Kein Militärschlag

Nach Ansicht des britischen Premierministers Tony Blair ist es Zeit für eine «klare und gemeinsame Botschaft» an die Adresse Teherans. Eine militärische Intervention komme aber nicht in Frage, sagte Blair im Unterhaus in London. Die Aussage von US-Präsident George W. Bush, er schliesse gegenüber dem Iran keine Option aus, sei «vollkommen vernünftig».

Die iranische Friedens-Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi warnte unterdessen die USA vor einem Militärschlag. «Trotz aller Kritik, die wir an der iranischen Regierung haben - kein einziger amerikanischer Soldat darf seinen Fuss auf iranischen Boden setzen», sagte sie bei der Vorstellung ihrer Autobiografie «Mein Iran» in Berlin. (sda)

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