Im Visier islamischer Extremisten: Westliche Medien unter Beschuss
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Im Visier islamischer ExtremistenWestliche Medien unter Beschuss

Anschläge und Drohungen: Nicht zum ersten Mal wurden Medien, die Islam-Karikaturen und Kritik veröffentlichten attackiert – eine Übersicht.

von
ale
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«Charlie Hebdo» zeigte neben Persönlichkeiten wie dem emeritierten Papst Benedikt XVI. und Ex-Präsident Nicolas Sarkozy mehrfach den Propheten Mohammed auf seiner Titelseite.

«Charlie Hebdo» zeigte neben Persönlichkeiten wie dem emeritierten Papst Benedikt XVI. und Ex-Präsident Nicolas Sarkozy mehrfach den Propheten Mohammed auf seiner Titelseite.

Keystone/Caroline Blumberg
Islamkritische Medienschaffende wurden wiederholt Ziel von Anschlägen.

Islamkritische Medienschaffende wurden wiederholt Ziel von Anschlägen.

Keystone/stf
2004 war der Niederländer Theo van Gogh wegen eines Films über die Unterdrückung von Frauen im Islam auf offener Strasse getötet worden.

2004 war der Niederländer Theo van Gogh wegen eines Films über die Unterdrückung von Frauen im Islam auf offener Strasse getötet worden.

Keystone/AP/Arie Kievit

Islamkritische Medienschaffende wurden schon wiederholt Ziel von Anschlägen. Nach der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen geriet vor allem Dänemark ins Visier islamistischer Terroristen. In der Schweiz sah sich jüngst die «Weltwoche» Drohungen ausgesetzt.

Die dänische Zeitung «Jyllands-Posten» veröffentlichte 2005 zwölf Karikaturen mit Mohammed. Die Zeichnungen zeigten den Propheten unter anderem mit einer Bombe im Turban. Die Karikaturen lösten einen Proteststurm in muslimischen Ländern aus. Dänische Botschaften wurden in Brand gesetzt, und mehr als 150 Menschen fanden bei Gewaltakten den Tod.

Westergaard entging knapp Mordanschlag

Auch in Dänemark selbst kam es nach der Veröffentlichung wiederholt zu radikalislamischen Angriffen. Am Neujahrstag 2010 entging der «Jyllands-Posten«-Karikaturist Kurt Westergaard nur knapp einem Mordanschlag. Ein Somalier überfiel ihn in seinem Haus und bedrohte ihn mit einer Axt.

Im Dezember 2010 konnten vier arabischstämmige Männer gestoppt werden, die schwer bewaffnet aus Schweden nach Kopenhagen gekommen waren. Sie wollten bei «Jyllands-Posten» ein Blutbad anrichten. Im Februar 2013 verfehlte eine Pistolenkugel den islamkritischen dänischen Journalisten Lars Hedegaard nur knapp.

Anschläge in weiteren Ländern

2004 war der Niederländer Theo van Gogh wegen eines Films über die Unterdrückung von Frauen im Islam auf offener Strasse getötet worden. In Schweden wurde der Künstler Lars Vilks zweimal Ziel von Anschlagsversuchen, nachdem das Terrornetz Al-Kaida ein Kopfgeld von 100'000 Dollar auf ihn ausgesetzt hatte. Vilks hatte 2007 eine Zeichnung mit Mohammed als Hund ausgestellt.

Im November 2011 kam es zu einem ersten Anschlag auf die Redaktion von «Charlie Hebdo». Aktivisten setzten damals die Redaktionsräume in Brand. «Charlie Hebdo» hatte ein Sonderheft zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien herausgegeben und sich dazu in «Scharia Hebdo» umbenannt.

Kontroverse um «Weltwoche«-Artikel

Mit einem provokativen Islam-Beitrag sorgte unlängst auch die «Weltwoche» in der Schweiz für eine Kontroverse. Der Satiriker Andreas Thiel holte Ende November zu einem Rundumschlag gegen den Koran aus und wurde nach eigenen Angaben darauf mit Morddrohungen eingedeckt.

Das Redaktionsgebäude der «Weltwoche» in Zürich musste von Sicherheitsleuten bewacht werden, und Hacker legten vorübergehend die Internet-Seite der Zeitschrift lahm.

2006 hatte die «Weltwoche», neben anderen Schweizer Zeitungen, bereits einzelne Mohammed-Karikaturen abgebildet. Die iranische Botschaft in Bern forderte von den Zeitungen eine Entschuldigung «bei der gesamten islamischen Welt». (ale/sda)

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