Echt ist nur das Geld: Wettanbieter setzt auf virtuelle Fussballspiele
Aktualisiert

Echt ist nur das GeldWettanbieter setzt auf virtuelle Fussballspiele

Beim österreichischen Wettanbieter Interwetten kann Geld auf Fussballspiele gesetzt werden, die vom Computer simuliert werden. Suchtexperten sehen das als Gefahr.

von
Samuel Hufschmid

Die virtuellen Spiele können im Livestream mitverfolgt werden.

Sportwetten im Internet sind ein lukratives Geschäft - dumm nur, wenn gerade kein Fussballspiel läuft, auf das gewettet werden kann. Dieses Problem hat der Österreichische Wettanbieter Interwetten mit der «Virtual Football League» gelöst, einer europäischen Liga mit 16 Teams, die rund um die Uhr in simulierten, knapp fünf Minuten dauernden Spielen aufeinandertreffen. Von Bayern über Barcelona und Lissabon ist alles vertreten, was Rang und Namen hat - mit dem «VF Basel» ist sogar ein Vertreter aus der Schweiz mit dabei.

Im Livestream können die animierten Spiele verfolgt werden, während via Kreditkarte echtes Geld auf den Spielausgang gewettet werden kann. Seit Dezember ist das Angebot verfügbar - der Anbieter ist zufrieden: «Wir sind mit der aktuellen Nutzung und der Entwicklung von Virtual Football seit der Lancierung sehr zufrieden», sagt Sprecher Michael Gradwohl. Auch bei Schweizer Wettkunden sei das Angebot beliebt und würde zunehmende Umsätze generieren. Konkrete Umsatz- oder Nutzerzahlen nennt das Unternehmen nicht.

Experte warnt vor Suchtgefahr

Für Suchtexperte Renanto Poespodihardjo von der psychiatrischen Uniklinik Basel sind solche Angebote eine Gefahr: «Einerseits wird dem Spieler vorgegaukelt, dass er gewisse Fähigkeiten entwickeln kann, um die Gewinnchancen zu verbessern. Andererseits wird die Ereignisfrequenz des Glücksspiels so gesteigert, dass rund um die Uhr gespielt werden kann. Die einzelnen Abstände von einem Spiel zum nächsten werden virtuell drastisch gekürzt, führen also immer wieder zu einem neuen schnellen Kick, was das Gefahrenpotenzial für eine Suchtentwicklung stark erhöht.»

Einer, der die virtuellen Wetten bereits ausprobiert hat, ist D. C. aus Allschwil. Der 18-Jährige hat gemeinsam mit Schulkollegen in Freistunden Geld auf virtuelle Hunderennen gesetzt. «Als wir wetten wollte, gab es gerade kein richtiges Fussballspiel, also sind wir auf virtuelle Wetten ausgewichen.»

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