«Wetten, dass...?»: 728 Wetten und fast 44 Stunden Überziehung
Aktualisiert

«Wetten, dass...?»: 728 Wetten und fast 44 Stunden Überziehung

Vor 25 Jahren präsentierte Frank Elstner zum ersten Mal die mittlerweile «erfolgreichste Unterhaltungsshow Europas». Heute Abend wird das einzigartige Jubiläum mit einem hochkarätigen Programm gebührend gefeiert.

Am 8. Februar 1981 schaffte Frank Elstner ein Kunststück: Die Übertragung von «Wetten, dass...?» endete damals zwölf Minuten früher als geplant. Doch der überpünktliche Schluss ist eine absolute Ausnahme. Bis zur letzten Sendung Anfang März sammelten die Moderatoren Elstner, Thomas Gottschalk und Wolfgang Lippert 43 Stunden und 39 Minuten an überzogener Zeit an. «Ich fürchte, das werden wir niemals so richtig hinkriegen», sagte die Redakteurin Beate Weber in einem Interview vor zwei Jahren.

25 Jahre nach der ersten Sendung ist «Wetten, dass...?» nach wie vor das Flaggschiff der deutschsprachigen Fernsehunterhaltung und holt allein für das ZDF Quoten von etwa 14 Millionen Zuschauern. Den Geburtstag feiert der Sender mit mehreren Sondersendungen rund um die Show heute Abend in Halle an der Saale.

Die Macher von «Wetten, dass...?» glaubten bei der ersten Sendung am 14. Februar 1981 zunächst nicht so recht an den Erfolg. Die Regeln waren noch komplizierter als heute, und die Zuschauer mussten eine ganze Stunde auf die erste Wette warten. «Es war das Schlimmste, was ich je gesehen habe. Ich bin nicht mal zu der Feier nach der Sendung gegangen, weil ich dachte, das ist der grösste Flop, den wir je gelandet haben», sagte etwa der damalige Regisseur Alexander «Sascha» Arnz, der im Jahr 2004 starb. Trotzdem schauten die Sendung 16,9 Millionen Zuschauer. Die Regeln wurden im Laufe der Jahre stark vereinfacht.

Konzipiert wurde «Wetten, dass...?» von Frank Elstner, der die Show bis 1987 moderierte. Von der 40. Sendung an übernahm Gottschalk seinen Posten. Gottschalk hatte sich zuvor schon mit Radio- und Fernsehsendungen einen Namen gemacht. Der Entertainer präsentierte die Sendung bis 1992 und wurde kurzzeitig von Wolfgang Lippert abgelöst.

Die Zuschauer mochten den Berliner, Kritiker aber verrissen ihn. Er sei «ein einziger unangenehmer Ranschmeisser», hiess es mit Blick auf seine distanzlose Art, seine Moderation wirke «peinlich bis infantil». Als Gottschalk nach einer Bruchlandung mit seiner Late-Night-Show bei RTL zu «Wetten, dass...?» zurückkehren wollte, musste Lippert gehen.

Gottschalk musste ebenfalls Kritik einstecken: So wurden ihm oberflächliche Gespräche vorgeworfen. 1998 nannte Götz George den ausgebildeten Pädagogen einen «Oberlehrer». Später versöhnten sich die beiden und veralberten gemeinsam das Publikum, indem sie auf der Bühne einen Streit inszenierten.

Auch mit den 728 Wetten lief nicht immer alles glatt. Legendär ist der Streich eines Redakteurs der Satirezeitschrift «Titanic». Er wollte 1988 die Farbe von Buntstiften angeblich am Geschmack erkennen. Sein Trick war einfach und effektiv: Er hatte nach eigener Aussage einfach unter den Rand der verdunkelten Skibrille hindurchgesehen.

Grossaufgebot der Stars

Zum Erfolgskonzept von «Wetten, dass...?» gehören auch die Gäste: Bei fast jeder Sendung sitzt mindestens ein Hollywood- oder Popmusik-Star bei Gottschalk auf dem Sofa. Die Redaktion schaffte es zwei Mal, Superstar Michael Jackson für einen Auftritt zu gewinnen. Auf jeweils sieben Besuche brachten es Phil Collins, Elton John, Rod Stewart und Joe Cocker.

Unvergessen ist auch der Besuch der englischen Boygroup Take That, die vor dem Auftritt 1996 ihre Auflösung bekannt gegeben hatte und für hysterisches Gekreische der Fans im Saal sorgte.

Auch heute Abend wird dem Publikum wieder internationales vom Feinsten geboten. Auf der Gästeliste stehen beispielsweise Hollywoodstar und Scientology-Exponent Tom Cruise, TV-Moderatorin Michelle Hunziker, die deutsche Teenie-Band Tokio Hotel, Latino-Star Juanes, die Poplegende Toto, der italienische Oscarpreisträger Roberto Benigni. Aber auch der deutsche Schauspieler Armin Rohde («Barfuss», «Tatort») wird auf Gottschalks Welt-Sofa

Platz nehmen.

Ein Ende von «Wetten, dass...?» ist nach Ansicht von ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut nicht in Sicht: «Solange es Menschen mit skurrilen Ideen und verrückten Wettvorschlägen gibt, solange wird auch 'Wetten, dass...?' mit Thomas Gottschalk Kult sein.» (dapd)

Deine Meinung