Wetterprognosen dank welscher Bauern
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Wetterprognosen dank welscher Bauern

MeteoSchweiz, der nationale Wetterdienst der Schweiz, feiert heute sein 125-jähriges Bestehen. Den Ausschlag für die Gründung der damaligen Meteorologischen Zentralanstalt war die Forderung Westschweizer Bauern nach täglichen Wetterprognosen.

MeteoSchweiz hat am Dienstag sein 125-jähriges Bestehen gefeiert. An einem Festakt im Flughafen Zürich-Kloten, an dem unter anderen Bundesrat Pascal Couchepin teilnahm, wurden eine Wanderausstellung eröffnet und das erste mobile Wetterbüro der Schweiz in Betrieb genommen.

MeteoSchweiz hatte den Betrieb am 1. Mai 1881 als Meteorologische Zentralanstalt (MZA) aufgenommen. Zunächst in der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich untergebracht, erhielt die MZA - deren offizieller Namen später Schweizerische Meteorologische Anstalt (SMA) lautete und die im Jahr 2000 zum Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz wurde - Ende der 1940-er Jahr am Zürichberg hoch über Zürich einen eigenen Gebäudekomplex mit einmaliger Aussicht. Couchepin - als Vorsteher des Eidgenössischen Departements des Innern (EDI) oberster Chef von MeteoSchweiz - erinnerte gemäss Redetext in einer kurzen Ansprache daran, dass der Anstoss zur Gründung von MeteoSchweiz 1870 von Westschweizer Bauern ausgegangen war. Diese hätten den Bundesrat um die Herausgabe täglicher Wetterprognosen ersucht.

Trotz ablehnender Haltung der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft, die damals von unwissenschaftlichen Wetterprophezeiungen sprach, setzte der Bundesrat eine unabhängige Spezialkommission ein, die ab 1878 Wetterprognosen telegrafisch in alle Landesteile übermittelte und die in vielen Orten öffentlich ausgehängt wurden. Am 1. Juni 1878 veröffentlichte die «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ) als erstes Schweizer Blatt eine Wettervorhersage.

Wetterprognosen seien seither, selbst in der NZZ, viel sicherer als politische, sagte Couchepin unter anderem. Heute werde das Wetter des folgenden Tages zu 85,5 Prozent richtig vorhergesagt; bei den Fünf-Tages-Prognosen liege die Trefferquote bei 75 Prozent. Behörden und Öffentlichkeit seien heute aber nicht nur am Wetter interessiert, sagte der EDI-Chef weiter. Seit dem Sturm Lothar am 26. Dezember 1999 sei auch das Interesse an Unwetterwarnungen stark gestiegen.

MeteoSchweiz sei ein wichtiges Instrument des Bundesrates zum Schutz der Bevölkerung vor Schäden. Das von MeteoSchweiz zusammen mit der Nationalen Alarmzentrale und kantonalen Einsatzorganen aufgebaute Warnsystem habe in den vergangenen Jahren manche Feuerprobe erfolgreich bestanden, zuletzt bei den starken Schneefällen von Anfang März.

Zwar könnten die Menschen wie schon 1880 das Wetter nicht selber bestimmen, doch könne es zumindest mit immer grösserer Genauigkeit vorausgesagt werden. «Sind wir deswegen glücklicher? Die Frage bleibt offen», sagte Couchepin. Wichtig sei letztlich, dass die Prognosen den Menschen nützten.

Systematische Meteorologie älter als MeteoSchweiz

Die Geschichte der systematischen Meteorologie in der Schweiz reicht viel weiter zurück als jene von MeteoSchweiz. Bereits 1697 rief der Zürcher Arzt und Naturforscher Johann Jakob Scheuchzer zum systematischen Sammeln Wetterdaten zu sammeln.

Scheuchzers Aufruf folgte wenige Jahre auf die florentinische Erfindung meteorologischer Messintrumente. Laut Scheuchzer sollte das Wetter möglichst vieler Schweizer Orte nach einheitlichen Vorgaben mit Instrumenten beobachtet werden. Erhalten haben sich die Messreihen von Genf ab 1753 und von Basel ab 1755. Ein erstes landesweit koordiniertes Wetterbeobachtungsnetz mit zwölf Stationen gab es erst 1823. Mit Unterstützung des Bundes gelang der Aufbau eines dauerhaften Netzes, das Anfang Dezember 1863 mit 88 Stationen in Betrieb ging. (dapd)

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