Aktualisiert 31.10.2011 16:06

Skisaison 2011/12Wetterschmöcker soll Winter-Tourismus retten

Im kommenden Winter werden dem Schweizer Tourismus die Gäste fehlen. Ein Wetterprophet aus dem Muotatal und ein Ameisenhaufen sollen Abhilfe schaffen.

von
Sabina Sturzenegger

Mangelndes Engagement kann man Schweiz Tourismus nicht vorwerfen: Die vom Bund gesponserte Marketing-Organisation der einheimischen Tourismuswirtschaft rührt derzeit kräftig die Werbetrommel. Doch Schweiz Tourismus lässt sich den Kampf um ausländische Gäste und gegen den starken Franken nicht nur etwas kosten, sie hat sich diesen Herbst auch etwas besonderes einfallen lassen: Während andere Destinationen mit glitzernden Berggipfeln, rassigen Carvern und hübschen Schneehäschen für sich werben, setzen die Schweizer Touristiker auf einen knorrigen Bergler mit einem fast unverständlichen Dialekt.

Ameisen mit dicken Oberschenkeln

Für Schweiz Tourismus hat der Filmemacher Xavier Koller («Reise der Hoffung») den Muotataler Wetterschmöcker Martin Horat in Szene gesetzt. Dieser erklärt in einem Werbespot, wie der Winter 2011/12 wird und wie er diese Prognose aus einem Ameisenhaufen herausliest. Mit markigen Worten und einigen Kraftausdrücken erklärt der rotbackige Schwyzer, weshalb es sich lohnt, für den Wintersport in die Schweiz zu kommen: Horat prophezeit «verreckt e schönä Winter mit vill Schnee und vill Sunne». Der Wetterfrosch weiss das, weil er Ameisen beobachtet und sich sogar in einen Haufen setzt, um das Verhalten der Tierchen zu beobachten. Diese hätten in diesem Herbst besonders dicke Oberschenkel «wie Skirennfahrerinnen», stellt Horat fest, was auf einen harten, schneereichen und langen Winter hindeute.

Weisse Weihnachten und ein Hoch über Neujahr

Am Dienstag wagte Horat zudem noch eine detaillierte Prognose, die im Werbespot von Schweiz Tourismus nicht zu sehen ist: Laut ihm «wintert es am 10. Dezember ein» und es stehen uns weisse Weihnachten bevor. Zwischen den Jahren ist dann der Hochdruck wetterbestimmend – es gibt also ideales Ski- und Snowboardwetter. Der Januar wird laut Horat kalt. Im Februar, rechtzeitig vor den Sportferien, schneit es wieder kräftig, und während der Sportferien wird das Wetter wieder schön. Der Frühling, so Horat, lasse auf sich warten.

Wenn Horat richtig liegt – und das tun Wetterschmöcker immer auf die eine oder andere Art – ist das Wetter im kommenden Winter also nicht das grösste Problem. Trotz gutem Wetter und einer millionenschweren Werbekampagne – der Spot wird auch auf französisch vertont, für Deutschland und die englischsprachigen Regionen wird er untertitelt – dürften im kommenden Winter nämlich in den Schweizer Bergen die Gäste fehlen.

Denn entscheidend für das Buchungsverhalten ist in erster Linie der Preis, und nicht das Wetter. Und der Preis ist im Moment, insbesondere für ausländische Gäste, wegen des starken Frankens zu hoch. Die «Propheten» des Staatssekretariats für Wirtschaft (seco) und der Konjunkturforschungsstelle BAK Basel rechnen denn auch für den Winter 2011/12 mit einem Logiernächte-Einbruch von 4,2 Prozent unter den Gästen aus Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und den USA.

Auch die Schweizer werden fehlen

Nicht zuletzt werden die Schweizer laut dem seco in diesem Winter auch nicht allzu fleissig Skiferien im eigenen Land buchen. Die gedrückte Konsumentenstimmung und der billige Euro werden die Schweizer von den Skiferien abhalten oder sie ins nahe Ausland locken. Die Ökonomen rechnen jedenfalls mit einem Rückgang von 0,4 Prozent bei den Logiernächten von Schweizern. Dass die Bergbahnen ebenso mit Einbussen rechnen und von geschmälerten Verkehrserträgen ausgehen, liegt auf der Hand. Im Tourismusjahr 2011 werden die Sessellifte und Gondelbahnen 4,8 Prozent weniger verdienen. 2012 müssen sie mit einer weiteren Delle von 0,6 Prozent rechnen.

Video: Wie Winterorte Gäste ködern

Schwieriger Winter auch für Skihändler

Auch die Schweizer Sporthändler dürften den starken Franken in der Wintersaison zu spüren bekommen. Zum einen werden weniger Schneetouristen aus dem Euro-Raum erwartet, zum anderen kaufen Schweizer immer öfter jenseits der Grenze oder übers Internet ein. In einer Werbekampagne will die Branche nun zeigen, wie Schweizer Konsumenten dem Wirtschaftsstandort schaden, wenn sie im grenznahen Ausland oder übers Internet verbilligte Waren beziehen.

Warum es kaum Preissenkungen gibt

Es seien zwar Preissenkungen erfolgt, wegen des stark saisonalen Charakters sei dies aber nicht so leicht zu bewerkstelligen wie in anderen Branchen, erklärte der Chef von Intersport Schweiz, Urs Müller, der sda. Die Intersport-Lieferanten hätten ihre Bestellungen für die Wintersaison bereits im Februar 2011 zu einem damals noch markant höheren Eurokurs tätigen müssen und könnten die aktuellen Wechselkursverhältnisse nur bedingt weitergeben. Intersport Schweiz habe seine Lieferanten aufgefordert, dennoch Preisanpassungen in Betracht zu ziehen. (sda)

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