UNO ruft zum Hungerstreik auf: Wettlauf gegen den Hunger
Aktualisiert

UNO ruft zum Hungerstreik aufWettlauf gegen den Hunger

Die Zahlen sind niederschmetternd, die Aussichten düster. Weltweit hungern mehr als eine Milliarde Menschen - jeder Sechste. 200 Millionen davon sind Kinder. Auf der Welternährungskonferenz will man eine Offensive gegen den Hunger starten. So wie jedes Jahr.

von
Hanns-Jochen Kaffsack
DPA

Nächste Woche beginnt die jährliche Welternährungskonferenz in Rom. FAO-Chef - FAO ist die in Rom ansässige UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft - Jacques Diouf nennt als einen der Gründe, warum nun dringend etwas getan werden muss: «Die schleichende Hungerkrise stellt eine ernsthafte Gefahr für den Weltfrieden und für die Sicherheit dar.»

Gesucht wird ein «breiter Konsens» der Welt, um den Kampf gegen den Hunger trotz leerer Kassen in Zeiten wirtschaftlicher Krisen vielleicht doch nicht zu verlieren. Diouf fordert von den über 190 FAO-Mitgliedsstaaten mehr als mitfühlende Worte über arme Kinder, die hungrig schlafen gehen.

44 Milliarden Dollar

«Wir brauchen von den Regierungen jährlich etwa 44 Milliarden Dollar, um den Hunger mit einer höheren Agrarproduktion und einer angekurbelten Landwirtschaft in der Dritten Welt auszurotten.» Das will Diouf nun den Staats- und Regierungschefs sowie deren Fachministern einhämmern. Ob er nach dem Ende der Konferenz am 18. November eine positive Bilanz ziehen kann?

Hunger-Gipfel, so nennt die FAO das, was ihr senegalesischer Generaldirektor einberuft. Es geht als erstes darum, den Dutzenden bitterarmen Ländern unter die Arme zu greifen, die kein Geld für Nahrungsimporte haben: Trotz einer guten Weltgetreideernte 2009 bleiben die Preise für sie viel zu hoch.

«In Ostafrika ist die Lage jetzt besonders kritisch, denn wegen der Dürre und der Konflikte brauchen etwa 20 Millionen Menschen dringend etwas zu essen», hält die FAO fest.

Gefragt sind daneben vor allem langfristigere Strategien, die etwa den Millionen Kleinbauern wieder eine Überlebensperspektive geben:»Die Krise der Welternährung ist deshalb so tief, weil über zwei Jahrzehnte hinweg zu wenig in die Landwirtschaft gesteckt worden ist, der Sektor wurde vernachlässigt.»

Hunger-Streik einberufen

Diouf sucht nun auch andere Wege, die Bewusstsein schaffen und vielleicht auch Druck auf zögernde Geldgeber ausüben sollen: Er hat dazu aufgerufen, am Wochenende vor der Welternährungskonferenz einen Tag lang zu fasten, nennt das «Hunger-Streik» und will selbst auch mitmachen.

Ausserdem wirbt er dafür, im Internet die Online-Petition «I agree» (www.1billionhungry.org) anzuklicken. So soll man manifestieren, dass man eine hungernde Welt unerträglich findet. Der FAO-Chef hofft darauf, dass eine Milliarde - der Zahl der Hungernden entsprechend - teilnehmen und damit etwas bewegen können.

Doch beileibe nicht jeder, der am Montag zur Eröffnung feierlich reden wird, dürfte mit am Strang ziehen. Sicher, Papst Benedikt XVI., der dieses Jahr persönlich zur Konferenz kommt, nutzt jede Gelegenheit, den Hunger in der Welt anzuprangern.

Andere Staatschefs, wie etwa Präsident Robert Mugabe aus Simbabwe, sehen die FAO-Konferenz jedoch gern als ihre politische Plattform in Europa. Und auch der libysche Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi will für die FAO-Tagung einmal mehr nach Italien reisen.

FAO-Generalsekretär Diouf im Hungerstreik

Mit einem 24-stündigen Hungerstreik will FAO-Generalsekretär Jacques Diouf die internationale Gemeinschaft im Kampf gegen den Hunger wachrütteln. Diouf begann seine Protestaktion am Freitagabend im Vorraum des Sitzes seiner UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) in Rom. Weil das Gebäude über Nacht unbeheizt ist, trug er Mantel und Schal über seinem Schlafanzug.

Vor dem Welternährungsgipfel, der am Montag in Rom beginnt, hat Diouf alle Menschen aufgerufen, sich am Wochenende an dem Hungerstreik zu beteiligen, um die Entscheidungsträger zum Handeln zu bewegen. «Wir haben die technischen Mittel und die Ressourcen, den Hunger aus der Welt zu schaffen», erklärte Diouf. «Deshalb ist es nun eine Sache des politischen Willens, und der politische Wille wird von der öffentlichen Meinung beeinflusst.» UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat angekündigt, am Sonntag zu fasten. (AP)

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