Aktualisiert 18.03.2011 00:44

Atomares Desaster

Wettlauf mit der Zeit

In einem dramatischen Kampf gegen den drohenden Super-GAU werden im japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 alle verbliebenen Mittel eingesetzt, um die von einer Kernschmelze bedrohten Reaktoren zu kühlen.

Die Lage am Donnerstagmorgen

Die japanischen Streitkräfte haben am Donnerstag die Bewässerung des beschädigten Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi wieder aufgenommen. Ein Militärhubschrauber vom Typ Chinook CH-47 habe über Reaktorblock 3 mindestens vier Ladungen Wasser abgeworfen, sagte die Sprecherin des Verteidigungsministeriums, Kazumi Toyama. Möglicherweise habe sich jedoch ein Grossteil des Wassers bereits in der Luft zerstreut. Mindestens Dutzende weitere Wasserladungen sollten in den jeweils 40 Minuten abgeworfen werden, die eine Hubschrauberbesatzung arbeiten kann, ehe sie wegen der Strahlenbelastung abgelöst werden müsse, hiess es.

Das Wasser solle einerseits den Reaktor kühlen und andererseits das Abklingbecken wieder auffüllen, erklärte Toyama. Der Kraftwerksbetreiber TEPCO hatte zuvor mitgeteilt, das Becken sei fast leer und die Brennstäbe würden sich immer weiter erhitzen.

Sorgen um Block 4

Äusserungen von US-Beamten zufolge gab es in einem anderen Reaktorblock von Fukushima-Daiichi ähnliche Probleme. Der Chef der US-Atomsicherheitsbehörde NRC, Gregory Jaczko, sagte in Washington, im Abklingbecken des Reaktorblocks 4 gebe es kein Wasser mehr. Japanische Beamte äusserten zwar ähnliche Sorgen bezüglich der Lage in Reaktorblock 4, erklärten aber, der Zustand dort sei nicht mit Sicherheit zu bestätigen. «Wir haben Angst, dass der Wasserstand in Reaktorblock 4 der niedrigste ist», sagte TEPCO-Mitarbeiter Hikaru Kuroda. Weil sich die Arbeiter dem Reaktorblock 4 nicht nähern könnten, sei es nur möglich, «die Lage visuell von weit weg» zu beobachten.

Kühlsystem bald wieder Funktionstüchtig?

Die japanischen Behörden teilten am Donnerstag mit, die stünden womöglich kurz davor, die Stromversorgung in der Atomanlage Fukushima-Daiichi und das Kühlsystem der dortigen Reaktoren wiederherzustellen. Eine neue Stromleitung sei fast fertig und solle «sobald wie möglich» ausprobiert werden, sagte TEPCO-Sprecher Naoki Tsunoda. Wann genau es so weit sein wird, sagte er nicht.

Der Gouverneur der Präfektur Fukushima, Yuhei Sato, sagte dem japanischen Fernsehsender NHK, die Evakuierungsvorbereitungen angesichts der Lage in Fukushima-Daiichi seien unzureichend. «Die Angst und Entrüstung, die Menschen in Fukushima empfinden, haben den Siedepunkt erreicht», sagte er. Zehntausende Menschen sind im Umkreis von 20 Kilometern um die Atomanlage evakuiert worden.

(von Eric Talmadge und Mari Yamaguchi / AP) (dapd)

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