Aktualisiert 18.01.2016 16:33

Grand-Slam-Sieger unter VerdachtWettmafia bot Djokovic 100'000 Pfund

Zum Auftakt der Australian Open berichten diverse Medien von einem Wettbetrug im Profitennis. Betroffen sind offenbar auch Sieger von Grand-Slam-Turnieren.

Zum Auftakt des Australian Open sorgten das britische Fernsehen BBC und das Onlinemagazin BuzzFeed für Aufruhr in der Tennisszene. Die geäusserten Korruptionsvorwürfe sind allerdings nicht neu, sorgen aber trotzdem für einen grossen Aufruhr im Internet. So entsteht der Hashtag «The Tennis Racket». Und für einmal steht «Racket» nicht für «Schläger», sondern für Betrug.

Auch Weltnummer eins Novak Djokovic soll am Anfang seiner Karriere ein Angebot bekommen haben, ein Spiel des ATP Turniers in St. Petersburg zu manipulieren: Rund 100'000 Pfund (140'000 Schweizer Franken) seien ihm dafür geboten worden, verrät er. Der Vorwurf wurde jedoch zurückgewiesen, schreibt «The Telegraph».

«Ich wünschte, dies würde nicht passieren. Aber Geld regiert die Welt», twittert ein User.

Immerhin konnten BBC und BuzzFeed die alten Vorwürfe konkretisieren, weil ihnen offenbar von einem Insider Auszüge der damaligen Untersuchungsunterlagen zugespielt wurden. Der einzige konkrete Fall, der ausgebreitet wird, betrifft die Partie zwischen dem Russen Nikolai Dawydenko und dem Argentinier Martin Vassello Arguello in Sopot, Polen. Dass diese Partie getürkt gewesen sein soll, ist seit Jahren hinlänglich bekannt, obwohl Dawydenko später von den Vorwürfen freigesprochen wurde.

Der Fall Dawydenko

Die Wettbüros zahlten damals keine Gewinne an die Wetter aus. Dawydenko, die Nummer 4 der Welt, gab gegen Vassallo Arguello, die Nummer 87, im Entscheidungssatz verletzt auf, nachdem er als haushoher Favorit mit einem Satz und einem Break geführt hatte. Für diese Partie gingen für umgerechnet fast zehn Millionen Schweizer Franken Wetten ein; das meiste Geld wurde auf einen Aussenseitersieg gesetzt. Diese Wettsumme ist zehnmal höher als die Gesamtsumme, für die im Schnitt an einem kleinen Turnier wie Sopot gewettet wird.

Eine User postet: Millionen-Wetten. Elite-Spieler. Sizilianische Spieler.

Der Fall Dawydenko führte vor acht Jahren zu einem Umdenken. Neue Regeln (Antikorruptions-Code) wurden im Jahr 2009 erlassen. Die Tennis Integrity Unit (TIU), eine Untersuchungskommission für derartige Fälle, wurde ins Leben gerufen. Die TIU sperrte in den letzten sechs Jahren 18 Spieler, sechs davon lebenslänglich.

ITF dementiert Vorwürfe

Der Internationale Tennisverband (ITF) und die Association of Tennis Professionals (ATP) weisen die Vorwürfe von BBC und BuzzFeed zurück, wonach Korruptionsfälle verschleiert oder zurückbehalten worden seien. Es sei aber nicht möglich gewesen, die seit 2009 gültigen neuen Regeln rückwirkend anzuwenden. «Der Vorwurf, der Tennissport habe Korruptionsfälle nicht korrekt gehandhabt, entbehrt jeder Grundlage. Die Verbände haben die Wettproblematik alles andere als auf die leichte Schulter genommen», so Chris Kermode, Präsident der ATP, in Melbourne.

Tennisspiele eignen sich für Wettbetrug gut, denn seit Jahren kann nicht nur über den Ausgang einzelner Partien, sondern auch über einzelne Games und Ballwechsel gewettet werden.

Ein Top-50-Spieler unter Verdacht

Ohne Namen zu nennen, behaupteten BBC und BuzzFeed nach der gemeinsamen Recherche, dass Sieger von Grand-Slam-Turnieren in Einzel und Doppel zu der Kerngruppe von 16 Spielern gehörten, die mehrmals an (wetttechnisch) hochverdächtigen Partien mitspielten. Ein Top-50-Spieler, der am Australian Open teilnimmt, wird verdächtigt, mehrmals den ersten Satz in eigenen Spielen absichtlich verloren zu haben.

Die Spieler würden von der Wettmafia in ihren Hotelzimmern kontaktiert; pro Betrug winken Beteiligungen in Höhe von 50'000 und mehr Franken. Wettsyndikate aus Italien und Russland sollen Hunderttausende von Franken mit verdächtigen Wetten verdient haben, auch an den europäischen Grand-Slam-Turnieren in Paris und Wimbledon. Auf einer Liste (aus dem Jahr 2007) stehen über 70 verdächtige Spieler, von denen nie einer belangt worden ist.

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