Aktualisiert 31.10.2011 15:25

Missbrauchter BrauchWettrüsten gegen die Halloween-Chaoten

Ob mit Zivilschutz oder Bronco-Security: Die Gemeinden kämpfen in der kommenden Halloween-Nacht mit harten Bandagen gegen Eier-Attacken und Sachbeschädigungen.

von
Adrian Müller

Von dem Kürbis-Brauch hat sie definitiv die Nase voll: Vor drei Jahren haben Jugendliche den Namen der Schulleiterin und despektierliche Sprüche auf das Schulhaus gesprayt: «Das war ein persönlicher Angriff von Schülern, das hat mich sehr betroffen gemacht», sagt Renate Baschek zu 20 Minuten Online.

Damals wüteten Teenager in der Halloween-Nacht im ganzen Dorf: Sie warfen dutzende Eier an Hausfassaden, versprayten Gebäude und richteten so einen Sachschaden von mehreren zehntausend Franken an. Der Vorfall brachte das Fass zum Überlaufen, die Gemeinde rüstete sich zum Kampf gegen die Halloween-Vandalen.

Damit die Jugendlichen in der heutigen Halloween-Nacht in Neuenhof nicht wieder eine Spur der Zerstörung hinterlassen, scheut das 8000-Seelen-Dorf keinen Aufwand. Jugendarbeiter, 40 Zivilschützer, alle Schulhausabwarte und sogar der Hundedressurverein patrouillieren am Abend insbesondere vor Hotspots wie Schulhäusern und Kindergärten. «Das hat letztes Jahr verhindert, dass die Schüler Blödsinn anstellen», erklärt Baschek. Der Aufwand sei zwar gross, aber trotzdem kleiner als im Nachhinein all die Schäden zu reparieren.

Importierter Blödsinn

Neuenhof ist längst nicht die einzige Gemeinde, die in der Kürbis-Nacht aufrüstet. Statt sich zu verkleiden, von Haus zu Haus zu gehen und Süssigkeiten zu verlangen, missbrauchen Schüler in der ganzen Schweiz den aus den USA importierten Brauch vermehrt, um Blödsinn anzustellen und Sachbeschädigungen zu begehen.

Ihre Schulgebäude vor Eier-Geschossen zu schützen, versucht auch die Berner Vorortsgemeinde Köniz. Die Behörden lassen bereits zum zweiten Mal ihre 16 Schulhäuser eigens von der berühmt-berüchtigten Bronco-Security bewachen. Der Könizer Hauswart Walter Keusen musste laut «Berner Zeitung» letztes Jahr dennoch 20 Eier von den Fassaden kratzen. Zu den Vandalen sagt er: «Das sind bloss Einzelne, schade, dass sie sich dazu verleiten lassen.» Auch in der Stadt Bern kommt heute Abend zum zweiten Mal ein «Halloween-Sicherheitskonzept» zum Zug. Details dazu wollen die Behörden keine verraten.

Denn sie wissen nicht, was sie tun

Gossau SG hat dieses Jahr gar eine «Halloween-Nulltoleranz» ausgerufen: «Wir haben genug von Ketchup-Schmierereien und Vandalismus», sagt Stefan Kramer vom Amt für Sicherheit zu 20 Minuten Online. Mit der Kampagne wolle man auch den Eltern in Erinnerung rufen, besser auf ihre Kinder aufzupassen. «Viele wissen gar nicht, was die Jungen am Abend auf der Strasse treiben.» Pech für die Ostschweizer: Morgen ist Allerheiligen, also ein Feiertag, was die nächtlichen Streifzüge der Halloween-Teenies eher begünstigen wird. Kramer graut es schon jetzt vor den zerplatzten Eiern: «Das Eigelb bringt man kaum noch von der Hausfassade weg».

Eier fliegen jedoch nicht nur gegen Häuser: Vergangenes Jahr musste die Zürcher Kantonspolizei an Halloween 60 Mal ausrücken, Eier flogen gegen Autos und gar Züge. Ausserdem brannten Container und WC-Häuschen. Auch in der Stadt Zürich ist man auf der Hut: Das Polizeiaufgebot werde extra für Halloween erhöht, sagt Stapo-Sprecherin Judith Hödl. «Wir hoffen, dass die Nacht ruhig wird. Denn eigentlich ist es ja ein friedlicher Brauch.»

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