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Kritik am DatenschutzWhatsApp-Deal nützt Schweizer Konkurrenz

Facebook kauft WhatsApp. Und Kritiker sorgen sich umso mehr um die Datensicherheit. Drei Schweizer WhatsApp-Alternativen profitieren davon: Ihre Download-Zahlen steigen massiv.

von
L. Frommberg

19 Milliarden Dollar zahlt Facebook für den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Und bei den Nutzern schrillen die Alarmglocken. Schon lange steht WhatsApp in der Kritik, es mit dem Datenschutz nicht so genau zu nehmen. Sämtliche Nachrichten, die über den Dienst verschickt werden, speichert WhatsApp auf seinen Servern – unverschlüsselt. Der Zusammenschluss mit Facebook lässt bei vielen Nutzern nun die Angst vor der Datenkrake neu aufleben.

Davon profitieren Threema und MyEnigma. Beide sind Kurznachrichten-Apps mit einem ähnlichen Konzept wie WhatsApp, beide werben damit, deutlich sicherer zu sein als der US-Konkurrent – und beide sitzen in Zürich. «Die News über WhatsApp widerspiegeln sich schon recht deutlich in den Download-Zahlen», so Marlene Frey, Sprecherin von MyEnigma-Entwickler Qnective, zu 20 Minuten. Es seien rund zehnmal mehr Downloads als üblich zu verzeichnen. Weitere Nutzerzahlen gibt sie nicht bekannt.

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Der Dienst setzt auf die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. «Wir können deine Nachrichten weder lesen noch entschlüsseln», werben die Entwickler der App auf ihrer Website. Denn auf dem Handy des Senders wird die Nachricht ver- und erst auf dem Gerät des Empfängers wieder entschlüsselt. Ausserdem nutze man im Gegensatz zu WhatsApp ausschliesslich die Daten der Nutzer, die auch registriert sind. WhatsApp verschafft sich Zugang auf sämtliche Adressbuchdaten, ganz egal, ob es sich um User handelt oder nicht.

Der Sitz in Zürich ist offenbar ein Pluspunkt für die Apps. «Wir haben in der Schweiz ein starkes Datenschutzgesetz und sind auch von Gesetzes wegen nicht dazu verpflichtet, Benutzerdaten automatisch herauszugeben», so Frey.

Ausserdem habe man in der Schweiz noch den Vorteil – etwa gegenüber Deutschland –, dass man nicht dazu verpflichtet sei, die Metadaten eine bestimmte Zeit aufzubewahren. «Wir löschen diese regelmässig.» MyEnigma ist für iPhone, Android und Blackberry gratis verfügbar.

Bisher vor allem in Deutschland beliebt

Schon wesentlich bekannter als MyEnigma – und kostenpflichtig – ist Threema, ebenfalls eine App made in Switzerland. Es gibt bei Threema zwei Verschlüsselungsschichten: die Ende-zu-Ende-Schicht und eine weitere Verschlüsselungsschicht, die vor dem Abhören der Verbindung zwischen App und Server schützen soll. Letztere sei nötig, um sicherzustellen, dass ein Angreifer nicht herausfinden könne, wer sich einlogge und wer wem eine Nachricht schicke, erklärt Threema. «Seit heute Morgen haben wir 55'000 neu erstellte Konten zu verzeichnen», so Martin Blatter, Android-Entwickler der App, zu 20 Minuten. «Extrapoliert auf einen ganzen Tag wären das ca. 15-mal mehr neue Benutzer als an den Vortagen.»

Threema hatte bisher vor allem in Deutschland Erfolg. Rund 120'000 Nutzer zählt dort die App bisher. Der Grund: «Dort sind die Menschen kritischer dem Staat gegenüber als in der Schweiz» sagt App-Erfinder Manuel Kasper gegenüber der «Handelszeitung». «Die Deutschen sind in Sachen möglicher Überwachung auch einiges vorsichtiger.»

Kein 100-prozentiger Schutz

Auch die Swisscom bietet eine Alternative zu WhatsApp und auch dort bemerkt man: «Die Downloads liegen heute mehrfach höher als üblich», so Swisscom-Sprecher Josef Huber. Nutzer der App können weltweit gratis Kurznachrichten versenden und kostenlos über das Internet telefonieren, sofern der Gesprächspartner ebenfalls iO nutzt.

Bieten die sicheren Alternativen denn einen hundertprozentigen Schutz? «So etwas gibt es nicht», so Frey. «Man kann es jedoch potenziellen Mitlauschern so schwierig wie möglich machen.» Etwa indem man eben verschlüsselte Messenger nutze, bei denen die Nachrichten nur vom Empfänger entschlüsselt werden können. Und indem man den Zugang zu einer solchen App und dem Telefon mit einem PIN-Code schütze.

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