Trotz Verschlüsselung: WhatsApp sammelt weiterhin Nutzerdaten
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Trotz VerschlüsselungWhatsApp sammelt weiterhin Nutzerdaten

Der Messenger WhatsApp setzt seit Neuestem auf Verschlüsselung der Nachrichten. Darüber sollten sich die Nutzer allerdings nicht in absoluter Sicherheit wiegen.

von
tob
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Nicht nur in der Schweiz, auch in Deutschland, England oder Hongkong ist WhatsApp die klare Nummer eins. In der Vergangenheit fiel die Messaging-App aber auch durch mangelnde Sicherheit auf. Das soll sich mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nun ändern.

Nicht nur in der Schweiz, auch in Deutschland, England oder Hongkong ist WhatsApp die klare Nummer eins. In der Vergangenheit fiel die Messaging-App aber auch durch mangelnde Sicherheit auf. Das soll sich mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nun ändern.

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Alternativen zu WhatsApp gibt es viele. Aus der Schweiz kommt Threema. Die App ermöglicht dank End-to-End-Verschlüsselung eine abhörsichere Kommunikation.

Alternativen zu WhatsApp gibt es viele. Aus der Schweiz kommt Threema. Die App ermöglicht dank End-to-End-Verschlüsselung eine abhörsichere Kommunikation.

Colourbox / threema.ch
Die Swisscom-App iO ist gratis und verfügbar für iOS und Android. Mit iO kann man mit anderen iO-Nutzern über das Internet gratis telefonieren, chatten oder Bilder austauschen. Funktioniert auf der ganzen Welt. Die Swisscom garantiert, dass die Benutzerdaten in der Schweiz gelagert werden.

Die Swisscom-App iO ist gratis und verfügbar für iOS und Android. Mit iO kann man mit anderen iO-Nutzern über das Internet gratis telefonieren, chatten oder Bilder austauschen. Funktioniert auf der ganzen Welt. Die Swisscom garantiert, dass die Benutzerdaten in der Schweiz gelagert werden.

WhatsApp hat diese Woche überraschend einen grossen Schritt in Richtung sichere Kommunikation gemacht. Beim Austausch der Nachrichten mit der Android-App werden diese künftig per Ende-zu-Ende-Verschlüsselung vor fremden Blicken gesichert. Dabei greift WhatsApp auf das Verfahren von Textsecure zurück. In einem aktuellen Test der Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) hat Textsecure als eines der wenigen Tools mit voller Punktezahl abgeschlossen.

Fühlt sich die Schweizer Konkurrenz von WhatsApp nun durch diesen Schritt bedroht? «Ich sehe keine Bedrohung für unsere Messaging-App», sagt Roman Flepp, Mediensprecher von Threema. Grundsätzlich sei es positiv zu werten, dass nun auch für WhatsApp Verschlüsselung ein Thema sei. Flepp wertet die Ankündigung allerdings vielmehr als eine Reaktion auf die immer wieder thematisierten Sicherheitsmängel beim Marktleader der Messaging-Apps.

Noch keine sichere Kommunikation

Allein die Verschlüsselung der Nachrichten sei jedoch nur ein Puzzle-Teil von dem, was Experten unter sicherer Kommunikation verstünden. So bemängelt Flepp, dass WhatsApp weiterhin Daten der Nutzer sammeln kann. So zum Beispiel, wer mit wem kommuniziert, von wo und wie oft. Durch die zwangsweise Anbindung des Kontos an eine Telefonnummer sind bei WhatsApp nach wie vor eindeutige Rückschlüsse auf die Identität des Nutzers möglich. Zudem funktioniere die Verschlüsselung bisher nur von Android zu Android und weder in Gruppenchats noch für Bilder oder Videos. Ein entsprechendes Update für andere Plattformen wie iOS will WhatsApp allerdings bald nachreichen.

Enthusiastischer eingestellt ist hingegen der Netzaktivist Cory Doctorow. In einem Beitrag bei Boingboing.net schreibt er: «Dank der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung können nun Hunderte Millionen Nutzer kommunizieren, ohne dass sie von Regierungen, Kriminellen, Spionen oder der Polizei ausspioniert werden.»

WhatsApp und die Hintertür

«Das ist schlicht nicht wahr», hält Volker Birk vom Chaos Computer Club (CCC) Schweiz in einem Gastbeitrag in der NZZ dagegen. Er ist überzeugt, dass bei WhatsApp eine Hintertür eingebaut ist. «Das ist der Fall, weil es die Section 215 des amerikanischen Überwachungsgesetzes Patriot Act gibt – zumindest gibt es deshalb eine rechtliche Hintertür, die von US-Behörden beliebig und jederzeit benutzt und missbraucht werden kann», schreibt Birk.

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