«Whistleblower» haben Angst um den Job
Aktualisiert

«Whistleblower» haben Angst um den Job

Der Kampf gegen die Korruption wird durch die Angst der Hinweisgeber behindert, den Job zu verlieren. Diesen Schluss zieht Transparency International nach sechsmonatigem Betrieb der Hotline für «Whistleblower» - gerade mal 24 Fälle wurden gemeldet.

In den meisten Fällen verliere ein Angestellter tatsächlich seine Stelle, wenn er auf einen Korruptionsfall an seinem Arbeitsort hinweise, stellt die Direktorin von TI Schweiz, Anne Schwöbel, fest.

Auch wenn die Hotline den Whistleblowers Anonymität garantiere - im Falle einer Entlassung oder anderer Sanktionen hätten sie keinen besonderen gesetzlichen Schutz. Es gibt deshalb nur sehr wenige, die ihr Unternehmen oder Mitarbeiter verpfeifen.

Für Schwöbel ist das eine Enttäuschung, umso mehr, als die Hotline Ratschläge für das Vorgehen gibt. Wenn die öffentliche Verwaltung betroffen ist, kann die Nichtregierungs-Organisation von sich aus aktiv werden.

Spitze des Eisbergs

Über die Hotline sind bisher 24 Hinweise eingegangen, zwei Drittel davon ernsthafter Natur, wie Schwöbel weiter sagt. Angesichts der Risiken, denen die Informanten ausgesetzt seien, könne diese Zahl als positiv gewertet werden, auch wenn sie nur die Spitze des Eisbergs sei. Sie geht davon aus, dass 97 Prozent der Korruptionsfälle nie aufgedeckt werden.

«Viele Whistleblowers rufen erst an, nachdem sie ihre Vorgesetzten respektive die zuständige Stelle über festgestellte Ungereimtheiten informiert haben und enttäuscht sind, wenn Reaktionen ausblieben.» Es seien bereits mehrere Zeugen entlassen worden, während sie mit TI in Kontakt standen, sagt Schwöbel weiter.

Auch Bund richtet Meldestelle ein

Gemeldet werden vorwiegend Korruptionsfälle unter Privatfirmen. Diese mutmasslichen Delikte können nur weiterverfolgt werden, wenn der Hinweisgeber Anzeige erstattet. Korruption in der öffentlichen Verwaltung muss von Amts wegen verfolgt werden.

Die Hotline wird vorderhand ausschliesslich von Deutschschweizern genutzt. TI will das Angebot jedoch auch auf das Tessin und die Romandie ausweiten.

Unterstützung erhalten Whistleblower auch von gesetzgeberischer Seite: In einer Motion vom 22. März verlangt der Ständerat vom Bundesrat einen Gesetzesvorschlag, der Hinweisgeber in der Privatwirtschaft und in der öffentlichen Verwaltung in solchen Fällen vor ungerechtfertigter Entlassung schützt.

Ausserdem beauftragte die Eidgenössische Finanzkontrolle diesen Sommer die Bundeskanzlei, auf ihrer Internetseite einen Link für Hinweisgeber einzurichten. (sda)

Die TI-Hotline für Whistleblowers ist jeden Mittwoch unter der Telefonnummer 031 382 50 44 zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet.

Deine Meinung