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WHO erhält «Notvorrat» an Tamiflu

Ein «Notvorrat» des Grippemittels Tamiflu steht bereit für die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Der Basler Pharmakonzern Roche hat am Mittwoch die gespendeten drei Millionen Packungen symbolisch übergeben.

Roche werde den Notvorrat an einen von der WHO bestimmten internationalen Flughafen liefern, teilte das Unternehmen mit. Es hatte sich im August 2005 dazu verpflichtet, der WHO den Notvorrat von 30 Millionen Kapseln zu spenden.

Dieser Notvorrat soll dazu dienen, bei Auftreten eines neuen Grippevirus mit Pandemiegefahr dessen Verbreitung möglichst zu verhindern oder zu verzögern. Die WHO und Roche wiesen aber bereits letztes Jahr darauf hin, dass diese Spende kein Ersatz für Vorräte an antiviralen Medikamenten in den einzelnen Ländern ist.

Zwei Millionen weitere gespendete Packungen Tamiflu sollen bis Ende Jahr versandbereit sein. Sie sollen in jenen Entwicklungsländern eingesetzt werden, die dem grössten Pandemierisiko ausgesetzt sind und die sich das Grippemittel nicht leisten können.

Pro Patient werden laut WHO zehn Kapseln benötigt. Die WHO befürchtet eine Mutation des Vogelgrippevirus H5N1, die zu Ansteckungen von Mensch zu Mensch führen und eine Pandemie beim Menschen verursachen könnte.

Roche erhöht Tamiflu-Produktionskapazität

Roche hatte Mitte März angekündigt, die Ziel-Kapazitäten für die Herstellung von Tamiflu um einen Drittel auf bis zu 400 Millionen Packungen im Jahr zu erhöhen. Bis dann hatte Roche mit über 15 Firmen Verträge über die mehrstufige, komplexe Herstellung von Tamiflu oder von Vorprodukten abgeschlossen.

Prioritär wird Tamiflu weiterhin zur Behandlung der normalen Menschengrippe verwendet, an der jährlich Zigtausende sterben. Erst in zweiter Linie werden Länder zur Pandemie-Vorsorge beliefert. Fälle von Menschen, die an Vogelgrippe erkrankten, sind bisher äusserst selten. Bisher starben weltweit rund 100 Menschen daran.

Die Schweiz hält Tamiflu für zwei Millionen Menschen in einem Pflichtlager bei Roche bereit. Das entspricht den Empfehlungen der WHO. Das Mittel steht bei Bedarf in Trinklösungen zur Verfügung oder wird zu Kapseln gepresst. Die Kantone Waadt und Wallis haben zudem eigene Tamiflu-Vorräte angelegt. (sda)

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