Aktualisiert 28.11.2012 20:12

Bereits der VierteWichtigster Zeuge der Schweizer Behörden tot

Alexander Perepilichnyy war in einem Fall russischer Geldwäscherei der wichtigste Zeuge der Schweizer Behörden. Jetzt ist der Russe in England plötzlich verstorben. Er ist nicht der Erste in dem Fall.

von
gux

Der 44-jährige russischer Geschäftsmann Alexander Perepilichnyy war vor drei Jahren nach Grossbritannien gekommen und lebte in einem Luxusanwesen in der Kleinstadt Weybridge in der Grafschaft Surrey im Südosten Englands.

Am 10. November kollabierte er in der Auffahrt zu seinem Anwesen und starb noch an Ort und Stelle. Perepilichnyy soll bei bester Gesundheit gewesen sein.

Wichtigster Zeuge

Die Todesursache ist zurzeit nicht bekannt. Gemäss der Polizei von Surrey müssen die gerichtsmedizinischen Untersuchungen abgewartet werden - vor allem der toxikologische Bericht.

Laut dem «Independent» war Perepilichnyy der wichtigste Zeuge der Schweizer Behörden, die gegen russische Funktionäre ermitteln. Diese werden verdächtigt, Geld zu Lasten des Investmentfonds Hermitage Capital Management gewaschen zu haben.

Credit Suisse und andere Schweizer Banken involviert?

Dabei soll es laut Hermitage-Fonds um 5,4 Milliarden Rubel gehen - das sind mehr als 160 Millionen Franken. Die Schweizer Bundesanwaltschaft bestätigte der Nachrichtenagentur SDA lediglich, dass sie von Perepilichnyy Informationen erhalten hatte.

«Perepilichnyy war die Person, die alle Beweismittel zu präsentierten vermochte, so dass eine Ermittlung eröffnet werden konnte», sagt eine namentlich nicht genannte Quelle gegenüber dem «Independent». «Er legte etwa Belege der involvierten Strohfirmen vor, Auszüge von Konten der Credit Suisse und Immobilientransaktionen.» Unabhängige russische Medien bringen derweil auch die UBS in Zusammenhang mit dieser Geldwäscherei-Affäre.

Zusammenhang mit Todesfall Magnizky

Der Tod des russischen Geschäftsmannes steht im Zusammenhang mit einem anderen Todesfall: Vor gut vier Jahren hatte Sergej Magnizky, Anwalt von Hermitage Capital Management, die Machenschaften der russischen Funktionäre aufgedeckt. Dabei hätte er als Kronzeuge aussagen sollen.

Stattdessen wurde Magnizky schliesslich selbst wegen Steuerbetrugs angeklagt - laut Hermitage von jenen, die er angezeigt hatte. Im November 2008 wurde Magnizky festgenommen.

Im Gefängnis starb der damals 37-Jährige. Ein offizieller Bericht aus Russland kam 2011 zum Schluss, dass er Opfer von Schlägen von Beamten geworden war. Ihm war ausserdem nach der Misshandlung die nötige medizinische Versorgung verweigert worden.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft eröffnete schliesslich im März 2011 eine Untersuchung wegen des Verdachts auf Geldwäscherei. Später reichte die britische Anwaltskanzlei Brown Rudnick im Namen des Investmentfonds eine Strafanzeige ein. Die vermutlich gewaschenen Gelder wurden laut der französischen Nachrichtenagentur AFP eingefroren.

EU-Parlament hat reagiert

Magnizky war nicht das einzige Opfer in diesem Fall. Die vielen Todesfälle veranlassten daher das EU-Parlament Ende Oktober dazu, eine Resolution anzunehmen, welche die EU-Mitgliedstaaten auffordert, die involvierten russischen Funktionäre auf eine Liste zu setzten.

Wer auf dieser Liste steht, soll in der EU Reisebeschränkungen unterworfen sein. Ausserdem soll ihr Vermögen und das ihrer Familie in der EU eingefroren werden.

Perepilichnyy ist der vierte Mensch, der im Zusammenhang mit diesem Geldwäscherei-Fall sein Leben auf ungeklärte Art und Weise verloren hat. (gux/sda)

Drei weitere Todesfälle im Hermitage-Geldwäscherei-Skandal

Sergej Magnizky war der Anwalt von Hermitage Capital Management, der die Machenschaften der russischen Funktionäre in dem Geldwäscherei-Skandal aufgedeckt hatte. Der Whistleblower zahlte in Russland mit dem Leben. Er ist nicht der Einzige in diesem Fall.

Valery Kurochkin, der die umregistrierten Firmen aus dem Investmentfonds Hermitage Capital Management leitete, wurde von den russischen Behörden verdächtigt, ein führender Kopf in dem Geldwäscherei-Fall zu sein. Befragt werden konnte Kurochkin freilich nicht mehr. Seine Leiche wurde auf einem Flughafen in der Ukraine gefunden.

Semyon Kobeinikow, ein russisch-ungarischer Doppelbürger, wurde verdächtigt, eine russische Bank gekauft und einen Teil des Geldes des Hermitages-Investmentfonds gewaschen zu haben. Kurz nachdem das Geld aus dem Fonds auf ein Konto dieser Bank transferiert worden sei, sei die Bank liquidiert worden. Kurz darauf, im September 2008, fiel Kobeinikow aus einem Fenster und starb.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.