Powerpoint-Karaoke: «Wichtigtuer werden auf die Schippe genommen»
Aktualisiert

Powerpoint-Karaoke«Wichtigtuer werden auf die Schippe genommen»

Aus dem Stegreif einen Vortrag über abstruseste Themen halten: Das ist Powerpoint-Karaoke. Bald messen sich in Wabern die Besten der Besten.

von
Mira Weingartner
Wenn Symmetrie zu Comedy wird: Beim Berner Folientango werden die Dozenten auf die Probe gestellt.

Wenn Symmetrie zu Comedy wird: Beim Berner Folientango werden die Dozenten auf die Probe gestellt.

«Folientango Powerpoint-Karaoke»: So nennt sich der Anlass, der am 5. Dezember in der Heiteren Fahne in Wabern steigt. Die Teilnehmer werden Folientänzer genannt und müssen aus dem Stehgreif einen Vortrag zu zufällig ausgewählten Folien aus dem Internet halten. Mögliche Themen beim Powerpoint-Karaoke sind etwa Tiefseefischerei vor der Küste Ostsibiriens, Rumpfbehaarung von Stechfliegen oder Ausprägungen der slawischen Wachsmalerei im barocken Spätmittelalter. Die ahnungslosen Folientangotänzer dürfen dabei den roten Faden nicht verlieren und müssen das Publikum mit ihrer Version für sich gewinnen – schliesslich kürt dieses auch den Sieger. Laut Veranstalter handelt es sich um eine «Impro-Comedy-Sportart mit satirischem Hintergrund». Organisator Mike Bucher fügt hinzu: «Bei uns werden Wichtigtuer auf die Schippe genommen.»

«Folientango kann man nicht üben»

«Am 5. Dezember treffen die Besten aller Folientango-Dozenten aufeinander. Es ist das grosse Finale der hiesigen Powerpoint-Karaoke-Szene», sagt Bucher. Vorab konnten sich zehn Kandidaten während mehrerer Vorrunden im Berner Kulturlokal ONO und in Luzern qualifizieren. Schon da kämpften die unterschiedlichsten Teilnehmer gegen verwirrende Grafiken, unvorhersehbare Animationen und hinterhältige Zahlenstatistiken an. So auch Jacob Santschi, der sich durch seinen überzeugenden und witzigen Auftritt im September für das kommende Finale qualifizieren konnte. «Frisch von der Leber weg ist das höchste Gebot bei dieser Art von Karaoke», sagt Santschi. So will er auch im Finale in Bern punkten und sich nebst einer Menge Spass den Pokal, einen XXL-Löffel, ergattern. «Kurz habe ich mir überlegt, wie ich mich am besten auf die Endrunde vorbereiten könnte, doch ein Folientango kann man nicht üben», so der begabte Redner. Bei einem solchen Auftritt brauche es «nur» ein loses Mundwerk, einen erfolgreichen Einstieg und ein Quäntchen Glück. Und falls einen das Glück während des fünfminütigen Vortrags verlassen würde, sei das auch nicht weiter schlimm: «Nur Mittelmass geht nicht, sonst ist einem als Folientänzer alles erlaubt.»

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