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Missbrauchs-Vorwürfe «Widerlich, dass so einer die USA repräsentieren darf»

Er soll gegenüber mehreren Frauen sexuell übergriffig geworden sein. In Tokio ist Fechter Alen Hadzic (29) trotzdem dabei. Im US-Team ist man darüber empört.

von
Patrick McEvily
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Mehrere Frauen werfen dem amerikanischen Fechter Alen Hadzic sexuelle Übergriffe vor.

Mehrere Frauen werfen dem amerikanischen Fechter Alen Hadzic sexuelle Übergriffe vor.

Screenshot/Instagram USA Fencing
Trotzdem darf Hadzic an die Olympischen Spiele in Tokio reisen.

Trotzdem darf Hadzic an die Olympischen Spiele in Tokio reisen.

AFP
Im amerikanischen Fecht-Team ist man über die Anwesenheit Hadzics empört. Sämtliche Fechterinnen und Fechter hatten sich für seine Aussperrung ausgesprochen. 

Im amerikanischen Fecht-Team ist man über die Anwesenheit Hadzics empört. Sämtliche Fechterinnen und Fechter hatten sich für seine Aussperrung ausgesprochen.

AFP

Darum gehts

  • Wegen Übergriffs-Vorwürfen verbot das amerikanische olympische Komitee dem Fechter Alen Hadzic (29), an Olympischen Spielen teilzunehmen.

  • Dieser erstritt sich das Recht der Teilnahme trotzdem – allerdings unter erheblichen Einschränkungen.

  • Im US-Fecht-Team rumort es wegen seiner Anwesenheit gewaltig.

Am Samstag beginnen die olympischen Fecht-Wettkämpfe für den amerikanischen Fechter Alen Hadzic (29) unter besonderen Umständen. Der Athlet musste bereits alleine nach Tokio anreisen, wohnt rund 30 Kilometer von den anderen Athletinnen und Athleten im olympischen Dorf entfernt, und darf seinen Kolleginnen und Kollegen auch nicht zu nahe kommen.

Grund für die Sanktionen sind gemäss dem US-Portal Buzzfeed News Anschuldigungen gegen Hadzic von mindestens drei Fechterinnen. Diese hatten, zusammen mit weiteren Frauen, im Mai beim amerikanischen olympischen Komitee eine Beschwerde gegen ihn eingereicht. Hadzic erstritt sich anschliessend jedoch das Recht, doch nach Tokio reisen zu dürfen – unter Einschränkungen.

Die Frauen haben Hadzic vorgeworfen, ihnen gegenüber sexuell übergriffig gehandelt zu haben. Die Anschuldigungen sind so gravierend, dass sich die gesamte amerikanische Equipe in einem Brief dafür ausgesprochen hatte, die Einschränkungen aufrecht zu halten, nachdem Hadzic sich gegen diese wehrte. Der Fechter selbst streitet sämtliche Vorwürfe ab.

Verband hatte die Teilnahme Hadzic’ zuerst noch gefeiert

Die Angriffe sollen zwischen den Jahren 2013 und 2015 stattgefunden haben. Bereits während seinen Uni-Zeiten soll sich Hadzic allerdings den Ruf gemacht haben, gegenüber Frauen übergriffig zu werden. Im Buzzfeed-Artikel kommen insgesamt 30 Fechterinnen und Fechter zu Wort, die in der Vergangenheit mit Hadzic zu tun hatten. Eine Frau sagt gegenüber Buzzfeed «Wäre ich in Tokio, würde ich unbedingt erhöhte Sicherheitsmassnahmen verlangen, wenn er in der Nähe ist».

Bereits als sich Hadzic im Mai als Ersatzmann für die Olympischen Spiele in Tokio qualifizierte, wurden kritische Stimmen laut. Nachdem der amerikanische Verband ein Foto des lächelnden Athleten gepostet hatte, kommentierten Athletinnen: «Widerlich» und «ein Sextäter».

Auch gegen das amerikanische olympische Komitee richtete sich die Kritik. Nachdem es die Beschwerde gegen Hadzic erhalten hatte, übermittelte es zuerst eine Empfehlung für Mental Health und Meditations-Apps an die Frauen. Erst mehrere Tage später nahm sich die Organisation SafeSport der Sache an. Diese war 2018 nach publik werden der Übergriffe des Turncoaches Larry Nassar gegründet worden. SafeSport suspendierte Hadzic, doch dieser erstritt sich in einem Schlichtungsverfahren das Recht, doch teilnehmen zu dürfen.

In der US-Fechtszene soll es regelmässig zu Übergriffen kommen

Dass Hadzic nun doch an Olympia teilnehmen kann, sorgt im amerikanischen Camp für Ärger und Frustration. «Ich habe mein ganzes Leben dafür gekämpft, hier zu sein. Zu sehen, wie so ein Mensch die USA repräsentieren darf, ist einfach widerlich», zitiert Buzzfeed eine der Athletinnen, die die Beschwerde gegen Hadzic eingereicht hatte.

Auch der amerikanischen Fechtszene als Ganzes und der Überwachungsorganisation SafeSport stellen die Sportlerinnen und Sportler, die im Artikel zu Wort kommen, kein gutes Zeugnis aus. In einer früheren Umfrage hatten die Hälfte von über 200 befragten Fechterinnen angegeben, schon einmal sexuell belästigt worden zu sein. In einer besonders verstörenden Szene berichtet eine Athletin, dass ein Schiedsrichter ihr gedroht habe, ihren Hund zu töten, sollte sie nicht mit ihm schlafen.

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Verzeichnis von Anlaufstellen

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

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