Aktualisiert 08.09.2009 18:33

«Aids ist ein Massenmörder»Widerlich, geschmacklos, kontraproduktiv

Mit Hitler gegen Aids: Für den «Verein Regenbogen» eine einleuchtende Idee. Er publiziert Werbespots, die Hitler, Stalin und Saddam Hussein in Momenten sexueller Extase zeigen. Andere Anti-Aids-Aktivisten sind entsetzt.

Die Deutsche Aids-Hilfe forderte den sofortigen Stopp der Kampagne «Aids ist ein Massenmörder - schütz dich selbst», die von einer Hamburger Werbeagentur für den Anti-Aids-Verein Regenbogen aus Saarbrücken hergestellt wurde. Der Verein ruderte am Dienstag nach massiven Protesten zurück, stoppte den Spot im Internet jedoch nicht.

In dem bisher im Internet zu sehenden Spot für Fernsehen und Kino wird ein Paar beim Sex gezeigt. Am Ende ist das Gesicht des Mannes zu sehen, der aussieht wie Hitler. Auf Plakaten werden ausserdem die Gesichter Stalins und des früheren irakischen Diktators Saddam Hussein in ähnlicher Pose gezeigt. In einem Radiospot ist die nachgemachte Hitler-Stimme zu hören, die vor Aids warnt.

Spot nur noch im Internet

Die Kampagne solle «aufrütteln, das Thema wieder in den Mittelpunkt stellen und den Trend zum ungeschützten Geschlechtsverkehr stoppen», erklärt der Verein Regenbogen auf seiner Internetseite (20 Minuten Online berichtete). Ein Vereinssprecher hatte erklärt, die Kampagne solle vor allem junge Leute ansprechen. Man könne es nicht jedem recht machen, sagte er noch am Montag zu der Kritik.

Am Dienstag dann ruderte der Verein zurück: «Es war in keiner Weise von uns beabsichtigt, Aids-Kranke oder HIV-Positive als Massenmörder darzustellen. Wir wollen dem Virus ein Gesicht geben», sagte Jan Schwertner von Regenbogen bei einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz in Berlin.

Aids-Hilfe spricht von «widerlichem Spot»

Die Deutsche Aids-Hilfe vertrat die Ansicht, die Filme seien eine der schlimmsten Kampagnen seit dem Ausbruch der HIV-Epidemie. «Dieser widerliche Spot mit einem Adolf-Hitler-Imitator verhöhnt alle Opfer des Nationalsozialismus und setzt HIV-positive Menschen mit Massenmördern gleich», sagte Vorstandsmitglied Carsten Schatz. Er kritisierte, die Filme hätten «keine Botschaft, wie man sich vor HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen schützen kann». Es gehe um Panikmache auf dem Rücken von Menschen mit HIV. Kritik war auch in England laut geworden. Nach einem Bericht des «Daily Telegraph» nannte die Nationale Aids-Stiftung den Spot vorverurteilend.

(sda)

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