Kinderpornografie: «Widerlich und abscheulich»

Aktualisiert

Kinderpornografie«Widerlich und abscheulich»

Ein Lagerist aus Dübendorf hat innerhalb von sechs Monaten über 10 000 Bilder und Filme von brutaler Kinderpornographie heruntergeladen und weiterverbreitet. Jetzt kassierte der geständige Täter eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten.

von
Attila Szenogrady

Es ist ein grosses Rätsel, dass ausgerechnet dieser Angeklagte so etwas getan habe, erklärte Gerichtspräsident Rudolf Kieser zum Prozessbeginn. So führt der heute 22-jährige Logistikassistent aus Dübendorf ein anständiges und unauffälliges Leben. Er ist fleissig und hat eine gute Beziehung zu einer festen Freundin.

Doch nun tauchte ein grosser schwarzer Fleck auf seiner weissen Weste auf: Der Computerfreak hat zwischen August 2007 und März 2008 tausende Bilder und Filme von verbotener Pornographie kostenlos heruntergeladen. Wie die Polizei auf den Angeklagten kam, blieb auch während der Verhandlung unklar.

Gefesselte und misshandelte Kleinkinder

Präsident Kieser benannte die gefundenen Dateien als widerliche und abscheuliche Darstellungen. So zeigten diese Streifen vorwiegend gefesselte und missbrauchte Kleinkinder. Auch er sei heute schockiert, sagte der umfassend geständige Angeklagte aus. Vor allem sei ihm heute bewusst, dass es sich bei den Opfern um echte Kinder handeln würde. Er sei deshalb nicht besser als ein echter Kinderschänder, erklärte er. Er gab auch zu, mehrere tausend Dateien mittels eines Filesharing-Programmes an 54 Personen weitergeleitet zu haben. Ein Tatmotiv konnte der Angeschuldigte nicht konkret benennen. Es sei einfach eine Sucht gewesen, führte er aus.

Verteidiger für Geldstrafe

Während die zuständige Staatsanwältin Patricia Brunner eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten sowie 5000 Franken Busse forderte, setzte sich die Verteidigung für eine verhältnismässig milde und bedingte Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu 25 Franken ein. Der Anwalt sprach von einem einzigen, heftigen Absturz seines Mandanten in die verbotene Pornographie. Dabei sei es dem Angeklagten in erster Linie um das Herunterladen und den Konsum gegangen. Das Weiterverbreiten sei bloss nebenher erfolgt, plädierte er. Im schlimmsten Fall sei eine bedingte Freiheitsstrafe von neun Monaten angemessen.

Schweres Verschulden

Das Gericht folgte im Wesentlichen den Anträgen der Staatsanwaltschaft und setzte eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten fest. Auf eine zusätzliche Busse verzichteten die Richter. Präsident Kieser sprach aufgrund der Widerwärtigkeit der Darstellungen von einem schweren Verschulden des Angeklagten. So zeigten die Filme, wie wehrlose Geschöpfe sexuell ausgebeutet würden, sagte Kieser. Das Gericht habe sich ernsthaft überlegt, über den Antrag der Staatsanwältin hinaus zu gehen, fuhr er fort. Die heutige Reue und Einsicht des Angeklagten habe ihn aber davor bewahrt.

Täter muss DNA-Profil abgeben

Neben der Strafe ordnete das Gericht einen Nebenpunkt an. Demnach muss der Angeschuldigte nach der Rechtskraft des Urteils bei der Kantonspolizei Zürich sein DNA-Profil registrieren lassen. Womit er in eine Datenbank unter dem Stichwort Kinderpornographie aufgenommen wird.

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