04.11.2020 09:37

Casinos bleiben offen«Widersprüchliche» Sperrstunde ärgert Gastro-Unternehmer

Wegen der Coronavirus-Pandemie müssen Gastrobetriebe derzeit ab 23 Uhr schliessen. Entertainment-Anbieter wie Casinos dürfen hingegen bis tief in die Nacht geöffnet bleiben.

von
Raphael Knecht
1 / 9
Casinos müssen trotz der Pandemie ihre Öffnungszeiten nicht einschränken.

Casinos müssen trotz der Pandemie ihre Öffnungszeiten nicht einschränken.

KEYSTONE
Restaurants und Bars müssen hingegen ab 23 Uhr schliessen.

Restaurants und Bars müssen hingegen ab 23 Uhr schliessen.

Getty Images/iStockphoto
«Ich darf um 23 Uhr vom Restaurant nicht in die Bar wechseln, aber ins Casino schon – das ist nicht logisch», sagt Tom Berger von der Bar- und Club-Kommission Bern.

«Ich darf um 23 Uhr vom Restaurant nicht in die Bar wechseln, aber ins Casino schon – das ist nicht logisch», sagt Tom Berger von der Bar- und Club-Kommission Bern.

Getty Images

Darum gehts

  • Für Gastrobetriebe gilt neuerdings eine Sperrstunde von 23 bis 6 Uhr.

  • Casinos dürfen hingegen bis tief in die Nacht offen bleiben.

  • Manche Gastrounternehmer finden das widersprüchlich.

  • Die Sperrstunde gefährdet besonders die Wirtschaftlichkeit von Bars.

Um die Coronavirus-Fallzahlen in den Griff zu bekommen, hat der Bund vor wenigen Tagen neue, strenge Massnahmen für Entertainment- und Gastrobetriebe beschlossen. Clubs müssen ganz geschlossen bleiben, für Beizen und Restaurants gilt die Sperrstunde von 23 bis 6 Uhr. Nicht davon betroffen sind hingegen Casinos.

Zwar werden Bars und Restaurants innerhalb der Spielhallen ebenfalls um 23 Uhr geschlossen, und es gibt auch keine Bedienung mehr. Die Casinos selbst dürfen aber auch nach der Sperrstunde geöffnet sein. Allerdings gilt Maskenpflicht, und es darf nur im Sitzen gegessen und getrunken werden, wie es etwa bei Swiss Casinos heisst. Mit einem Drink in der Hand am Roulette-Tisch zu stehen, ist also nicht erlaubt.

Mehr Abstand statt Sperrstunde

Beim Casino Bad Ragaz, das wie andere Schweizer Casinos weiterhin bis mindestens 3 Uhr morgens geöffnet hat, heisst es ebenfalls, man habe zusätzlich zu den vorgeschriebenen Massnahmen zwischen den Spielautomaten noch Plexiglasscheiben aufgestellt. Und bereits im Sommer sei, wo möglich, der Abstand zwischen den Automaten erhöht worden.

Das Bundesamt für Gesundheit begründet die unterschiedliche Behandlung von Restaurants und Casinos damit, dass die Kontakte und die Mobilität bei Gastrobetrieben regelmässig hoch sei. Da es hingegen gar nicht viele Freizeitbetriebe gebe, die nach 23 Uhr noch offen haben, würden sie auch nur wenig zu Kontakten und Mobilität beitragen: Viele ziehen nachts von Bar zu Bar – was bei Casinos normalerweise nicht der Fall ist.

«Das ist nicht logisch»

Bei den Gastronomen sorgt die Sperrstunderegelung allerdings für Unverständnis: «Ich anerkenne die Notwendigkeit der meisten Massnahmen – aber es gibt einige Widersprüche», sagt Tom Berger von der Bar- und Club-Kommission Bern zu 20 Minuten. «Ich darf um 23 Uhr vom Restaurant nicht in die Bar wechseln, aber ins Casino schon – das ist nicht logisch.»

Die Sperrstunde bringe zudem wenig, weil für die Gäste so das Zeitfenster für den Bar- oder Restaurantbesuch kleiner werde. Das führe dazu, dass alle Leute gleichzeitig in die Gastrobetriebe wollen, statt sich zeitlich zu verteilen. Berger ist darum der Meinung, es wäre «ehrlicher», wenn man statt einer Sperrstunde einfach eine generelle Schliessung anordnen würde. «Dann müsste der Bund aber auch bereit sein, die Unternehmen zu entschädigen.»

Corona-Regeln

Ansammlungen von mehr als 15 Personen im öffentlichen Raum sind seit 19. Oktober verboten. Auch im Freundes- und Familienkreis sind Veranstaltungen und Versammlungen von mehr als 10 Personen nicht erlaubt. Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen sind grundsätzlich untersagt. Zudem gilt für Restaurants und Bars eine Sperrstunde zwischen 23 und 6 Uhr. In diesen Gastrobetrieben dürfen zudem höchstens vier Personen an einen Tisch sitzen, und es gibt eine Sitzpflicht. Ausserdem müssen die Kontaktdaten erhoben werden. Clubs, Tanzlokale und Discos sind geschlossen.

Für die Schweizer Gastrobetriebe ist die Sperrstunde besonders ungünstig, weil im November und Dezember typischerweise Reserven für die weniger umsatzstarken Zeiten angehäuft werden, sagt Alexander Bücheli von der Zürcher Bar- und Club-Kommission.

Die Unternehmen dürften die Folgen dieser Massnahmen also auch in Zukunft noch spüren. Bücheli rechnet damit, dass Bars in der Sperrstundenzeit 50 bis 70 Prozent weniger Umsatz haben werden: «Die Sperrstunde stellt gerade Bars vor grosse wirtschaftliche Herausforderungen – die Balance zwischen den Massnahmen und der Wirtschaftlichkeit ist nicht mehr gegeben.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
78 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Grant

05.11.2020, 06:28

Passt vielleicht nicht ganz hierhin, aber ich will es trotzdem loswerden: Statistiker haben für die Zentralschweiz eine Übersterblichkeit in der zweiten Oktoberhälfte errechnet. Wer es nicht glaubt, kann den Artikel in der NLZ lesen. Ist natürlich kein Zwang

Neumann

05.11.2020, 04:12

Wie stehts um die Salons, mit Anita, Trixie, Elena und den Andern?

Joko

05.11.2020, 01:20

An Casinos verdient der Staat eben mehr. An der Casino Baden AG ist zum Beispiel die Stadt Baden mit 50% beteiligt. Dazu gehört auch das Casino Davos. Auch die Gauselmann Gruppe ist beteiligt.