Osamas Tod: Widersprüchliches aus Washington
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Osamas TodWidersprüchliches aus Washington

Nachdem die Tötung Osama Bin Ladens ursprünglich als «Kill Mission» deklariert worden war, sagte Präsidentenberater Brennan am Abend, dass man den Terrorfürsten lebend hätte schnappen wollen.

von
mlu/amc

Die US-Spezialtruppen hätten Terroristenführer Osama Bin Laden nach Angaben des Weissen Hauses lebend gefangen genommen, wenn es dazu eine Möglichkeit gegeben hätte, bekräftigte der Berater von Präsident Barack Obama für Terrorbekämpfung, John Brennan, am Montag in Washington.

Das Weisse Haus habe mit Widerstand Bin Ladens gerechnet, es habe aber auch eine «entfernte Möglichkeit» gegeben, ihn lebend zu ergreifen, sagte Brennan. Da Bin Laden gekämpft habe, sei er getötet worden.

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Zuvor hatte aus US-Regierungskreisen geheissen, bei der Operation der Spezialtruppen Navy SEALS habe es sich um eine «Kill Mission» gehandelt - eine gezielte Liquidation. Eine Festnahme sei nicht das Ziel gewesen.

USA zögert mit Veröffentlichung des Beweisfotos

Noch gibt es keinen Foto-Beweis vom Tod des Terrorfürsten, doch laut Angaben der US-Regierung besteht kein Zweifel am Erfolg der gezielten Tötungsaktion.

Das Weisse Haus hat nach eigenen Angaben noch keine Entscheidung über die Veröffentlichung eines Fotobeweises getroffen. Brennan sagte, die Regierung wolle alles dafür tun, dass niemand abstreiten könne, dass bin Laden in einem Feuergefecht mit einer US-Eliteeinheit getötet worden sei. Dennoch sei noch nicht entschieden, ob ein Foto der Leiche veröffentlicht wird. Eine Sorge sei, dass dies ähnliche Einsätze und Geheimdienstquellen in der Zukunft gefährden könnte.

Wie genau die Identifizierung Bin Ladens vonstatten ging, bleibt ein Geheimnis der US-Regierung. Al Kaida-Chef Osama Bin Laden wurde kurz vor seiner Tötung durch eine US-Spezialeinheit in Pakistan von einer weiblichen Person namentlich identifiziert, bei der es sich vermutlich um die Ehefrau des Terroristenführers handelte. Das wurde Journalisten am Montag im Pentagon mitgeteilt.

Nach dem Feuergefecht, bei dem Bin Laden getötet wurde, hätten die USA «mehrere Methoden» angewendet, um seine Leiche zu identifizieren, sagte ein hochrangiger Pentagon-Mitarbeiter gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Nähere Details über diese Methoden wollte der Gewährsmann, der nach eigenen Angaben ein Foto des Toten gesehen hatte, nicht nennen.

USA legen DNA-Beweis vor

Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur AP ergab ein DNA-Test eine 99,9-prozentige Übereinstimmung mit einer früheren Probe. Zusätzlich habe der Auslandsgeheimdienst CIA eine umfangreiche Foto-Analyse vorgenommen. Diese sei zum gleichen Schluss gekommen. In welcher Form und wann die Tests durchgeführt worden sind, blieb unklar. Es wird angenommen, dass die USA seit dem 11. September 2001 DNA-Proben von mehreren Mitgliedern der Bin Laden-Familie gesammelt haben und diese zum Abgleich verwenden könnten. Unklar ist, ob die USA auch Bin Ladens Fingerabdrücke archiviert hatten, um ihn vor Ort zu identifizieren.

Ein namentlich nicht genannter Regierungsmitarbeiter wählte gegenüber der AP deutliche Worte: «Niemand sollte noch daran zweifeln, dass es sich bei der Leiche um Osama Bin Laden handelt.» Ob die Fotos der Leiche jemals veröffentlicht werden, sei noch unklar. Die Regierung wäge momentan ab, ob ein solcher Schritt angebracht sei und wirklich einen Nutzen bringen würde.

Der Leichnam Bin Ladens soll inzwischen bereits auf See bestattet worden sein, nach islamischer Tradition, hiess es aus offiziellen Quellen. Die Seebestattung ist zwar im Islam nur in Ausnahmefällen möglich, begründet wurde sie von einem Regierungssprecher damit, dass man keinen Wallfahrtsort für Bin Ladens Anhänger haben wollte und kein Land die Gebeine des Terrorfürsten aufgenommen hätte. Der TV-Sender CBS berichtete, dass die USA angeboten hatten, den Leichnam Bin Ladens in sein Heimatland zu überführen. Saudi Arabien hätte sich aber geweigert, ihn anzunehmen. (mlu/amc/sda/dapd)

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