Aktualisiert 12.03.2015 09:08

Stadt ZürichWiderstand gegen Dauer-WLAN in Schulen

Sämtliche Stadtzürcher Schulen und Kindergärten sollen WLAN erhalten. Die Sender können nicht ausgeschaltet werden. Eltern fürchten nun um die Gesundheit der Kinder.

von
som
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Tablet und Handy im Unterricht: Ab 2015/16 soll das auch in anderen Schweizer Schulen zum Standard werden. Weil die Geräte nur drahtlos mit dem Internet verbunden werden können, werden die Schulen ...

Tablet und Handy im Unterricht: Ab 2015/16 soll das auch in anderen Schweizer Schulen zum Standard werden. Weil die Geräte nur drahtlos mit dem Internet verbunden werden können, werden die Schulen ...

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... mit WLAN ausgerüstet. Laut Strahlen-Kritikern führt die Dauerbestrahlung mit Funkwellen zu Konzentrationsschwäche und mehr Fällen von ADHS und Krebs.

... mit WLAN ausgerüstet. Laut Strahlen-Kritikern führt die Dauerbestrahlung mit Funkwellen zu Konzentrationsschwäche und mehr Fällen von ADHS und Krebs.

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Die Strahlenbelastung durch WLAN-Sender in Schulzimmern sei vergleichbar mit einem 70 Meter entfernten Mobilfunksendemast. Das Bundesamt für Umwelt hat in einer Studie jedoch keine Gesundheitsrisiken durch Sendeanlagen festgestellt.

Die Strahlenbelastung durch WLAN-Sender in Schulzimmern sei vergleichbar mit einem 70 Meter entfernten Mobilfunksendemast. Das Bundesamt für Umwelt hat in einer Studie jedoch keine Gesundheitsrisiken durch Sendeanlagen festgestellt.

Keystone/Edi Engeler

Etwa die Hälfte der Zürcher Schulen und Kindergärten verfügt heute über ein WLAN. Dies soll sich bis 2017 ändern – die Stadt will die Sender auf 2000 verdoppeln – der Gemeinderat hatte bereits 2013 das flächendeckende WLAN im Rahmen des Projekts Kits 3 bewilligt. Das Vorhaben, das rund 5 Millionen Franken kostet, gefällt aber nicht allen.

Kritisiert wird insbesondere, dass die Sender nicht ausgeschaltet werden können. Etwa die grüne Zürcher Gemeinderätin Karin Rykart Sutter, deren Kinder das Schulhaus Am Wasser besuchen. «Das Schul- und Sportdepartement nimmt die Auswirkungen von WLAN-Sendern in den Schulzimmern nicht ernst», sagt Rykart zum «Tages-Anzeiger». Wenn Kindergarten- und Primarschulkinder ständig den Strahlen ausgesetzt seien, «nehmen wir negative Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder in Kauf».

Hinweise, dass WLAN gesundheitsschädlich ist

Dies sieht auch ihre Parteikollegin und Nationalrätin Yvonne Gilli so. Laut der Ärztin und dem Mitglied in der Arbeitsgruppe Elektrosmog der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz verdichten sich die Hinweise, dass Funkstrahlung gesundheitsschädlich sei. Immer wieder würden Menschen plausibel über WLAN-Unverträglichkeit berichten. Symptome seien zum Beispiel Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen oder übermässige Müdigkeit. «Diese Beschwerden sind just für die Leistungsfähigkeit in der Schule relevant», so Gilli.

Das Zürcher Schul- und Sportdepartement hält hingegen am Projekt fest und spricht von einem risikoarmen Einsatz von drahtlosen Netzwerken. «Selbstverständlich ist der Stadt Zürich die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen, aber auch des Schulpersonals ein wichtiges Anliegen», sagt Sprecherin Regina Kesselring. «Aus diesem Grund setzen wir beim Einsatz von WLAN die Vorgaben des BAG konsequent um.» So müsse der Abstand etwa zu den Sendern mindestens einen Meter betragen und Notebooks sollen nicht auf Oberschenkel gelegt werden. Laut dem Schulamt ist es nicht sinnvoll, das WLAN auszuschalten. «Das führt unter Umständen dazu, dass sich die Sendeleistung noch erhöht.»

Stadtzürcher Lehrer sind kritisch

Anders sieht es das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Es hält in seinen Richtlinien zum Umgang mit WLAN fest, dass die Langzeitauswirkungen «ungenügend erforscht» seien und empfiehlt, die Sender bei Nichtgebrauch auszuschalten.

Auch sind viele Stadtzürcher Lehrer kritisch, wie Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerverbands sagt: «Ein Drittel der Lehrerschaft benützt den Computer im Unterricht ungern.» Diese Lehrpersonen würden WLAN-Geräte im Unterricht zurückhaltend einsetzen und seien gegenüber der flächendeckenden Ausrüstung mit WLAN skeptisch. Sie sagt aber auch, dass die Geräte «nun mal nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken sind».

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