Aktualisiert

RankingWie Anna Google entzaubert

Das Google-Ranking prophezeite Anna ein blamables Ausscheiden. Dass sie es trotzdem geschafft hat, zeigt zwei Dinge: Ihr Auftritt war grossartig - und das SF hat keinen guten Job gemacht.

von
Niklaus Riegg
Düsseldorf

Die letzten beiden Jahre war das Google-Ranking das beste ESC-Orakel. Beide Male wurde der Sieger richtig vorhergesagt. Dieses Jahr war Anna lange Zeit auf dem letzten Platz, momentan (stand 14. Mai, 10 Uhr) liegt sie auf Platz 21. Bis vergangenen Freitag, den 13. Mai, lag die längst ausgeschiedene Emmy immer noch auf Platz drei - mittlerweile hat Google das Ranking angepasst.

Bei Anna Rossinelli hat Google auf ganzer Linie versagt. Dies hat verschiedene Gründe. Der offensichtlichste: die Jury fehlt. Beim Song Contest hat die Jury 50 Prozent Gewicht. Der eigentliche Haken am Ranking ist aber ein anderer. Er zeigt nur das Interesse am Künstler und nicht, ob er die Leute überzeugen kann oder gar dessen Qualität. Es misst schlicht und ergreifend einfach die Bekanntheit anhand von Suchanfragen.

Keiner kannte Rossinelli

Letztes Jahr schafften es ARD und Pro7, Lena schon vor dem Contest in ganz Europa bekannt zu machen. Sie gab Auftritte und Interviews. Lena war präsent, klar googelten Menschen aus ganz Europa im Vorfeld des ESC 2010 ihren Namen. Ganz ähnlich Jedward. Die irren Iren führen seit Wochen im Ranking (momentan sind sie mit Lena gleichauf). Das ist auch kein Wunder: Seit sie in der 2009er-Staffel von «The X Factor» in Grossbritannien für Furore sorgten, folgt nun derselbe Medienhype auf dem Kontinent. Überall in Europa werden sie von den Medien hervorgehoben - und sei es nur als Trashbeispiel. Ausserdem ist das Google-Ranking ein Katalysator seiner selbst: Wer im Google-Ranking weit oben ist, weckt das Interesse, wird gegoogelt und ist deswegen weiterhin oben im Google-Ranking.

Wenige Auftritte ausserhalb der Schweiz

Anna hat dieses Interesse offensichtlich im Vorfeld nicht geweckt. Sie war schlicht und einfach nicht präsent. Sie hatte einen Auftritt im aserbaidschanischen Fernsehen und besuchte einige wenige Länder. Gerade weil Anna bis vor wenigen Wochen kein professionelles Management hatte, wäre es die Aufgabe des Schweizer Fernsehens gewesen, Rossinelli in ganz Europa bekannt zu machen. Das SF schaffte es aber nicht, dass sich die Leute in den anderen Ländern für Anna interessierten.

Das schaffte erst Anna selber: Mit ihrem souveränen, sympathischen Auftritt überzeugte sie das TV-Publikum im Nu - ohne Hilfe des Schweizer Fernsehens.

Gucken Sie auch?

Alle Jahre wieder, kleben wir am Bildschirm und hören gebannt Songs zu, in deren Hörweite wir uns sonst nicht bewegen würden. Geschweige denn zu gestehen, dass sie uns irgendwie gefallen. Doch am Eurovision Song Contest ist alles anders, Peinlichkeit wird zur Coolness, Kitsch zu Klasse und das Gruselkabinett zum Augenschmaus. Es wird über Stimmen, Stile und Sex-Appeal diskutiert, bis jeder einen Favoriten zum Anrufen gefunden hat.

Dieses Jahr ist alles noch viel besser, denn schliesslich ist unsere Anna dabei! Wo verfolgen Sie das Spektakel? Machen Sie ein Foto von Ihrer Eurovision-Sause, egal ob mit Party-Häppchen und Sekt auf dem Sofa, mit Fremden in der Knelle um die Ecke oder im eigens dafür gemieteten Eurovision-Keller. Bilder per Mail an

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.