Pioneertown: Wie aus einer Filmkulisse eine echte Stadt wurde
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PioneertownWie aus einer Filmkulisse eine echte Stadt wurde

Von Hollywood-Legenden für Cowboyfilme gegründet, heute eine richtige Stadt in Südkalifornien: Die Geschichte von Pioneertown.

von
M. Steiger
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Willkommen in Pioneertown, einer Filmstadt in Kalifornien.

Willkommen in Pioneertown, einer Filmstadt in Kalifornien.

Helen Gordon/Flickr
Gegründet wurde sie von den Hollywood-Western-Legenden Roy Rogers, Dick Curtis und Russell Hayden.

Gegründet wurde sie von den Hollywood-Western-Legenden Roy Rogers, Dick Curtis und Russell Hayden.

Catchpenny/Flickr
Die drei Schauspieler waren es leid, für ihre Western an weit entfernte Drehorte zu fahren. So begannen sie 1946 mit dem Bau einer Filmstadt.

Die drei Schauspieler waren es leid, für ihre Western an weit entfernte Drehorte zu fahren. So begannen sie 1946 mit dem Bau einer Filmstadt.

Laura Hamilton/Flickr

Es war 1946, als die Hollywood-Legenden Roy Rogers, Dick Curtis und Russell Hayden – alle berühmt für ihre Western – es satt hatten, an weit entfernte Filmsets zu reisen. Die Lösung? Sie bauten Pioneertown.

Ursprünglich alles nur Fassade

Die neue Filmstadt sollte direkt in der kalifornischen Wüste sein, nah genug für Schauspieler und Produzenten. Die Wahl fiel schliesslich auf ein unbebautes Stück Land rund zwei Stunden von Los Angeles entfernt, in der Nähe des Yucca Valley. Auf diesem Stück Land begannen die Schauspieler Fassaden und Räume zu bauen, die dem Wilden Westen entsprachen.

Das Projekt war ein Riesenerfolg: In der Filmstadt, die die Gründer Pioneertown tauften, wurden über 200 Filme und TV-Serien gedreht, darunter «Das war Roy Bean» (1972) und «Cisco, der Banditenschreck» (1949).

Das Ende der Western-Ära

Irgendwann war der Hype um die Wild-West-Filme vorbei, Hollywood hatte neue Ideen und Pioneertown drohte in Vergessenheit zu geraten. Um das zu verhindern, bekam die Stadt eine neue Rolle: Die einer Touristen-Attraktion. Immerhin war sie Schauplatz diverser leinwandtauglicher Schiessereien.

Eine Besucherin beschreibt ihre Erlebnisse in Pioneertown als «surreal». «Es ist komisch. Das Dorf war fast leer – abgesehen von erschreckend echt aussehenden Dummies. Es ist schwer zu sagen, was Teil der Filmkulissen war und was die Bewohner platziert hatten, um die Authentizität zu wahren», sagte Helen Gordon gegenüber Medien.

Ein Rückzugsort für Hipster und gestresste Banker

In den letzten Jahren sind vermehrt Menschen aus Grossstädten nach Pioneertown gekommen – und geblieben. Künstler, Unternehmer, Exzentriker: Sie alle sind gekommen, um zu bleiben. Die Immobilien rund um die Fake-Stadt verkaufen sich derzeit innert weniger Tagen.

Julian T. Pinder, ein kanadischer Filmemacher, ist mit seiner Frau aus Los Angeles hergezogen. Sie haben eine alte Mine in eine Wohnung umgebaut. Und auch die beiden belgischen Schmuckdesigner, denen bereits drei Häuser in Pioneertown gehören, fühlen sich sehr wohl. «Es ist so friedlich. Wir haben ein Haus gekauft, das eine Kirche auf dem Grundstück hat. So ist der Seelenfrieden garantiert», sagt der Belgier, der nicht namentlich genannt werden will.

Von der Pseudo-Stadt zum Hotspot

Heute wohnen in Pioneertown rund 600 Menschen. Es gibt ein Aufnahmestudio für Musiker, verschiedene Kleiderläden, eine Lederverarbeitung und den wichtigsten Ort des Dorfes: Pappy und Harriet's Pioneertown Palace, ein Restaurant, in dem Besucher Ribs, Barbecue, Burger, Sandwiches und Live-Musik geboten bekommen.

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