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Deutsche Immobilienbank vor dem AusWie aus heissen Geschäften ein Brand wurde

Zum zweiten Mal binnen einer Woche steht der DAX-Konzern Hypo Real Estate vor dem Kollaps. Die Ursache der Liquiditätsnot bei der Hypo Real Estate ist die Finanzmarktkrise. Aber nicht etwa, weil das Haus im grossen Stil in US-Immobilien-Kredite investiert hätte.

Erst 2007 hat sich die Hypo Real Estate für mehr als 5 Milliarden Euro die irische Depfa Bank gekauft. Diese Bank ist in der Staatsfinanzierung tätig, das heisst, sie finanziert öffentliche Haushalte oder auch Infrastrukturprojekte. Eine sichere Sache, sollte man meinen. Doch die Depfa hat sich für ihre Geschäfte teilweise über den kurzfristigen Kapitalmarkt, der in der Regel billig und flexibel funktioniert, finanziert.

Hier beginnt das Dilemma: Ohnehin ist das Vertrauen der Banken untereinander im Sog der Finanzmarktkrise immer weiter geschrumpft. Seit der Pleite der traditionsreichen Investmentbank Lehman Brothers und anderen Fast-Zusammenbrüchen im US-Finanzmarkt hat sich das Misstrauen der Finanzhäuser aber noch einmal verschärft. Immer neue Geldspritzen der Notenbanken konnten dies bisher nicht beheben.

Argwohn und Skepsis

Der Handel der Banken untereinander - der sogenannte Interbankenhandel - ist darum aus dem gewohnten Takt geraten. Um die täglichen Geschäfte abzuwickeln, leihen sich die Finanzinstitute normalerweise untereinander Geld. Weil aber niemand genau weiss, in welcher Verfassung sich die jeweils andere Bank tatsächlich gerade befindet, regieren zur Zeit Argwohn und Skepsis in diesem an sich alltäglichen Geschäft.

Das zeigt sich auch an der Zinsentwicklung: Der sogenannte Libor ist binnen Tagen stark gestiegen. Der Libor steht als Abkürzung für «London interbank offered rate» und wird täglich von der British Bankers Association fixiert. Grosse Banken verlangen diese Sätze für bestimmte Kredite untereinander.

Die aktuelle Zinsentwicklung, so schreibt die «Frankfurter Allgemeine SonntagsZeitung», signalisiere die Tiefe des Misstrauens. «Den Banken ist es zu riskant geworden, anderen Banken Geld zu überlassen. Würden nicht die Zentralbanken mit Liquidität einspringen, wären viele Institute zahlungsunfähig.»

Besonders getroffen ist dadurch die Hypo Real Estate, denn sie verfügt nicht wie andere Banken über Kundeneinlagen zur Refinanzierung. Daher entstand wiederum ein massives Liquiditätsproblem bei der Depfa, was zu der bislang einmaligen ersten Rettungsaktion der Bundes und der Privatbanken am Sonntag vergangener Woche führte. (dapd)

«Katastrophales Missmanagement»

Der deutsche Finanzmarktexperte Professor Wolfgang Gerke hat der Hypo-Real-Estate-Führung ein «katastrophales Missmanagement» vorgeworfen. Der Nachrichtenagentur AP sagte Gerke am Sonntag mit Blick auf die Refinanzierungsgeschäfte der Tochter Depfa Bank, hier seien «unverantwortliche Risiken» eingegangen worden.

Die Depfa hat sich für ihre Geschäfte teilweise über den kurzfristigen Kapitalmarkt finanziert, der in der Regel billig und flexibel funktioniert. «Dass es derartige Fristenspekulationen gegeben hat, ist unverständlich. Das ist ausserhalb jeder Vorsicht des Bankers», kritisierte Gerke

(ap)

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