Schweizer Stunt-Star: Wie aus Oliver Keller ein «Colt Seavers» wurde
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Schweizer Stunt-StarWie aus Oliver Keller ein «Colt Seavers» wurde

In Hollywoods Stunt-Business ist Oliver Keller eine feste Grösse: 20 Minuten Online sprach mit dem Zürcher über Colt Seavers, Splatter-Movies und Gefahr - und vergibt einen Platz beim Stunt-Kurs im Wert von 3500 Franken.

von
Philipp Dahm

Er spielte bereits in Filmen wie «Pirates of the Caribbean», «Master and Commander» oder ganz aktuell im kommenden Ashton-Kutcher-Film «Killers» mit, stürzte für die US-Serie «Prison Break» und prügelte sich für «24»: Oliver Keller hat sich in der Traumfabrik als Stuntman etabliert. Jetzt kommt der 34-Jährige ein letztes Mal in die Schweiz, um hier den Nachwuchs auf den richtigen Weg zu bringen (siehe unten).

Wir wird man eigentlich Stuntman? Bei Oliver Keller muss man den Anfang klassisch nennen: «Ich habe als Kind die Serie `Ein Colt für alle Fälle? und auch den Film wie `Um Kopf und Kragen? mit Burt Reynolds geschaut – und da war als Siebenjähriger der Fall klar für mich», sagt der Zürcher. Er sei schon immer ein aktives Kind gewesen: Schon in jungen Jahren versuchte er sich bei Ski-Abfahrten und BMX-Rennen. Als Zehnjähriger begann er, seine Aktionen mit der VHS-Kamera zu filmen und seine ersten «Filmstunts» zu machen.

Ein Stuntman, ein GMC-Truck: «Ein Colt für alle Fälle. Quelle: YouTube

«Ich habe als 17-Jähriger in Deutschland eine Grundausbildung gemacht», erklärt Keller. Seinen ersten Stunt bestritt er im Alter von 18 Jahren für die deutsche RTL-Serie «Der Clown». «Dann bin ich wieder in die Schweiz gegangen. Mein guter Freund, der Top-Produzent Pierot Egger, hat mir da viel ermöglicht.» Anfangs habe er unter einem Stunt-Koordinator arbeiten müssen und viel sei «learning by doing» gewesen: «Jeden Tag, immer wieder üben und mit Mentoren zusammensitzen und an sich arbeiten», fasst Keller zusammen.

«Das Leben ist zu kurz - du musst es leben»

1999 – mit 24 Jahren – folgte der Schweizer seiner Bestimmung und flog in die USA. «Ich wollte mir einfach das Pflaster in L. A. anschauen und bin zu `Stunts Unlimited? gegangen, von denen ich schon als Kind gehört hatte. Die Organisation ist eine der Top-Vereinigungen in der Branche, bei ihnen sind die 50 besten Stuntmen der Welt. Ich habe gefragt, wie ich Mitglied werden könne. Erst haben sie gelacht und sagten, das ginge nicht so einfach. Dann aber gaben sie mir einige Adressen. Ich hatte das Glück, zwei Kontakte knüpfen zu können, bevor ich nach vier Wochen zurückflog.»

Er habe sofort Heimweh nach Los Angeles gehabt, gesteht der Schweizer. «Ich habe mich verstanden gefühlt von den Leuten, die ich kennengelernt hatte. Und in der Schweiz wurde ich dazumal nur belächelt. Leute nannten mich `Träumer? und `Mr. Hollywood?. Das war echt übel. Aber ich dachte mir: Das Leben ist zu kurz, Du musst es probieren.» Und das hat sich gelohnt: Spätestens mit der ersten Blockbuster-Produktion hatte Keller die Unkenrufer Lügen gestraft.

Oliver Keller in Hollywood in Action. Quelle: YouTube

Horror-Splatter-Stunt als Krönung

Das war «Spiderman», wo er für Tobey McGuire den Sparringspartner spielte. Sieben Mal habe er sich ruckartig von dem Hollywood-Star nach hinten auf den Boden reissen lassen, erinnert sich der Familienvater. «Ich hatte das Glück, dass sie einen 1,90-Mann gesucht haben. Und es war der Beginn einer Freundschaft zu Tobey McGuire, der immer loyal zu mir ist.» Bei Produktionen komme er immer wieder auf ihn zurück. Auch mit Ahston Kutcher verbinde ihn mehr als nur Arbeit, erklärt er.

Die Frage nach seinem gefährlichsten Stunt beantwortet Keller wie aus der Pistole geschossen. «Zu heiraten», scherzt er, bevor es ernst wird. Kein Blockbuster, sondern ein Splatter-Movie aus den B-Gefilden des Horror-Genres bot dem Eidgenossen die Möglichkeiten, an die Grenzen zu gehen. «Ich durfte nachts einen Vollkörper-Brand machen, wobei ich vier Liter brennende Flüssigkeit an mir hatte. Die Flamme waren drei bis vier Meter hoch, als ich dann noch von einem Chevy-Truck angefahren wurde. Das war reizend! Die Filme mit wenig Budget haben selten Greenscreens, da muss man die Action noch richtig selber machen.»

Keller in Glatt bei der Arbeit für einen SBB-Spot - nichts für schwache Nerven! Quelle: YouTube

Keller «on air». Quelle: YouTube

Gewinnen Sie einen Platz beim Stunt-Kurs

«Ich bekomme seit Jahren Zuschriften von Leuten, die Stuntman werden wollen. 2006 haben wir den ersten Kurs angeboten und er war sofort ausgebucht. Aber ich habe keine Zeit mehr zu unterrichten», sagt Profi Oliver Keller vor seiner letzten Schulung in der Schweiz. 20 Minuten und «Stuntsquad.com» verlosen einen Platz bei Kellers letzten Stunt-Basiskurs (vom 19. Juli bis 7. August) im Wert von 3500 Franken. Auf dem Lehrplan stehen Themen wie Auto-Verfolgungsjagd, Schleudern, Stürze, Show-Kämpfe oder Feuer-Stunts.

Was ist zu tun? Ladet Eure Stunt-Videos auf: Einsendeschluss ist der 15. Juni. Wessen Video danach im Rating bis zum 1.Juli die meisten Stimmen holt, ist dabei.

Outtakes aus dem Film «2 Fast 2 Furry». Quelle: YouTube

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