Wie Autohersteller mit Crashtests für Sicherheit sorgen
Dank ausgereifter Sicherheitstests gilt Volvo als eine der sichersten Automarken der Welt. 

Dank ausgereifter Sicherheitstests gilt Volvo als eine der sichersten Automarken der Welt. 

Volvo
Publiziert

Aufdecken von SchwachstellenWie Autohersteller mit Crashtests für Sicherheit sorgen

Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts die ersten Autos über die Strassen rollten, war von Sicherheit keine Spur. Audi erkannte früh das Potenzial von Crashtests und liess bereits 1938 Autos durch die Luft fliegen.

von
Isabelle Riederer / A&W Verlag

Bereits vor über 80 Jahren führten Ingenieure von DKW, einer der vier Vorgänger-Marken von Audi, mit ihren Autos systematische Überschlags- und Crashtests durch – im Dienste der Sicherheit. Die ersten Überschlagsversuche fanden am 31. August 1938 und dann noch einmal am 29. Oktober 1938 in Golm, einem Stadtteil von Potsdam, statt. Es waren die ersten Crashtests in der Geschichte des Automobils.

Der Kleinwagen F7 von DKW wurde hierfür gezielt einen Hang hinuntergerollt, wobei er direkt auf eine Holzrampe zuraste und so zum Überschlag gebracht wurde. Vor den Augen staunender Zuschauer und einer Kamera überschlug sich der Kleinwagen gleich mehrere Male, bevor er mit laufendem Motor und nahezu unbeschädigter Karosserie liegen blieb. Ein Meilenstein und die Geburtsstunde der Fahrsicherheit für die Traditionsmarke aus Ingolstadt und die Autos dieser Welt.

Am 31. August 1938 brachte DKW, eine der Vorgängermarken von Audi, den Kleinwagen F7 zum Überschlag. Es war der erste Crashtest in der Geschichte.

Am 31. August 1938 brachte DKW, eine der Vorgängermarken von Audi, den Kleinwagen F7 zum Überschlag. Es war der erste Crashtest in der Geschichte.

Audi
Bereits wenige Wochen später liess es DKW erneut im Namen der Sicherheit krachen.

Bereits wenige Wochen später liess es DKW erneut im Namen der Sicherheit krachen.

Audi
In den Fünfzigerjahren startete auch Mercedes-Benz mit hauseigenen Crashtests.

In den Fünfzigerjahren startete auch Mercedes-Benz mit hauseigenen Crashtests.

Mercedes-Benz

Leichen, Sandsäcke und Tierkadaver 

Während die einen ihre Modelle dank der Schwerkraft zum Kippen gebracht haben, bezahlten andere Hersteller teufelsmutige Testfahrer, damit sie gegen Wände donnerten. Im September 1959 liess es dann auch Mercedes-Benz in Sindelfingen knallen. Für den ersten Crashtest mit Stern prallte ein Mercedes-Benz 190 mit Heckflossen-Karosserie auf ein 17 Tonnen schweres Hindernis. Die Türen auf der Fahrerseite hatte man entfernt, um die Bewegungen der Schaufensterpuppe aus einem benachbarten Kaufhaus, die als Dummy zum Einsatz kam, filmen zu können. Drei weitere Passagiere in Form von Sandsäcken sassen ebenfalls in dem «Unfallauto». Man nutzte auch immer mal wieder Tierkadaver oder Leichen, bevor Schaufensterpuppen herhalten mussten.

Aber zurück zu Mercedes-Benz. Nach der Crash-Premiere folgten von März bis April 1960 dann an drei Versuchstagen weitere Crashtests. Dabei wurden auch komplette Unfälle simuliert – so zum Beispiel der Zusammenstoss eines Fahrzeugs der Baureihe W 111 in die Seite einer Limousine vom gleichen Typ. Ausserdem fanden erneut Frontalcrashs statt und erstmals auch Überschlagsversuche.

Geht es um Sicherheit, kommt man an Volvo nicht vorbei. Der schwedische Hersteller ist vielleicht nicht der erste Autobauer, der seine Modelle einem höheren Ziel opferte, dafür sorgten sie jeweils für ein Spektakel. 1976 erwarb die US-Regierung 24 Fahrzeuge des Modells Volvo 240 und führte die wohl umfangreichsten Crashtests der damaligen Auto-Historie durch. Die Volvos brillierten und galten fortan als die sichersten Autos der Welt. Infolge der Tests wurde Volvo offiziell zum Massstab für die Sicherheitsstandards aller Neufahrzeuge in den USA.

Die fliegenden Schweden

Legendär und unvergessen bleibt Volvos Crashtest im November 2020. Für den bisher extremsten Crashtest liessen die Schweden damals gleich mehrere neue Volvo-Modelle von einem Kran aus 30 Metern Höhe in die Tiefe stürzen. Von wegen fliegender Finne!

Heutzutage gehören Crashtests bei den Autobauern zum guten Ton. Bei Audi werden in Ingolstadt pro Jahr bis zu 20'000 Crashsimulationen durchgeführt, auch Mercedes-Benz lässt es in seinem Testzentrum in Sindelfingen ordentlich krachen. Volvo opfert mindestens ein nigelnagelneues Modell pro Tag in ihrem Crash-Labor im Volvo Cars Safety Center in Göteborg.

Ob sich die ganze Arbeit lohnt, zeigt sich jeweils in der Sterne-Bewertung des EuroNCAP. NCAP steht für New Car Assessment Program, zu Deutsch das Neuwagen-Bewertungsprogramm. Mitglieder des Vereins sind Regierungen und Organisationen aus sieben Staaten. Seit 1997 bestimmen sie die jeweilige Methode, nach welcher Fahrzeuge auf ihre Sicherheit hin untersucht werden. Ein Modell, das fünf Sterne erhält, gehört zu den aktuell sichersten Fahrzeugen der Welt. 

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