Professionelle Diebe: Wie Banden die Schweiz leer räumen
Aktualisiert

Professionelle DiebeWie Banden die Schweiz leer räumen

Organisierte Diebesbanden aus Osteuropa bedienen sich in Schweizer Einkaufszentren. Sie stehlen Kosmetika, Alkohol oder Lederjacken – auf Bestellung. Eine Gruppe wurde nun verhaftet.

von
Annette Hirschberg
Teure Kosmetika wie Markenparfüme werden bei den Auftraggebern der Diebe oft bestellt.

Teure Kosmetika wie Markenparfüme werden bei den Auftraggebern der Diebe oft bestellt.

Angestellte eines Einkaufszentrums in Mels beobachteten letzte Woche vier verdächtige Personen, die Einkaufswagen mit teurem Alkohol und Kosmetika füllten. Sofort alarmierten sie die Polizei. «Eine Bande hatte zuvor schon in St. Gallen zugeschlagen, darum war das Personal besonders auf der Hut», sagt Hanspeter Krüsi, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen.

Während die vier Personen mit zwei gefüllten Einkaufswagen den Laden seelenruhig und ohne zu zahlen über den Eingang wieder verliessen, traf die Polizei mit mehreren Patrouillen ein. «Wir erwischten sie, als sie mit dem Diebesgut in die Tiefgarage fahren wollten», so Krüsi. Die Vier stellten sich dumm und gaben der Polizei an, ohne Auto unterwegs zu sein. «Wir suchten dann aber die Tiefgarage ab und fanden zwei weitere Personen in zwei Autos», so Krüsi. Ein siebtes Bandenmitglied griffen die Polizisten vor dem Einkaufszentrum auf.

Bandenmitglieder decken sich gegenseitig

Schnell ist für die Fahnder klar, dass sie es mit einer professionellen Diebesbande aus Rumänien zu tun haben. «Ein 33-jähriges Bandenmitglied gab in der Befragung zu, seit 16 Jahren als Ladendieb zu arbeiten», so Krüsi. Die Professionalität der Bande zeige sich an der Vorgehensweise, die auch bei organisierten Gruppen aus anderen Ländern zu beobachten sei. «Meistens betreten einzelne Gruppenmitglieder grössere Einkaufszentren unabhängig voneinander», so Krüsi. Während ein Mitglied vor dem Einkaufszentrum Schmiere steht, würden die anderen im Laden einerseits das Verkaufspersonal beobachten und hielten andererseits nach Sicherheitsvorkehrungen Ausschau.

Meist sind es Auftragsdiebstähle

«Ihre Einkaufswagen füllen sie mit teuren alkoholischen Getränken, Zigaretten, Kosmetikartikeln oder elektronischen Geräten», erzählt Krüsi. Die Waren decken sie jeweils mit Kleidungsstücken aus der Textilabteilung ab. So würden sie den Laden verlassen, ohne die Kasse zu passieren. «Die einen lenken das Verkaufspersonal ab, während ihre Komplizen ganz frech rauslaufen», sagt Krüsi.

Der Wert eines mit Deliktsgut gefüllten Einkaufswagens belaufe sich schnell auf über 2000 Franken. Laut Polizei stehlen die meisten Diebesbanden auf Auftrag. «So sind es das eine Mal nur Lederjacken, das nächste Mal ausschliesslich Kosmetik oder Alkohol», sagt Krüsi.

Ostschweiz im Fokus von Banden aus dem Osten

Für die Kantonspolizei sind die Diebe ein grosses Problem. «Besonders hier in der Ostschweiz sind immer öfter solche organisierten Banden unterwegs», sagt Krüsi. Sie kommen in der Regel aus Moldawien, Georgien, Russland, Polen und weiteren osteuropäischen Ländern und reisen extra für ihre Diebestouren an. «Sie verbringen meist nur wenige Tage in der Schweiz und schlafen in der Regel im Auto.» Das Diebesgut werde so schnell wie möglich ins Heimatland geschafft und dort von Mittelsmännern verkauft. «Laut Hochrechnungen stehlen diese Diebesbanden in der Schweiz Waren im Wert von bis zu 2 Milliarden Franken.»

Die Polizei bittet darum die Bevölkerung, in Läden aufmerksam zu sein. «Idealerweise informieren Sie bei verdächtigen Vorgängen das Verkaufspersonal oder beobachten die Personen auffällig, damit die Diebe den Laden unverrichteter Dinge wieder verlassen», sagt Hanspeter Krüsi.

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