Talentschmiede «La Masía»: Wie Barça seine Superstars ausbildet
Aktualisiert

Talentschmiede «La Masía»Wie Barça seine Superstars ausbildet

Die Ballon-d'Or-Gala war ganz in Barcelona-Hand. Alle drei Kandidaten spielen bei den Katalanen und stammen aus der eigenen Jugend. Das ist kein Zufall.

von
Philipp Reich

An der FIFA-Gala Ballon d'Or im Zürcher Kongresshaus äusserte sich Xavi über die Jugendarbeit im «La Masía». (Video: 20 Minuten Online)

Der FC Barcelona ist im europäischen Fussball derzeit das Mass aller Dinge. Mit Superdribbler Lionel Messi und den beiden Weltmeistermachern Xavi Hernandez und Andrés Iniesta stellten die Katalanen auch alle drei Kandidaten für den Weltfussballer des Jahres. Barça kaufte seine drei Superstars aber nicht mit einer aggressiven Transferpolitik bei der Konkurrenz ein, sondern bildete sie in der eigenen Talentschmiede aus.

Seit 1979 werden in «La Masía», wie die Nachwuchsakademie auch genannt wird, junge Fussballer zu Weltstars ausgebildet. Neben Messi, Iniesta und Xavi haben auch Bojan Krkic, Gerard Piqué, Sergio Busquets, Carles Puyol, Victor Valdes, Pedro und Cesc Fabrégas die Barça-Schule durchlaufen. Momentan trainieren auf dem Gelände rund 100 Meter neben dem Camp Nou 48 weitere Talente. Die Ausstattung ist einfach, die Umgangsformen streng reglementiert. Ohrringe sind ebenso verboten wie Langhaarfrisuren. Dadurch unterscheidet sich «La Masía» aber nicht von anderen Ausbildungszentren.

Irgendetwas muss dort aber fundamental anders gemacht werden, sonst wäre die Schwemme an ausserordentlichen Fussballern nicht zu erklären. Zumal es sich bei den Barça-Stars nicht unbedingt um Modellathleten, sondern eher um versierte Techniker handelt, die sich ihre Erfolge gegen körperlich überlegene Gegner erkämpfen müssen.

Dass dem so ist, weiss auch Barça-Trainer Pep Guardiola. «Als Xavi, Leo und Andrés aus der Jugend kamen, waren sie noch keine Weltklasse-Fussballer. Sie haben diesen Status erst durch einen langwierigen Prozess und durch die Geduld, die der Verein hatte, erreicht», sagte Guardiola, nachdem seine drei Profis als mögliche Weltfussballer nominiert worden waren.

Reaktionen auf Messis Weltfussballer-Wahl

Ballsicherheit, Passgenauigkeit, Kreativität

Woher kommt nun aber der Erfolg der Jugendarbeit? In «La Masía» lernt jedes Fussballtalent, genauso offensiv zu spielen und zu denken wie die Profis. Dieser Leitidee wird bei den Katalanen alles untergeordnet. Ballsicherheit bei hohem Tempo, Passgenauigkeit und Kreativität werden dabei hochgeschrieben. «Bis sie 16 sind, gehen sie bei uns kein einziges Mal in den Kraftraum. Sie machen keinen Dauerlauf und kein Zirkeltraining», erklärt Jugendkoordinator Albert Benaiges mit Stolz.

Der FC Barcelona schult aber nicht nur das Passspiel und die Technik, sondern auch Tugenden wie Demut und Respekt. Nach dem Champions-League-Sieg 2009 bekam jeder Spieler ein Auto des Klubsponsors. Xavi wirkte auf seine Kollegen ein, sich ein kleines Modell zu bestellen und keine Nobelkarosse. Und bei der diesjährigen Krönung des Weltfussballers konnten die drei Kandidaten Messi, Iniesta und Xavi glaubhaft versichern, dass sie sich auch freuen, wenn ein anderer gewinnt.

Schon immer wurde bei Barça viel Wert auf die Jugendarbeit gelegt. Trainer Pep Guardiola fördert die eigenen Talente aber noch mehr als seine Vorgänger. Auch er hatte früher selbst alle Jugendteams des Klubs durchlaufen und weiss, was er an seinen «jungen Wilden hat». Guardiola pflegt mit seiner Mannschaft wie die spanische Nationalmannschaft das Tiqui-taca-Spiel, sogenannten «One touch»-Fussball.

Fast keine überteuerten Superstars

Die Förderung der eigenen Talente hat übrigens einen weiteren grossen Vorteil. Barcelona kann im Gegensatz zum grossen Konkurrenten Real Madrid grösstenteils auf überbezahlte Neueinkäufe aus dem Ausland verzichten. Nur gerade David Villa und Javier Mascherano wurden zu Saisonbeginn für teures Geld geholt. Und Spieler, die nicht mehr ins System passen werden - ungeachtet ihres Namens - gnadenlos aussortiert. So mussten unter anderem Ronaldinho, Zlatan Ibrahimoic und Thierry Henry den Verein gegen den eigenen Willen verlassen. Wenn dauernd neue Talente nachstossen, kann man sich solche Aktionen leisten. Momentan stammen neun Spieler des 19-Mann-Kaders aus «La Masía». Weitere werden mit Sicherheit folgen.

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