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Lieber Phil GeldWie bekomme ich den mir versprochenen Bonus?

Ramona (35) wurde ein Bonus versprochen. Die Auszahlung blieb allerdings aus. Was kann sie tun?

von
phd
Von Gesetzes wegen ist die Auszahlung eines Bonus nicht ausdrücklich geregelt. (Bild: Colourbox)

Von Gesetzes wegen ist die Auszahlung eines Bonus nicht ausdrücklich geregelt. (Bild: Colourbox)

Lieber Phil Geld

Mein Chef hat mir beim letzten Mitarbeitergespräch einen Bonus versprochen. Ende Juni hätte dieser ausbezahlt werden sollen. Dem war leider nicht so. Auf Anfrage bei meinem Chef hiess es, es gebe nun doch keinen Bonus. Ist das rechtens?

Liebe Ramona

Gesetzlich ist der Bonus nicht explizit geregelt. Das ist auch der Grund, weshalb dessen Rechtsnatur umstritten ist. Bei Fragen rund um den Bonus muss vorerst geklärt werden, ob es sich beim vereinbarten Bonus um einen Lohnbestandteil im Sinne von Art. 322 OR oder um eine freiwillige Gratifikation im Sinne von Art. 322d OR handelt.

Die Gratifikation ist eine grundsätzlich freiwillige Sondervergütung des Arbeitgebers, die zum Fixlohn des Arbeitnehmers hinzukommt. Mit der Auszahlung einer Gratifikation kann der Arbeitnehmer für beispielsweise ausserordentlichen Arbeitseinsatz belohnt werden. Häufig wird sie bei bestimmten Anlässen wie Weihnachten oder Abschluss des Geschäftsjahres ausgerichtet.

Eine freiwillige Gratifikation liegt grundsätzlich vor, wenn sowohl die Auszahlung als auch die Festsetzung der Höhe im Ermessen des Arbeitgebers liegt. Sie hängt folglich nicht nur vom Erreichen eines bestimmten Geschäftsergebnisses, sondern auch von der subjektiven Einschätzung der persönlichen Arbeitsleistung des Arbeitnehmers durch den Arbeitgeber ab. Hängt der Bonus vom Erreichen eines bestimmten Geschäftsergebnisses ab – beispielsweise vom Gewinn oder Umsatz – und wird der Bonus unabhängig einer subjektiven Einschätzung des Arbeitgebers gewährt, so stellt der Bonus einen variablen Lohnbestandteil dar.

Ein weiteres Kriterium zur Abgrenzung basiert auf der Frage, welche Bedeutung der Bonus für den Arbeitnehmer hat. Ein Bonus wird regelmässig dann als Lohnbestandteil qualifiziert, wenn er zum entscheidenden Entgelt für die Arbeitsleistung qualifiziert werden kann und nicht lediglich eine Zugabe darstellt. Kommt dem Bonus lediglich zweitrangige Bedeutung zu, so handelt es sich um eine Gratifikation.

Leistet dein Arbeitgeber also eine freiwillige Gratifikation, steht dir als Arbeitnehmender grundsätzlich kein klagbarer Anspruch zu – es sei denn, die Gratifikation wurde dir vertraglich oder konkludent zugesichert. Das Bundesgericht geht von einer konkludenten Zusicherung aus, wenn die Gratifikation während mindestens drei aufeinanderfolgenden Jahren regelmässig und vorbehaltlos ausbezahlt wurde.

Handelt es sich bei deinem Bonus um einen Lohnbestandteil, steht dir als Arbeitnehmender ein zwingender einklagbarer Anspruch zu. Bei Kündigung des Arbeitsverhältnisses während des Jahres steht dir ein zwingender Pro-rata-Anspruch auf den Bonus zu.

Freundlich grüsst

Phil Geld

E-Mail: phil.geld@20minuten.ch

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