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Fall DiegoWie bestraft man ein Kollegen-Schwein?

Sein Verhalten machte Fussball-Fans sauer: Diego war vor dem wichtigsten Spiel der Wolfsburger abgehauen. Wie soll der Verein damit umgehen? Die Sache ist vertrackt.

von
ete

Der Teamkollege von Nati-Keeper Diego Benaglio sahnt beim Volkswagenklub satte sechs Millionen Euro Lohn jährlich ab. Aber vor dem letzten Spiel um den Ligaerhalt liess er seine Kollegen einfach im Stich. Der VFL-Wolfsburg musste in Hoffenheim (3:1) ohne den Regisseur die Zukunft in der Bundesliga erkämpfen.

Divenhaftes Verhalten

Was war passiert? Der Brasilianer überzeugte in den letzten Wochen nicht mehr. Daher eröffnete Felix Magath ihm an der Teamsitzung, dass er nicht für die Startelf gegen Hoffenheim nominiert war. Der 26-Jährige stand daraufhin auf und haute wortlos aus dem Hotel in Heidelberg ab. «Dass jemand die Sitzung verlassen hat, habe ich noch nie erlebt», sagte Trainer Felix Magath nach dem Sieg (3:1) gegen die TSG. «Wir werden sehen, welche Konsequenzen das hat». Magath sprach von Abmahnung und einer Geldstrafe.

Wie aber bestraft man so ein Kollegen-Schwein? Können die Mannschaftskollegen dem «Verräter» je wieder vertrauen? VfL-Captain Marcel Schäfer: «Das ist nicht zu entschuldigen. Er hat damit auch die Mannschaft verletzt.» Arne Friedrich äusserte sich humaner und sagte gegenüber «Sky»: «Er hat in der Enttäuschung die falsche Reaktion gezeigt.» Für die Fans ist das Verhalten det launischen Diva Diego einfach nur unentschuldbar. In den diversen Foren werden drastischere Massnahmen gefordert.

Arbeitsverweigerer für 15,5 Mio Euro

So einfach ist das aber nicht. Der Arbeitsverweigerer hat 15,5 Millionen Euro Ablöse gekostet, die der VfL an Juventus Turin überweisen musste. Eine fristlose Kündigung kann daher nicht in Frage kommen. Diego würde für seine Unkollegialität auch noch belohnt: Er wäre dann vertragslos und könnte jederzeit für ein Handgeld zu einem anderen Verein wechseln.

Magath kann den Brasilianer im Nachwuchs trainieren lassen und bis Vertragsende (2014) nie wieder einsetzen. Das wäre machbar und wohl ein Exempel, dass es so im Fussball noch nie gegeben hat, aber mega teuer.

Wolfsburg hat sich deshalb an die Fifa und Uefa gewandt, um zu sehen, welche Sanktionen möglich sind und wie die rechtlichen Schritte aussehen.

Auch Murat Yakin haute einst ab

Diego ist nicht der erste Spieler, der sich verpisst hat. So hat sich Kevin Kuranyi in der Halbzeit eines Länderspiels verdrückt, wie auch Luca Toni einst bei den Bayern (siehe Diashow). Johan Vonlanthen weigerte sich 2003 beim EM-Achtelfinal der Schweizer U21 gegen Tschechien sich auf die Ersatzbank zu setzen. Vonlanthen hockte freiwillig auf die Tribüne, überwarf sich mit dem damaligen U21-Natitrainer Bernard Challandes und kokettierte mit einem Nationenwechsel (Kolumbien).

Auch Murat Yakin haute einmal ab. 1999 nach einem Erdbeben in der Türkei, dass weit über 20 000 Menschen das Leben gekostet hat. Trotz Vertrag verliess Yakin Fenerbahçe ab und heuerte bei Kaiserslautern an. Die Fifa hat Yakin später wegen Vertragsbruch zu 370 000 Franken Busse verdonnert. Kaiserslautern musste den Türken rund zwei Millionen Franken Ablöse nachzahlen.

Keine Spur von Reue bei Diego

Bevor Diego in die Ferien in seine Heimat geflogen ist, hat sich die Diva noch einmal beim Team blicken lassen. Der einzige Kommentar Diegos gegenüber der Bild-Zeitung: «Ich habe hier Vertrag. Wir müssen jetzt eine Lösung finden.» Und Magath: «Ich habe auch keine Reaktion erwartet.»

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