Auto-Ratgeber: Wie betrunken darf mein Mitfahrer sein?
Aktualisiert

Auto-RatgeberWie betrunken darf mein Mitfahrer sein?

Karl trinkt kaum Alkohol und gibt darum oft den Chauffeur für seine Freunde. Nun ist er unsicher, wieviel die Beifahrer intus haben dürfen, ohne dass er als Fahrer Ärger bekommt.

von
Olivia Solari
AGVS
Ein betrunkener Beifahrer in deinem Fahrzeug geht grundsätzlich in Ordnung. Jedoch schreibt das Gesetz vor, dass der Fahrzeugführer jegliche Störungen und Behinderungen durch seine Mitfahrer zu vermeiden hat.

Ein betrunkener Beifahrer in deinem Fahrzeug geht grundsätzlich in Ordnung. Jedoch schreibt das Gesetz vor, dass der Fahrzeugführer jegliche Störungen und Behinderungen durch seine Mitfahrer zu vermeiden hat.

AGVS

Frage von Karl ans AGVS-Expertenteam:

Ich trinke per se fast keinen Alkohol und darf daher ab und zu den Fahrer mimen. Nun stehen immer wieder Aussagen im Raum, dass es Ärger geben kann, wenn der Beifahrer über dem angegebenen Limit alkoholisiert ist. Ist da was dran? Umgekehrt gibt es Aussagen, dass der nüchterne Beifahrer auch seine Fahrerlaubnis verliert, wenn der Fahrer über dem Limit ist. Wie ist hier die Rechtslage?

Antwort:

Lieber Karl

Vielen Dank für deine spannende Frage. Ich denke, diese ist in der Jahreszeit von Après-Ski, Glühwein und Jägertee sicherlich von allgemeinem Interesse.

Dass du dich freiwillig als Fahrer meldest und dafür komplett auf Alkohol verzichtest, ist vorbildlich. Wie wir alle wissen, ist das Lenken eines Fahrzeuges unter dem Einfluss von Alkohol ab einer Grenze von 0,25 mg/l Alkoholgehalt im Atem bzw. 0,50 Promille im Blut nicht nur verboten (Art. 31 Abs. 2 Strassenverkehrsgesetz), sondern auch extrem gefährlich. Weil es manchmal gar nicht so simpel ist abzuschätzen, wie hoch sein Alkoholgehalt im Blut ist, ist der komplette Verzicht auf Alkohol immer noch die sicherste Variante.

So kommt es, wie du schreibst, ab und zu vor, dass ein betrunkener Beifahrer in deinem Fahrzeug sitzt. Grundsätzlich ist das völlig in Ordnung. Jedoch schreibt das Gesetz in Art. 31 Abs. 3 SVG ausdrücklich vor, dass der Fahrzeugführer jegliche Störungen und Behinderungen durch seine Mitfahrer zu vermeiden hat. Sobald ein Beifahrer in die Lenkvorrichtung greift oder die Handbremse betätigt, wird dieser selbst zum Lenker und kann daher wegen Fahrens in fahruntüchtigem Zustand samt Führerausweisentzug bestraft werden.

Auch wenn nun klar ist, dass sich ein betrunkener Beifahrer selbst strafbar machen kann, ist noch nicht beantwortet, ob auch der nüchterne Fahrzeugführer mit Konsequenzen rechnen muss. Dazu kann Folgendes gesagt werden: Bei gefährlichen Aktionen, wie zum Beispiel einem Griff ins Lenkrad, dürfte auch der Fahrzeugführer mit rechtlichen Konsequenzen zu rechnen haben, denn er hat seine Pflicht gemäss Art. 31 Abs. 3 SVG verletzt und nicht alles getan, um die mögliche Störung zu unterbinden. Ich würde also empfehlen, den übermässig betrunkenen Mitfahrer auf die Rückbank zu setzen und diesen anzugurten. So wird einer allfälligen Störung so gut wie möglich vorgebeugt.

Die Frage, ob ein nüchterner Beifahrer für die alkoholisierte Fahrt des Fahrzeugführers in Verantwortung gezogen werden kann, muss meines Erachtens differenziert betrachtet werden. Der Beifahrer hat eigentlich keine besonderen Sorgfaltspflichten gegenüber dem Fahrzeuglenker einzuhalten. Handelt es sich beim Beifahrer jedoch um den Halter des Fahrzeugs und ist der Fahrzeugführer erkennbar massiv alkoholisiert, so kann es sein, dass sich der Beifahrer als Mittäter durch Unterlassen strafbar macht, weil er dem erkennbar betrunkenen Lenker sein Fahrzeug zum Gebrauch überlassen hat. Bei einer betrunkenen Person ins Fahrzeug einzusteigen, ist meiner Meinung nach sowieso nicht zu empfehlen. Man setzt sich dabei einem unnötig hohen Risiko aus.

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