«Urban Zéro»: Wie Biel von der grauen Maus zur grünen Stadt wird

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«Urban Zéro»Wie Biel von der grauen Maus zur grünen Stadt wird

Zwei Kommunikationsprofis wollen Biel vom Verkehr befreien und die Stadt grün machen. Im Zentrum des Projekts «Urban Zéro» steht eine Seilbahn. So soll Biel wieder zur blühenden Zukunftsstadt werden.

von
Jan Graber
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Die Vision «Urban Zéro» sieht Biel als grüne, lebendige Stadt, die dank einer Seilbahn vom Verkehr befreit wird.  Der General-Guisan-Platz könnte wie im Bild aussehen. 

Die Vision «Urban Zéro» sieht Biel als grüne, lebendige Stadt, die dank einer Seilbahn vom Verkehr befreit wird. Der General-Guisan-Platz könnte wie im Bild aussehen. 

Projectone/Chris Gaethke, ArchiCGI
Für Diskussionsstoff dürfte die Hochbahn über den See sorgen.

Für Diskussionsstoff dürfte die Hochbahn über den See sorgen.

Projectone/Chris Gaethke, ArchiCGI
Die Brache am See verwandelt sich in den Lake Park mit einem Skywalk und der Hochbahnstation.

Die Brache am See verwandelt sich in den Lake Park mit einem Skywalk und der Hochbahnstation.

Projectone/Chris Gaethke, ArchiCGI

Darum gehts

  • Zwei Kommunikationsprofis haben für «ihre» Stadt Biel eine nachhaltige Zukunftsvision entwickelt.

  • Was als Idee für einen Online-Artikel begann, ist zu einem realen Vorhaben geworden.

  • Im Zentrum des möglichen Umbaus steht eine urbane Seilbahn. Sie soll die Stadt vom Verkehr befreien.

  • Die Uhrenindustrie und Biels Stadtpräsident hätten bereits Interesse am Projekt geäussert.

Am Anfang war die Seilbahn. Auf Berufsreisen sieht Stefan Jermann, wie sich grosse Metropolen transformieren und Seilbahnen beim Lenken von Pendlerströmen eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Seit langem interessiert sich der Kommunikationsexperte und Publizist für die Stadt der Zukunft und die Transformation dahinter.

Am Anfang steht auch seine Freundschaft zu Reto Bloesch, einem Bieler Event- und Kommunikationsprofi. Sie beide verbindet eine Liebe zur Stadt Biel, die an der Landesausstellung Expo.02 noch «Zukunftsstadt» genannt wurde, zwanzig Jahre später aber als «Heimat der Sozialfälle» verschmäht wird. Sie wollen Biel in einem neuen Licht sehen.

Vom Verkehr befreien

Anfänglich ist lediglich ein Artikel auf der Onlineplattform Naratek.com geplant, in dem sie ihre Ideen zur Transformation Biels darlegen. Ihr wichtigstes Anliegen: Die chronisch verstopfte Stadt vom Verkehr zu befreien.

Zentraler Hauptdarsteller soll eine fast sieben Kilometer lange urbane Seilbahn vom See ins Industriequartier Bözingen sein. «Sie braucht am wenigsten Energie und ist effizient», sagt Jermann. Und wenn erst einmal der Verkehr aus dem Weg ist, eröffnen sich neue Möglichkeiten des Zusammenlebens, die Stadt kann aufatmen und aufblühen.

Bloesch und Jermann beginnen mit der Arbeit an «Urban Zéro», so der Name des Projekts. Bloesch ist bestens vernetzt und besitzt Transformationserfahrung: Mit der Veranstaltungsreihe «First Friday» hat er die Altstadt Biels aus ihrer Lethargie erweckt und geholfen, sie in einen lebendigen Treffpunkt für Bieler und Bielerinnen zu verwandeln.

Mithilfe von Expertinnen und Experten

Die beiden erkennen, dass die Idee mehr hergibt als nur einen Online-Artikel.
Seilbahnexperten entwickeln die Linienführung. Für eine Brache direkt am See entwerfen Jermann und Bloesch einen Park mit einem Skywalk. Hinzu kommt eine Hochbahn über den See.

Unter Mitwirkung von Architekten, eines Kulturmanagers, der Direktorin der Verkehrsbetriebe Biel und anderen entsteht ein White Paper. Zur ursprünglich geplanten «Green City» entwerfen sie eine «Smart City» für die Vernetzung der Menschen und eine «Social City» für bezahlbaren Wohnraum und Integration.

Die Seilbahn soll ebenso ein Transportmittel für die Bevölkerung wie ein Magnet für Touristen und Touristinnen sein. Jermann und Bloesch denken Biel neu – die Stadt soll nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Realität lebendig und klimafreundlich werden.

Interesse der Uhrenindustrie

Ein Hirngespinst? Nicht gemäss den ersten Reaktionen auf «Urban Zéro». So habe zum Beispiel die Uhrenindustrie, die in Biel für Tausende Jobs sorgt, Interesse an der Seilbahn gezeigt. Sogar der Stadtpräsident Biels habe das Projekt spannend gefunden.

«Urban Zéro ist vor allem eine Diskussionsgrundlage», sagt Jermann. Mit einer eigenen Website ist der nächste Schritt getan. Als nächstes sollen ein Beratergremium und Machbarkeitsstudien entstehen. «Wir wollen die Politik und Wirtschaft an einen Tisch bringen», sagt Jermann. Immer mit einem Ziel im Blick: der Rückkehr Biels zu einer Zukunftsstadt.

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